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Gründen leichter machen

Seit 2006 hat die Bundesregierung zwar eine Reihe von administrativen Regelungen für Unternehmen vereinfacht oder gestrichen. Doch noch immer macht der Staat Firmengründern das Leben schwer. So können sie ihr Gewerbe nach wie vor nicht online anmelden und es fehlen zentrale Anlaufstellen, die sich um alle notwendigen Formalitäten kümmern.

Kernaussagen in Kürze:
  • In Deutschland müssen Firmengründer im Schnitt neun Anträge bei Behörden stellen und 15 Tage warten, bis diese bearbeitet werden – in Ländern wie den USA und Kanada ist die Gründungsbürokratie wesentlich schneller erledigt.
  • Der Schritt in die Selbstständigkeit ist in Deutschland zudem teuer – im Handel zum Beispiel beträgt der Aufwand für die Formalitäten einschließlich Verwaltungsgebühren im Schnitt rund 220 Euro.
  • Der Aufwand ließe sich unter anderem durch die flächendeckende Einrichtung zentraler Anlaufstellen für Firmengründer reduzieren.
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Formulare bearbeiten, Daten an die öffentliche Verwaltung melden, Statistiken führen – all diese Auf­gaben müssen Unternehmen in Deutschland aufgrund von rund 10.000 Bundesgesetzen erfüllen. Das kostet viel Zeit und Geld. Zwar hat der von der Bundesregierung initiierte Bürokratieabbau die Kostenbelastung der Unternehmen seit dem Jahr 2006 von nahezu 49 Milliarden auf 37 Milliarden Euro reduziert (vgl. iwd 22/2015). Doch in diesen Werten sind die Kosten für die inhaltliche Erfüllung staatlicher Auflagen noch gar nicht enthalten – darunter fallen nicht zuletzt die mit der Einführung des Mindestlohns verbundenen Mehrausgaben der Unternehmen in Höhe von 9,6 Milliarden Euro pro Jahr.

Unternehmensgründer sind noch nicht einmal auf formaler Ebene entlastet worden. Nach Angaben der Weltbank brauchen sie in der Bundesrepublik besonders viel Geduld:

Im Schnitt müssen Firmengründer in Deutschland neun Anträge bei Behörden stellen und 15 Tage warten, bis diese bearbeitet wurden.

In den USA ist die Gründungsbürokratie nach fünf Tagen mit sechs Prozeduren erledigt und in Kanada reicht eine Online-Anmeldung, sodass ein Jungunternehmer bereits nach zwei Tagen starten kann. Auch Österreich hat mittlerweile die Firmenanmeldung per Internet eingeführt – in Deutschland dagegen tut sich in dieser Hinsicht nichts.

Damit bleibt der Schritt in die unternehmerische Selbstständigkeit nicht nur ein langwieriges, sondern auch ein teures Vergnügen (Grafik):

Im Handel zum Beispiel kostet es einen Unternehmensgründer im Schnitt allein fast 130 Euro, alle notwendigen Formalitäten zu erledigen. Rechnet man die Verwaltungsgebühren hinzu, beträgt der Aufwand sogar rund 220 Euro.

Um 20 Prozent ließe sich der bloße Erfüllungsaufwand allerdings verringern, wenn flächendeckend zentrale Anlaufstellen für Firmengründer eingerichtet würden – das hat ein Gemeinschaftsprojekt des Bundeswirtschaftsministeriums mit Verbänden und dem Statistischen Bundesamt herausgefunden. Im Branchendurchschnitt läge dieser Aufwand dann nur noch bei knapp 74 Euro statt bei 88 Euro – und eine erhebliche Zeitersparnis für die Jungunternehmer käme sicherlich noch hinzu.

Zwar gibt es infolge der EU-Dienstleistungsrichtlinie in den Bundesländern mittlerweile feste Ansprechpartner, an die sich Gründer mit ihren Fragen wenden können. Doch ein Ausbau dieser Stellen zu sogenannten One-Stop-Shops, die alle zur Firmengründung notwendigen Anträge und Genehmigungen gebündelt bearbeiten, lässt weiter auf sich warten.

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