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Gründlos in Deutschland

Im Jahr 2014 wurden in Deutschland nur 310.000 Betriebe als Haupterwerb gegründet – so wenige wie schon lange nicht mehr. Das IW Köln will diesen Trend mit einem Bündel an Maßnahmen stoppen.

Kernaussagen in Kürze:
  • Im Jahr 2014 wurden in Deutschland nur 310.000 Betriebe als Haupterwerb gegründet.
  • Trotz der guten Fördermöglichkeiten geht die Zahl der Gründungen in Deutschland seit gut zehn Jahren kontinuierlich zurück.
  • Um dem Abwärtstrend bei Unternehmensgründungen entgegenzuwirken, empfiehlt das Institut derdeutschen Wirtschaft Köln (IW) die zahlreichen Förderprogramme besser zu bündeln, Anreize für mehr Wagniskapital für Start-ups zu setzen, die ökonomische Bildung an Schulen zu verbessern und Bürokratie abzubauen.
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Die USA haben Silicon Valley – aber was ist mit Deutschlands „Ideen­hausen“? Weitgehend Fehlanzeige. Dabei sind Unternehmensgründungen für eine Volkswirtschaft wie ein Jungbrunnen: Menschen mit Ideen und Risikobereitschaft bringen oft grundlegende Innovationen in traditionelle Branchen.

Dass Start-ups die Wirtschaft beleben, haben Bund, Länder und die Europäische Union erkannt und fördern Gründungswillige mit verschiedenen Programmen – in der Hoch- und Spitzentechnologie, aber auch neue Firmen ohne besonderen Technologieanspruch.

Trotz der guten Fördermöglichkeiten geht die Zahl der Gründungen in Deutschland seit gut zehn Jahren kontinuierlich zurück.

In Deutschland hat sich bisher keine Gründerkultur etabliert; der Spaß an einer eigenständigen unternehmerischen Tätigkeit kann die damit oft einhergehende soziale Unsicherheit und die meist langen Arbeitszeiten offenbar nicht wettmachen (Grafik).

Viele Deutsche gründen deshalb nur dann eine Firma, wenn sie keine Alternative am Arbeitsmarkt sehen. Folglich trägt der Rückgang der Arbeitslosenzahlen in den vergangenen Jahren dazu bei, dass die Zahl der Gründungen stetig sinkt. Außerdem hat der Staat 2012 den Zuschuss für Gründungen aus der Erwerbslosigkeit so reformiert, dass weit weniger Interessenten förderberechtigt sind.

Aber auch Hochqualifizierte, die ohnehin selten arbeitslos sind, riskieren nicht oft den Schritt in die Selbstständigkeit. An Schulen und Universitäten wird diese Form der Arbeit kaum als Alternative zu einer angestellten Tätigkeit im öffentlichen Dienst oder in einer großen Firma vermittelt.

Wagt es ein High Potential dennoch, eine Firma zu gründen, kann er dies oft nur schwer über Wagniskapital finanzieren. Denn während die allgemeine Gründungsförderung über die staatliche Förderbank KfW und weitere Geldgeber gut ausgebaut ist, ist der deutsche Venture-Capital-Markt aufgrund der vielen steuerlichen Einschränkungen überaus schwach entwickelt.

Um dem Abwärtstrend bei Unternehmensgründungen entgegenzuwirken, empfiehlt das Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW) folgende Maßnahmen:

  • Die zahlreichen Förderprogramme sollten besser gebündelt und kommuniziert werden.
  • Durch Anreize für mehr Wagniskapital sollten Start-ups leichter Zugang zu Investitionsmitteln erhalten (vgl. iwd 11/2015).
  • Die ökonomische Bildung an Schulen sollte verbessert und ausgebaut werden. Untersuchungen von Schulbüchern zeigen, dass Entrepreneurship in den Lehrplänen bisher kaum eine Rolle spielt.
  • Gründer und Unternehmen werden zunehmend durch Bürokratie in ihrem Wachstum gehemmt. Diese Hürden ließen sich verringern, indem Behörden Meldeverfahren bündeln und vermehrt online anbieten sowie eine spezielle Anlaufstelle für Gründer schaffen.

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