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Hausaufgaben für die Hochschulen

Inzwischen schreibt sich in Deutschland jeder zweite junge Mensch an einer Hochschule ein. Da Studienanfänger heute häufig andere Qualifikationen mitbringen als früher, brauchen sie mehr Unterstützung.

Kernaussagen in Kürze:
  • Inzwischen schreibt sich in Deutschland jeder zweite junge Mensch an einer Hochschule ein.
  • Einerseits gibt es immer mehr Studenten, andererseits ist der Anteil der hochkompetenten Schüler seit Jahren konstant.
  • Ein Teil der heutigen Studienanfänger hinkt früheren Erstsemestern rein rechnerisch deshalb bis zu einem halben Schuljahr in Mathematik und beim Leseverständnis hinterher.
Zur detaillierten Fassung

Die Hochschulen in Deutschland haben ein Problem: Einerseits gibt es immer mehr Studenten, andererseits ist der Anteil der hochkompetenten Schüler seit Jahren konstant.

Was heißt das genau? Tatsächlich gibt es immer mehr Schulabsolventen mit Hochschulzugangsberechtigung: Im Jahr 2003 verfügten nur rund 39 Prozent der 18- bis 20-Jährigen über einen Schulabschluss, der zum Studium berechtigt, 2012 waren es fast 54 Prozent – dabei sind die doppelten Abiturientenjahrgänge bereits herausgerechnet.

Auch die Studienanfängerquote hat zugenommen (Grafik):

Nahmen 2003 knapp 39 Prozent eines Jahrgangs ein Studium auf, so sind es mittlerweile rund 51 Prozent.

Kaum verändert hat sich dagegen das Potenzial der leistungsstarken Schüler. So hat sich der Anteil der 15-Jährigen, die bei den PISA-Tests gut abschneiden, in Deutschland seit 2003 nur marginal erhöht.

Das hat Konsequenzen: Da der Kreis der Studenten größer wird, der Anteil der PISA-Klassenbesten aber in etwa gleich bleibt, schreiben sich nun vermehrt Schulabsolventen an den Hochschulen ein, die mit 15 Jahren lediglich durchschnittliche PISA-Kompetenzen erreichten. Ein Teil der heutigen Studienanfänger hinkt früheren Erstsemestern rein rechnerisch deshalb bis zu einem halben Schuljahr in Mathematik und beim Leseverständnis hinterher.

Ursache dafür ist, dass das Bildungssystem in den vergangenen Jahren deutlich durchlässiger geworden ist. So studieren in Deutschland immer mehr Menschen, die ihre Hochschulzugangsberechtigung beispielsweise an einer beruflichen Schule erworben haben oder die aufgrund ihrer beruflichen Qualifika­tion einen Studienplatz ergattern konnten. Überdies kommt eine steigende Zahl von Studenten aus dem Ausland.

Die heutigen Studienanfänger sind nicht weniger leistungsfähig als frühere Jahrgänge – sie bringen nur andere Fähigkeiten mit als die klassischen Gymnasiasten: Heutzutage verfügen viele Studenten über Berufs­praxis oder über Kenntnisse anderer Kulturen. Um ihnen den Übergang zu erleichtern, sollten die Hochschulen Brückenkurse anbieten. Ein Uni-Crashkurs in Mathe etwa könnte vielen Erstsemestern, die an Formeln verzweifeln, helfen und die Zahl der Studienabbrecher senken (vgl. iwd 26/2014).

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