Start-ups 14.10.2016 Lesezeit 2 Min. Lesezeit 1 Min.

Gründer in Europa starten durch

Junge Unternehmen, die sich mit innovativen Ideen auf dem Markt durchsetzen, sind wichtige Treiber des Wirtschaftswachstums. In Europa ist die Start-up-Szene jedoch noch immer recht klein – vor allem verglichen mit den USA. Immerhin holen einige europäische Regionen in jüngster Zeit merklich auf.

Kernaussagen in Kürze:
  • Immer mehr junge Firmen aus Europa starten erfolgreich durch – Berlin zählt mittlerweile zu den zehn weltweit besten Start-up-Regionen.
  • Dennoch haben es Gründer in Europa zum Beispiel in Sachen Finanzierung noch weit schwerer als in den USA.
  • Die europäischen Regierungen müssen daher unter anderem den Zugang zu Wagniskapital verbessern und die digitale Infrastruktur weiter ausbauen.
Zur detaillierten Fassung

Wer an Start-ups denkt, hat fast automatisch die Erfolgsstorys aus dem kalifornischen Silicon Valley im Kopf – wie Apple, Facebook, Airbnb oder Uber, alles Firmen, die längst weltweit bekannt sind.

Europa holt auf

Allerdings sind in den vergangenen Jahren auch junge Firmen aus Europa durchgestartet: zum Beispiel Spotify aus Schweden, Blablacar aus Frankreich oder Zalando und Rocket Internet aus Deutschland. Und die Bedingungen für weitere europäische Erfolge haben sich in letzter Zeit zumindest mancherorts verbessert (Grafik):

London und seit kurzem auch Berlin gehören zu den weltweit zehn Regionen, in denen Start-ups unter anderem die besten Finanzierungschancen und das größte Marktpotenzial haben.

In Berlin ist die Start-up-Szene in jüngster Zeit zudem so stark gewachsen wie in keiner anderen der von der Internetplattform Compass.co untersuchten Regionen. Europaweit gab es im Mai 2015 bereits 40 Start-up-Unternehmen mit einem Marktwert von mehr als 1 Milliarde Dollar – Tendenz steigend.

Berlin gehört inzwischen zu jenen zehn Regionen mit den weltweit besten Bedingungen für Start-ups.

Zuletzt hat sich für europäische Firmengründer außerdem der Zugang zu Wagniskapital verbessert – in der Regel stellen dabei Beteiligungsgesellschaften Eigenkapital und Know-how zur Verfügung, um Start-ups in der Gründungsphase zu unterstützen. Allein von 2012 bis 2014 sind diese Venture-Capital-Investitionen in Europa um rund 4 Milliarden Dollar gestiegen.

Was Gründer in Europa bremst

Dennoch haben es Gründer in Europa nach wie vor weitaus schwerer als jenseits des Atlantiks:

  1. In den USA sind die Wagniskapital-Investitionen in Start-ups immer noch fünfmal so hoch wie in Europa.
  2. Die Gründung einer Firma mit sozialversicherungspflichtig Beschäftigten dauert in Europa im Schnitt 15 Tage, in den USA dagegen nur 9.
  3. Die Gründungskultur ist in den USA deutlich ausgeprägter – unter anderem deshalb, weil gescheiterte Firmengründer dort selbstverständlich eine zweite oder dritte Chance bekommen.
  4. Vor allem digitale Start-ups benötigen oft einen großen Nutzerkreis, damit ihr Geschäftsmodell trägt – in der EU erschweren die unterschiedlichen Gesetze der einzelnen Länder diese Ausbreitung.

Angesichts dessen sollten die europäischen Regierungen den Zugang zu Wagniskapital für Start-ups vereinfachen. Zudem gilt es, die Breitband-Infrastruktur weiter auszubauen, auf die digitale Start-ups angewiesen sind. Ebenso wichtig ist die Umsetzung des digitalen Binnenmarkts, der den Datenschutz sowie den Umgang mit neuen, plattformbasierten Geschäftsmodellen EU-weit regelt. Das würde Gründern in Europa zu mehr Rechtssicherheit verhelfen.

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesene

Mehr auf iwkoeln.de