Brasilien Lesezeit 2 Min. Lesezeit 1 Min.

Hausgemachte Probleme

Die Fußball-Welt blickt auf das Land am Zuckerhut: Am 12. Juni startet dort die Weltmeisterschaft. Und dann will Brasilien nicht nur sportlich überzeugen, sondern sich auch als Handelspartner mit Potenzial präsentieren. Doch die siebtgrößte Volkswirtschaft der Welt plagen Probleme.

Kernaussagen in Kürze:
  • Die Fußball-Welt blickt auf das Land am Zuckerhut: Am 12. Juni startet dort die Weltmeisterschaft, doch die siebtgrößte Volkswirtschaft der Welt plagen Probleme.
  • Wuchs die reale Wirtschaftsleistung 2010 noch um 7,5 Prozent, bewegt sich das Wachstum seitdem nur noch um die 2-Prozent-Marke.
  • Der Exportüberschuss in der brasilianischen Handelsbilanz schrumpfte von knapp 20 Milliarden Dollar 2012 auf 2,5 Milliarden Dollar im Jahr 2013 – ein Indiz für die geringe Wettbewerbsfähigkeit des Landes.
Zur detaillierten Fassung

Kurz vor Beginn der Fußball-WM sieht es beim Gastgeber mau aus: Erst neun der zwölf Stadien – die Kosten belaufen sich auf geschätzte 2,7 Milliarden Euro – sind fertig, die Infrastruktur aus Flughäfen, Straßen, Hotels und Internetverbindungen lässt zu wünschen übrig und Demonstrationen der armen Bevölkerung gegen das Sport­event sind an der Tagesordnung.

Zu den politischen und sozialen Problemen wie Korruption und Armut kommt auch noch eine lahmende Wirtschaft: Vor wenigen Jahren galt Brasilien als Star unter den Schwellenländern, die Mittelschicht wuchs, größere Teile der armen Bevölkerung schafften den sozialen Aufstieg, der Real galt als eine der stärksten Währungen der Welt.

Wuchs die reale Wirtschaftsleis­tung 2010 noch um 7,5 Prozent, bewegt sich das Wachstum seitdem nur noch um die 2-Prozent-Marke. Das Bruttoinlandsprodukt pro Einwohner betrug 2013 lediglich rund 12.000 Dollar (Grafik) und auch der Außenhandel liefert keine Wachstumsimpulse mehr.

Die brasilianische Wirtschaft krankt vor allem an hausgemachten Problemen. Der Ausbau der Infrastruktur kommt nicht in Schwung. Die Firmen investieren kaum, weil die Zinsen zu hoch sind. Und eine Senkung ist nicht in Sicht – im Gegenteil: Die brasilianische Zentralbank hat im Februar den Leitzins auf 10,75 Prozent angehoben.

Auch internationale Investoren halten sich zurück. Die einst rapide steigenden deutschen Direktinvestitionen in Brasilien sind seit 2011 rückläufig. Der derzeit schwache Real hat zudem die Importe erheblich verteuert; gleichzeitig ließen die Exporte 2013 trotz der Abwertung stark nach. Die Folge:

Der Exportüberschuss in der brasilianischen Handelsbilanz schrumpfte von knapp 20 Milliarden Dollar 2012 auf 2,5 Milliarden Dollar im Jahr 2013 – ein Indiz für die geringe Wettbewerbsfähigkeit des Landes.

Für Deutschland ist Brasilien aber weiterhin der wichtigste Handelspartner in Lateinamerika: Die Bundesrepublik importiert vor allem Eisenerz, Soja und Kaffee. Zudem produzieren viele deutsche Unternehmen im Land am Zuckerhut: Etwa 1.400 deutsch-brasilianische Firmen beschäftigen rund 250.000 Menschen.

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesene

Mehr auf iwkoeln.de