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Griff ins Eingemachte

Die Senioren in Deutschland haben einiges auf der hohen Kante, vor allem ehemals Selbstständige und höhere Beamte müssen im Alter nicht darben. Während Unternehmer allerdings im Ruhestand häufig von ihrem Ersparten leben müssen, können andere Senioren ihr Vermögen weitgehend unangetastet lassen.

Kernaussagen in Kürze:
  • Die Senioren in Deutschland haben einiges auf der hohen Kante, vor allem ehemals Selbstständige und höhere Beamte müssen im Alter nicht darben.
  • Die Gruppe der über 65-jährigen Unternehmer verfügt über das höchste Vermögen – im Jahr 2012 waren es durchschnittlich knapp 330.000 Euro.
  • Im ersten Ruhestandsjahrzehnt reduziert sich das Vermögen eines ehemaligen Unternehmers um stolze 70.000 Euro, das eines Abteilungsleiters aber nur um 7.000 Euro.
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Die Deutschen haben fürs Alter vorgesorgt, meistens in Form von Wohneigentum, Wertpapieren, Lebensversicherungen und Sparguthaben. Das jedenfalls zeigt ein Blick auf das Vermögen der Bevölkerung jenseits der gesetzlichen Regelaltersgrenze (Grafik). Selbst in der Gruppe der ungelernten Arbeiter verfügt jeder Ruheständler im Durchschnitt über ein Nettovermögen von 67.000 Euro, wobei es allerdings große Abweichungen nach oben und unten gibt (Kasten).

Für alle Erwerbsgruppen gilt die Faustregel: Je höher die Qualifika­tion und Funktion während des Berufslebens, desto höher ist das Vermögen im Alter. Ehemals leitende Angestellte zum Beispiel kommen im Durchschnitt auf annähernd 177.000 Euro – höhere Vermögen finden sich bei den Ex-Beamten des gehobenen und höheren Diensts, niedrigere bei den Beamten des einfachen und mittleren Diensts.

Die Gruppe der über 65-jährigen Unternehmer verfügt über das höchste Vermögen – im Jahr 2012 waren es durchschnittlich knapp 330.000 Euro.

Für Sozialneid besteht gleichwohl kein Anlass. Zum einen führen Unternehmer ihre Firma oft auch nach ihrem 65. Geburtstag weiter – und da das Betriebsvermögen in die Statistik mit eingeht, unterscheiden sich diese Unternehmer erheblich von ihren Altersgenossen, die schon im Ruhestand sind.

Außerdem sind die meisten Selbstständigen nicht in der gesetzlichen Rentenversicherung, sondern müssen ihre Altersvorsorge privat organisieren. Ihre Reserven dienen also der Altersvorsorge.

Wenn man bedenkt, dass ein Durchschnittsverdiener nach 45 Beitragsjahren in Westdeutschland derzeit jeden Monat 1.287 Euro bzw. 1.187 Euro in den neuen Bundesländern von der Rentenversicherung erhält – und das bis an sein Lebensende –, dann relativieren sich die Rücklagen der Unternehmer.

Dass Vermögen den Selbstständigen als persönliche Rentenkasse dient, wird umso deutlicher, wenn man auf die Entwicklung des Nettovermögens im Lauf eines Lebens schaut (Grafik). Demnach bauen die Selbstständigen bis zum Erreichen der Regelaltersgrenze das höchste Nettovermögen auf – der Median (Erklärung siehe Grafik) erreicht fast 250.000 Euro. Das ist mehr als doppelt so viel wie bei einem leitenden Angestellten. Jenseits der 65 schmilzt das Vermögen des Ex-Unternehmers aber deutlich schneller:

Im ersten Ruhestandsjahrzehnt reduziert sich das Vermögen eines ehemaligen Unternehmers um stolze 70.000 Euro, das eines Abteilungsleiters aber nur um 7.000 Euro.

Bei den Selbstständigen ohne Mitarbeiter bleibt das Vermögen im Alter dagegen eher erhalten. Ein Grund dafür ist, dass zu dieser Gruppe auch jene Freiberufler zählen, die in einem berufsständischen Versorgungswerk abgesichert sind. Sie müssen deshalb im Alter weniger stark auf Sach- und Geldwerte zurückgreifen, um ihren Lebensunterhalt zu bestreiten. Das gilt zum Beispiel für Rechtsanwälte und Ärzte.

Pensionäre, die im gehobenen Dienst tätig waren, können ihre komfortable Vermögensposition ebenso in den meisten Fällen halten, während ehemalige Staatsdiener des einfachen und mittleren Diensts deutlich eher ans Eingemachte gehen müssen.

Ein ähnliches Bild zeigt sich bei den Facharbeitern. Je weniger heraus­gehoben die berufliche Stellung im Erwerbsleben war, desto stärker schmilzt das Vermögen im Alter – zum Beispiel, weil eine kleinere Rente nicht ausreicht, um den Lebensstandard zu halten.

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