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Gutes Gewissen importiert

Längst wird ein Großteil der in Deutschland nachgefragten Bioprodukte importiert. Das liegt vor allem daran, dass sich in den vergangenen Jahren zu wenige Bauern für die Umstellung auf die ökologische Landwirtschaft begeistern konnten.

Kernaussagen in Kürze:
  • Die Verbraucher in Deutschland kauften 2014 für 8 Milliarden Euro Biolebensmittel ein.
  • Ein großer Teil der hierzulande nachgefragten Bioprodukte wird importiert.
  • Nach Jahren der Stagnation ist die Ökoanbaufläche in Deutschland 2015 wieder gewachsen.
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Am 10. Februar startet in Nürnberg die Biofach, die führende Messe für Biolebensmittel. Die dort zu verkündenden Neuigkeiten werden wohl überwiegend positiv ausfallen: Denn nicht nur der Umsatz mit Biolebensmitteln soll 2015 erneut gestiegen sein, sondern auch die Fläche, auf der in Deutschland Bio­möhren und Ökoäpfel wachsen.

Letzteres ist ein gutes Zeichen – denn zuvor war die Nachfrage nach Bioprodukten deutlich größer als das heimische Angebot (Grafik):

Im Jahr 2014 kauften die Verbraucher in Deutschland für knapp 8 Milliarden Euro Biolebensmittel ein. Weil aber die Ökoanbaufläche seit 2010 kaum zugelegt hatte, mussten mehr und mehr Bioprodukte importiert werden.

So stammte in den Jahren 2013 und 2014 jeder zweite in Deutschland verzehrte Bioapfel aus dem Ausland; auch Kartoffeln, Möhren, Mais und Getreide in Bioqualität sind häufig Importprodukte.

Problematisch ist die Einfuhr von Biolebensmitteln aus zwei Gründen: Erstens sind Transportwege mit Treibhausgasemissionen verbunden. Und zweitens bleiben, wenn Verbraucher auf ausländische statt auf einheimische Ökoprodukte zurückgreifen, die mit der Erzeugung verbundenen positiven ökologischen Effekte wie eine Entlastung der Grund- und Oberflächengewässer in Deutschland aus.

Weil die Ökoanbaufläche ein Schlüsselindikator der nationalen Nachhaltigkeitsstrategie ist, soll ihr Anteil steigen: Im Jahr 2014 wurden 6,3 Prozent der landwirtschaftlichen Fläche Deutschlands ökologisch bewirtschaftet, die Bundesregierung strebt eine Quote von 20 Prozent an.

Die ersten politischen Weichen dafür sind gestellt: Nachdem die Umstellung auf Biolandwirtschaft lange vernachlässigt wurde, ist es inzwischen für deutsche Bauern wieder attraktiver, eine ressourcen­schonende Landwirtschaft und artgerechte Viehhaltung zu betreiben. Zum einen ist die Subventionierung von Energiemais deutlich reduziert worden. Sie hatte in der Vergangenheit dazu geführt, dass sich Mais-Monokulturen besser rechneten als die Lebensmittelproduktion. Zum anderen zahlen einige Bundesländer ihren Biobauern mittlerweile wieder stabile Ökoprämien.

In Nordrhein-Westfalen beispielsweise, wo rund 70.000 Hektar Fläche ökologisch bewirtschaftet werden und der Zuwachs der Ökofläche und der Biobetriebe seit dem Jahr 2011 stagniert, will das Landwirtschaftsministerium den Anbau von Öko­lebensmitteln bis 2020 mit mehr als 130 Millionen Euro fördern. Für das Vorläuferprogramm von 2007 bis 2013 standen nur 84 Millionen Euro zur Verfügung.

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