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Gute Zeiten für Arbeitnehmer

Fachkräfte werden knapp. Dies spiegelt sich bereits in der Lohnentwicklung wider. Allerdings konnten zuletzt auch Ungelernte recht gute Verdienstzuwächse verbuchen – wenngleich aus einem anderen Grund.

Kernaussagen in Kürze:
  • In deutschen Unternehmen wird die Fachkräftesicherung mehr und mehr zum Megathema.
  • Jedes dritte Unternehmen mit bis zu 500 Beschäftigten befürchtet, wegen der Personalprobleme Aufträge nicht annehmen zu können.
  • Weil Arbeitskräfte aber nicht überall knapp werden – Friseurinnen, Literaturwissenschaftler und Bankkaufleute gibt es zur Genüge –, werdensich die Löhne je nach Beruf und Tätigkeit recht unterschiedlich entwickeln.
Zur detaillierten Fassung

In deutschen Unternehmen wird die Fachkräftesicherung mehr und mehr zum Megathema. Und auch die Verbände haben längst mobilgemacht. Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) zum Beispiel wird nicht müde zu betonen, alle Beteiligten – von den Bildungspolitikern bis hin zu den Firmenchefs – mögen schon jetzt die Weichen dafür stellen, dass auch in ein paar Jahren genügend qualifizierte Arbeitskräfte vorhanden sind. Der DIHK unterfüttert seine Aufforderung mit einem Umfrageergebnis aus dem Sommer 2011:

Jedes dritte Unternehmen mit bis zu 500 Beschäftigten befürchtet, wegen der Personalprobleme Aufträge nicht annehmen zu können.

Für Arbeitnehmer brechen damit gute Zeiten an. Wollen Unternehmen Personal anlocken, werden sie im Vergleich zur Konkurrenz häufiger etwas drauflegen müssen. Firmen, die nicht nach Tarifvertrag zahlen, dürften mittelfristig im Wettbewerb um neue Mitarbeiter schlechte Karten haben. Vor allem in den technisch-naturwissenschaftlichen Berufen verbessern sich die Jobaussichten, was die Durchsetzung von Gehaltsforderungen erleichtert.

Weil Arbeitskräfte aber nicht überall knapp werden – Friseurinnen, Literaturwissenschaftler und Bankkaufleute gibt es zur Genüge –, werden sich die Löhne je nach Beruf und Tätigkeit recht unterschiedlich entwickeln.

Dass dies in Ansätzen schon heute der Fall ist, kann man in der Verdienststatistik des Statistischen Bundesamts ablesen. Diese informiert vierteljährlich über die Entwicklung der Bruttoverdienste nach sogenannten Leistungsgruppen, in denen viele Berufe und Tätigkeiten zusammengefasst sind (Grafik).

So zeigten die Daten seit dem ersten Quartal 2007 – seitdem gibt es diese Aufstellung für die Gesamtwirtschaft – nur einen schwachen Zusammenhang zwischen Qualifikation und Lohndynamik:

Arbeitnehmer mit Führungsaufgaben oder mit selbstständigen Tätigkeiten verzeichneten bis zum dritten Quartal 2011 gegenüber 2007 ein Lohnplus von 9,2 Prozent.

Arbeitnehmer mit abgeschlossener Berufsausbildung bekamen im Schnitt über alle Tätigkeitsbereiche hinweg knapp 8 Prozent mehr Lohn.

Angelernte Arbeitnehmer mussten sich mit einem Plus von 6,2 Prozent begnügen.

Im Produzierenden Gewerbe – wo die Fachkräfteknappheit vor allem bei Technikern schon heute spürbar ist – fällt die Differenz größer aus. Hier liegt die Spanne bei den Kräften mit einer Berufsausbildung zwischen 14,7 und 6,6 Prozent.

Auffallend ist, dass ungelernte Arbeitnehmer sowohl im Produzierenden Gewerbe als auch bei Dienstleistern vom Schema abweichen und relativ hohe Lohnzuwächse verbuchten. Eine mögliche Erklärung dafür könnte die Einführung verschiedener Branchenmindestlöhne sein (vgl. iwd 6/2012).

Viele Arbeitnehmer in den unteren Einkommensgruppen haben dadurch mehr in der Tasche. Die Unternehmen indes haben die höheren Lohnkosten auf besser bezahlte Mitarbeiter abgewälzt – indem sie diesen einen Teil der Zulagen gestrichen haben.

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