Unternehmensfinanzierung Lesezeit 2 Min. Lesezeit 1 Min.

Gut aufgestellt

Weil die Weltwirtschaft schwächelt, halten sich deutsche Unternehmen mit Investitio­nen zurück. Wenn das Umfeld aber wieder stimmt, sind sie gut vorbereitet auf neue Engagements – dank ihrer robusten Finanzierungsstruktur.

Kernaussagen in Kürze:
  • Anders als in den USA finanzieren sich Unternehmen in Europa überwiegend über Bankkredite, den Kapitalmarkt nutzen sie vor allem für die Aktienemission.
  • Deutsche Unternehmen haben ihre Bonität in den vergangenen Jahren durch den Aufbau von Eigenkapital erhöht.
  • Die Unternehmensfinanzierung über die Ausgabe von Anleihen spielt in Deutschland so gut wie keine Rolle.
Zur detaillierten Fassung

Anders als in den USA, wo sich die Unternehmen vor allem über die Kapitalmärkte finanzieren, holen sich die Unternehmen in Europa und insbesondere in Deutschland ihr Geld überwiegend von den Banken, also über Kredite. Den Kapitalmarkt nutzen sie vor allem für die Aktienemission.

Die hohe Abhängigkeit von Bankkrediten bringt es mit sich, dass die schärferen Regulierungen der europäischen Finanzbranche auch die Geschäfte der Realwirtschaft erschweren könnten – nämlich dann, wenn die Unternehmen schwieriger an Kredite herankommen. Ob diese Gefahr für deutsche Unternehmen besteht, lässt sich an drei Größen ablesen:

Verhältnis von Eigenkapital zu Fremdkapital. Für eine Kreditzusage spielt die Bonität eine wichtige Rolle – und die haben die Unternehmen in den vergangenen Jahren durch den Aufbau von Eigenkapital erhöht (Grafik):

Von 1997 bis 2012 ist die Eigenkapitalquote der Großunternehmen um rund 4 Punkte auf knapp 30 Prozent gestiegen, die der kleinen und mittleren Unternehmen legte sogar um fast 17 Punkte auf 24 Prozent zu.

Das Eigenkapital liegt vor allem als Forderungsvermögen vor und kann deshalb leicht zur Finanzierung abgerufen werden. In den Großunternehmen hat sich die Relation von Sach- und Forderungsvermögen stark verschoben. Bestand im Jahr 1997 noch fast die Hälfte ihres Vermögens aus Sachwerten wie Grundstücken und Gebäuden, ist diese Quote bis 2012 auf 35 Prozent gesunken. Entsprechend ist das Forderungsvermögen – Bargeld, Lieferantenforderungen und Beteiligungen – von 53 auf 65 Prozent der Bilanzsumme gestiegen. In den kleinen und mittelständischen Unternehmen ist dieser Trend allerdings bei weitem nicht so ausgeprägt.

Verhältnis von Kapitalmarkt- zur Bankenfinanzierung. Die Finanzierung über die Ausgabe von Anleihen spielt für deutsche Unternehmen nach wie vor eine Nebenrolle. Kurzfristige Anleihen mit einer Laufzeit von bis zu drei Jahren machen gerade einmal 0,1 Prozent des Bruttoinlandsprodukts aus; der Anteil langfristiger Anleihen beträgt ebenfalls nur 5,1 Prozent.

Bei den langfristigen Krediten liegt der Anteil bei 31,9 Prozent. Kredite können an die Bedürfnisse des jeweiligen Unternehmens angepasst werden, während Anleihen stärker standardisiert sind.

Verhältnis kurz- zu langfristigen Krediten. Die historisch niedrigen Zinsen lassen vermuten, dass die Unternehmen die Chance nutzen und kurzfristige durch langfristige Kredite ersetzen. Doch dem ist nicht so: Der Anteil der kurzfristigen Kredite an der Bilanzsumme hat sich seit 1998 kaum verändert und der Anteil der Langfristkredite ist sogar um gut 4 Punkte auf rund 15 Prozent gefallen. Stattdessen leihen sich die Unternehmen immer häufiger kurzfris­tig Geld von Lieferanten oder aus dem Konzern.

Eine stärkere Kapitalmarktorientierung der Unternehmen ist nicht zu erwarten – auch, wenn die Politik dies gerne hätte.

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