Griechenland Lesezeit 2 Min. Lesezeit 1 Min.

Hellas braucht mehr Zeit

Möglicherweise bekommt das Land von der Troika zwei Jahre mehr Zeit zugestanden, um seinen Haushalt in Ordnung zu bringen. Die schätzungsweise 30 Milliarden Euro Hilfsgelder, die der Aufschub kos­ten wird, dürften allerdings an weitere Reformbedingungen geknüpft werden.

Kernaussagen in Kürze:
  • Möglicherweise bekommt das Land von der Troika zwei Jahre mehr Zeit zugestanden, um seinen Haushalt in Ordnung zu bringen.
  • Die schätzungsweise 30 Milliarden Euro Hilfsgelder, die der Aufschub kosten wird, dürften allerdings an weitere Reformbedingungen geknüpft werden.
  • Allein zwischen 2009 und 2011 hat Griechenland seine Staatsausgaben um beachtliche 18 Prozent gesenkt.
Zur detaillierten Fassung

Eine positive Einschätzung der Troika aus Vertretern von Europäischer Zentralbank, EU-Kommission und Internationalem Währungsfonds ist Voraussetzung dafür, dass die nächste Tranche des Hilfspakets an Athen ausgezahlt wird. Seit Wochen schieben die Troika-Experten die Veröffentlichung ihres aktuellen Berichts jedoch immer wieder hinaus, was die Spekulationen um Griechenlands Hilfsprogramm anheizt. Zuletzt hieß es, Hellas würde zwei Jahre mehr Zeit bekommen, um den angestrebten Haushaltsüberschuss in Höhe von 4,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts – unter Herausrechnung der Zinszahlungen – zu erreichen.

Tatsächlich gibt es gute Gründe, den Griechen mehr Zeit einzuräumen: Denn das Staatsdefizit will einfach nicht so weit sinken wie gewünscht – und das, obwohl das Land außerordentliche Sparanstrengun­gen auf sich nimmt:

Allein zwischen 2009 und 2011 hat Griechenland seine Staatsausgaben um beachtliche 18 Prozent gesenkt.

Doch weil vor allem die Steuereinnahmen wegen der Wirtschaftskrise stark eingebrochen sind, ist das Loch im Staatshaushalt weiterhin zu groß. Wenn Griechenland jetzt etwas mehr Zeit zum Defizitabbau bekommen würde, könnte das helfen, den Teufelskreis aus Konjunktureinbrüchen und zusätzlichen Einsparungen zu durchbrechen.

Die Troika wird der griechischen Regierung jedoch nicht ohne Gegenleistungen helfen. Die Vertreter der hilfegebenden Institutionen werden wohl versuchen, den Druck dahingehend zu erhöhen, dass Griechenland dringend nötige, aber schwer durchsetzbare Reformen endlich angeht.

Das betrifft zum Beispiel den überdimensionierten Staatssektor, der längst hätte verschlankt werden sollen. Aber auch bei den Strukturreformen, wie etwa flexibleren Arbeitsmärkten oder mehr Wettbewerb auf den Produktmärkten, gibt es Nachholbedarf.

Viele Vorgaben hat Griechenland jedoch schon erfolgreich umgesetzt (Grafik):

Es steht im aktuellen Reformranking der OECD an erster Stelle, weil das Land 2010 und 2011 in 90 Prozent der Politikbereiche signifikante Reformen umgesetzt hat.

So hat die griechische Regierung beispielsweise die Zeit für Baugenehmigungen auf der Kommunalebene stark reduziert. Auch neue Unternehmen lassen sich aufgrund einer besseren elektronischen Vernetzung nun deutlich leichter gründen.

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesene

Mehr auf iwkoeln.de