Gravierende Mängel im deutschen Bildungswesen
Der neue INSM-Bildungsmonitor dokumentiert beunruhigende Schwächen im deutschen Bildungswesen. Sowohl die Kompetenzen der Schüler als auch die Bildungschancen von sozial Benachteiligten sind in den vergangenen Jahren deutlich gesunken.
- Sachsen platziert sich im INSM-Bildungsmonitor 2026 klar an der Spitze, dahinter folgen Bayern und Hamburg.
- Im Langzeitvergleich haben sich die Kompetenzen der Schüler im Land in den Naturwissenschaften, Mathematik und im Textverständnis sehr stark verschlechtert.
- Ebenso ist die Bildungsarmut massiv gestiegen. Mehr Schüler als noch vor 13 Jahren erreichen gewisse Mindeststandards nicht oder verlassen die Schule ohne einen Abschluss.
Bildung ist ein hohes Gut. Für Deutschland, das gerade mitten in der Transformation steckt und einen massiven demografischen Wandel durchlebt, ist es noch einmal wichtiger, möglichst allen Kindern und Jugendlichen eine gute Bildung zu gewährleisten.
Den aktuellen Zustand des Bildungssystems in Deutschland haben Forscher des Instituts der deutschen Wirtschaft nun bereits zum 23. Mal ermittelt und im INSM-Bildungsmonitor 2026 festgehalten. Die Qualität im Bildungswesen ist dabei nicht überall in Deutschland gleich, zwischen den Bundesländern gibt es teils deutliche Unterschiede. Die höchste Punktzahl erreicht ein ostdeutsches Bundesland (Grafik):
Sachsen platziert sich im INSM-Bildungsmonitor 2026 klar an der Spitze, dahinter folgen Bayern und Hamburg.
Besonders schwach schneiden in der Gesamtbetrachtung Nordrhein-Westfalen, Sachsen-Anhalt und Bremen ab.
Der INSM-Bildungsmonitor bildet aber nicht nur das Verhältnis der Bildungsindikatoren unter den Bundesländern ab, sondern ermittelt die Entwicklung in 13 für die Bildung relevanten Handlungsfeldern bundesweit. Die Ergebnisse sind beunruhigend, denn es gab in Deutschland in den vergangenen Jahren deutliche Verschlechterungen in wichtigen Bereichen (Grafik):
Im Vergleich zu 2013 ist die Schulqualität in Deutschland um fast 49 Punkte gesunken.
Im Klartext bedeutet das: Die Kompetenzen der Schüler im Land haben sich in den Naturwissenschaften, Mathematik und im Textverständnis sehr stark verschlechtert.
Gerade Kinder aus einkommensschwachen und/oder nicht deutschsprachigen Familien benötigen häufig Unterstützung an Schulen. Experten für Mentoring, Schulsozialarbeit und Schulpsychologie können helfen.
Ebenso ist die Bildungsarmut massiv gestiegen. Mehr Schüler als noch vor 13 Jahren erreichen gewisse Mindeststandards nicht oder verlassen die Schule ohne einen Abschluss. Ein weiterer bedenklicher Befund: Die sozio-ökonomische Herkunft spielt für die Bildungschancen wieder eine größere Rolle als 2013. Kinder aus sozio-ökonomisch schwächeren Familien schaffen seltener einen höheren Bildungsabschluss als Kinder aus sozio-ökonomisch stärkeren Haushalten.
Welche Maßnahmen dem Bildungssystem helfen
Das Bildungssystem hat aber die Aufgabe, allen Kindern und Jugendlichen die Chance zu bieten, ihr volles Potenzial auszuschöpfen und sie bestmöglich auf das Berufsleben vorzubereiten. Um diesem Ziel wieder näher zu kommen, empfiehlt das IW eine Reihe von Maßnahmen – angefangen bei der frühkindlichen Bildung bis hin zum Übergang in Ausbildung oder Studium. Die wichtigsten Punkte im Überblick:
Frühkindliche Förderung. Vorschulische Bildung kann dazu beitragen, ungleiche Startbedingungen von Kindern zu verringern und die Chancengerechtigkeit bereits vor dem Schuleintritt zu erhöhen. Maßnahmen, um die Qualität der Angebote in den Kitas zu verbessern, sind somit sehr sinnvoll.
Gezielte Fördermaßnahmen. Gerade Kinder aus einkommensschwachen und/oder nicht deutschsprachigen Familien benötigen häufig Unterstützung an Schulen. Experten für Mentoring, Schulsozialarbeit und Schulpsychologie können helfen. Zusätzliche Mittel sollten dabei wie beim Startchancenprogramm nach Sozialindex gezielt bereitgestellt werden.
Ganztagsangebote. Sie bieten gerade sozial benachteiligten Kindern große Chancen. Der Ausbau des Angebots und eine personell gute Besetzung sind somit ein starker Hebel, um diese Gruppe zu erreichen und zu fördern.
Datenbasierte Entwicklung. Um die Qualität an Schulen gezielt zu verbessern, braucht es zunächst genaue Erkenntnisse über den Istzustand. Hilfreich ist es daher, Bildungsziele konkret und messbar zu formulieren und vermehrt schul- und schülerbezogene Daten zu erheben. Entscheidend ist allerdings, daraus konsequent wirksame Maßnahmen für den Schulalltag und die Förderung jedes Einzelnen abzuleiten. Andere Länder wie Kanada oder das Vereinigte Königreich setzen die Erkenntnisse aus Datenanalysen gezielt ein, um den Unterricht zu verbessern.
Berufsorientierung. Feste Formate im Schulalltag zur Berufsorientierung können jungen Menschen helfen, einen passenden Beruf zu ergreifen. Zwar binden bereits zwei Drittel der Schulen die Berufsorientierung formell in den Unterricht ein. Andere Länder wie Dänemark und das Vereinigte Königreich sind aber schon deutlich weiter. Außerdem erfolgt die Berufsberatung in Deutschland oft durch die Lehrkräfte. Spezielle Berufsberater sind jedoch oft die bessere Wahl.