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Gute Erträge im Ausland

Die deutschen Leistungsbilanzüberschüsse der vergangenen Jahre haben auch das Nettoauslandsvermögen Deutschlands wachsen lassen. Kritiker bemängeln nun, das Geld im Ausland sei schlecht angelegt. Sie übersehen dabei aber wichtige Fakten.

Kernaussagen in Kürze:
  • Die deutschen Leistungsbilanzüberschüsse der vergangenen Jahre haben auch das Nettoauslandsvermögen Deutschlands wachsen lassen.
  • Anfang 2014 summierte sich das deutsche Nettoauslandsvermögen auf annähernd 1.400 Milliarden Euro – im Jahr 1999 waren es erst 90 Milliarden Euro.
  • Die Gesamtrendite – einschließlich Wertänderungen – des deutschen Auslandsvermögens lag im Schnitt der Jahre 2005 bis 2013 bei 4 Prozent, während Ausländer mit ihrem Vermögen in Deutschland eine Rendite von 3,8 Prozent erzielten.
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Eigentlich ist es eine gute Sache: Die Überschüsse, die Deutschland vor allem im Warenhandel mit anderen Ländern erzielt, bedeuten zugleich einen Vermögensaufbau im Ausland. Damit sorgen die Deutschen für die kommenden Jahre vor, wenn der schrumpfenden Zahl von Erwerbstätigen immer mehr Rentner gegenüberstehen. Wenn die Bundesrepublik dann weniger produziert und exportiert, aber mehr importiert und konsumiert als heute, entstehen Leistungsbilanzdefizite und das im Ausland aufgebaute Vermögen wird sukzessive aufgelöst. Derzeit ist das Polster recht üppig (Grafik):

Anfang 2014 summierte sich das deutsche Nettoauslandsvermögen auf annähernd 1.400 Milliarden Euro – im Jahr 1999 waren es erst 90 Milliarden Euro.

Unternehmen, private Haushalte und Banken haben per saldo sogar fast 2.400 Milliarden Euro im Ausland angelegt. Dem stehen allerdings mehr als 1.000 Milliarden Euro Auslandsschulden des deutschen Staates gegenüber.

Einige Ökonomen behaupten nun, das über die Leistungsbilanz­überschüsse erwirtschaftete Auslandsvermögen rentiere sich zu wenig. Deshalb wäre es von vornherein besser, Außenhandelsüberschüsse zu vermeiden.

Als Beleg führen die Wirtschaftswissenschaftler an, dass die aufsummierten Leistungsbilanzüberschüsse der vergangenen Jahre deutlich größer gewesen seien als der Zuwachs des Nettoauslandsvermögens.

Die wahren Gründe dafür übersehen die Kritiker jedoch. Das deutsche Nettoauslandsvermögen – der Saldo aus Bruttovermögen im Ausland und ausländischem Bruttovermögen im Inland – ist unter anderem deshalb weniger stark gewachsen, als die Leistungsbilanz nahelegt, weil das hiesige Vermögen der Ausländer an Wert gewonnen hat.

Das liegt zum einen an den Kurssteigerungen deutscher festverzinslicher Wertpapiere. Vor allem deutsche Staatsanleihen galten in den Krisenjahren als sicherer Hafen und wurden stark nachgefragt. Zum anderen hat sich der Deutsche Aktienindex im internationalen Börsenvergleich zuletzt gut entwickelt – und damit auch ausländische Aktienanlagen in Deutschland.

Schließlich hat auch die zwischenzeitliche Euro-Aufwertung gegenüber anderen Währungen das in Euro berechnete Nettoauslandsvermögen verringert, weil deutsche Anlagen im Ausland meist in Fremdwährung notiert sind.

Allein die Bewertungs- und Wechsel­kurseinflüsse haben das deutsche Nettoauslandsvermögen zwischen 2007 und 2013 um mehr als 230 Milliarden Euro verringert.

Hinzu kommen Unterschiede zwischen der statistischen Erfassung der Leistungsbilanz und des Auslandsvermögens, die eine weitere Verringerung des Vermögenszuwachses um 400 Milliarden Euro erklären.

Trotz alledem ist das von den Bundesbürgern im Ausland inves­tierte Geld nach Berechnungen der Bundesbank gut angelegt:

Die Gesamtrendite – einschließlich Wertänderungen – des deutschen Auslandsvermögens lag im Schnitt der Jahre 2005 bis 2013 bei 4 Prozent, während Ausländer mit ihrem Vermögen in Deutschland eine Rendite von 3,8 Prozent erzielten.

Deutsche Direktinvestitionen im Ausland rentierten sich sogar mit 7,2 Prozent – gegenüber 4,9 Prozent, die ausländische Firmen mit ihren Engagements in der Bundesrepublik erwirtschafteten.

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