M+E-Strukturbericht Lesezeit 3 Min. Lesezeit 1 Min.

Global aktiv, regional verankert

Die internationale Vernetzung der Wirtschaft schreitet weiter voran. Eine treibende Kraft in diesem Prozess ist die Metall- und Elektro-Industrie. Die M+E-Exporte der 44 Industrie- und Schwellenländer, in denen der Wirtschaftszweig am stärksten vertreten ist, sind seit dem Jahr 2000 von 3,4 auf mehr als 8,7 Billionen Dollar gestiegen. Der M+E-Strukturbericht 2016 zeigt aber auch, dass trotz zunehmender Globalisierung heimatnahe Märkte weiterhin von großer Bedeutung sind.

Kernaussagen in Kürze:
  • Die M+E-Industrie treibt weltweit ihre Vernetzung voran und profitiert von der Globalisierung.
  • Deutschland hat die höchste Exportquote unter den fünf führenden M+E-Nationen.
  • Bei den Vorleistungen werden zunehmend die Nachbarstaaten mit einbezogen.
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Ob Brexit-Votum oder Trump-Wahl – die jüngsten Abstimmungen rund um den Erdball spiegeln nicht zuletzt wider, dass sich viele Bürger vom Prozess der Globalisierung bedroht fühlen.

In Deutschland wird dieses Thema ebenfalls diskutiert. Allerdings ist auch klar, dass die exportstarke deutsche Industrie von der Globalisierung in besonderem Maße profitiert und damit vielen Arbeitnehmern einen gut dotierten Job verschafft. Das gilt vor allem für die Beschäftigten der M+E-Industrie, deren jährliches Durchschnittsentgelt mit etwa 54.000 Euro brutto deutlich über dem Mittelwert der gesamten Industrie liegt – die selbst schon überdurchschnittlich gut bezahlt.

Ein Blick über die Landesgrenzen hinaus zeigt, dass die M+E-Industrie auch weltweit die Vernetzung vorantreibt und zugleich von ihr profitiert. So liegt die durchschnittliche Exportquote in den M+E-Branchen der 44 betrachteten Länder mit 38,4 Prozent deutlich über der Quote des Verarbeitenden Gewerbes von 31,7 Prozent. Die M+E-Unternehmen in Deutschland sind besonders stark internationalisiert (Grafik).

Die Ausfuhren der M+E-Industrie machten im Jahr 2014 gut 62 Prozent ihres Umsatzes aus – das war die höchste Exportquote unter den fünf führenden M+E-­Nationen.

Seit dem Jahr 2000 ist die Exportquote der M+E-Unternehmen in Deutschland zudem noch deutlich gestiegen. Vor allem die Schwellenländer haben als Absatzmärkte an Bedeutung gewonnen. Dennoch konnten die deutschen Firmen von der rasant steigenden Nachfrage nach M+E-Gütern in diesen Regionen nur zum Teil profitieren. Denn die Schwellenländer stellen die M+E-Erzeugnisse inzwischen auch selbst für den Heimatmarkt her – vor allem Massenware ohne besonderen technologischen Anspruch.

Konkurrenz aus China

Aber auch im höherwertigen Produktbereich machen speziell chinesische M+E-Hersteller große Fortschritte, sodass sich die deutschen Unternehmen mit ihrem teureren heimischen Produktionsstandort nur durch ständige Innovationen an der Weltspitze behaupten können. Sie nutzen zusätzlich weltweit Produktionsstandorte, um zum einen näher am Kunden zu sein und zum anderen die Kosten zu senken.

Dass dies nicht zulasten der Heimatstandorte geht, zeigt die steigende Zahl der M+E-Beschäftigten in Deutschland (vgl. iwd 29/2016). Einer der Gründe für den Beschäftigungsaufbau dürfte sein, dass die ausländischen Produktionsstandorte auf hochspezialisierte Mitarbeiter in Deutschland – beispielsweise in den Bereichen Forschung, Entwicklung, Verwaltung und Schulung – zurückgreifen.

Die M+E-Industrie setzt auch in Zeiten der Globalisierung auf regionale Cluster

Die Globalisierung hat bislang auch nichts daran geändert, dass die M+E-Industrie auf regionale Produktionsnetzwerke setzt. Die Vorleistungen für M+E-Erzeugnisse werden vor allem innerhalb von drei regionalen Clustern gehandelt: Europa, Amerika und Asien. Auf dem europäischen Kontinent ist eine Kontinuität in diesem Bereich zu erkennen. So wurden 68,1 Prozent der von den Herstellern in Europa benötigten M+E-Vorleistungen im Jahr 2014 aus anderen europäischen Ländern bezogen. Im Vergleich zum Jahr 2000 blieb der intraregionale Anteil des Europa-Clusters trotz des starken gesamten Handelswachstums damit nahezu gleich. Dennoch haben sich die Vorleistungshandelsströme innerhalb der Region verlagert (Grafik).

Der Anteil der Vorleistungen, die die M+E-Hersteller in Deutschland und den anderen etablierten europäischen Industrieländern von den neuen Wettbewerbern in Mittel- und Osteuropa beziehen, ist seit dem Jahr 2000 um knapp 7 Prozentpunkte auf mehr als 13 Prozent gestiegen.

Nachbarstaaten wichtige Partner

Deutschlands M+E-Industrie ist insgesamt an 46,5 Prozent des innereuropäischen Vorleistungshandels beteiligt. Dieser Wert hat sich seit dem Jahr 2000 sogar noch um 2 Prozentpunkte erhöht. Die deutschen Produktionsstandorte der M+E-Industrie kaufen zwar weit mehr Vorleistungen jenseits der Landesgrenzen ein als noch zur Jahrtausendwende – doch ein Großteil kommt nicht etwa aus Asien, sondern aus den europäischen Nachbarländern und stärkt dadurch die Wirtschaft und den Zusammenhalt des Kontinents.

Die regionalen Cluster zeigen, dass die Industrie in der globalisierten Welt keineswegs „heimatlos“ geworden ist. Die Heimatregion ist nun lediglich etwas weiter definiert und bezieht zunehmend auch die Nachbarstaaten mit ein. Dies fördert die Stabilität in der jeweiligen Weltregion, was man nicht leichtfertig aufs Spiel setzen sollte für einen vermeintlichen Vorteil des eigenen Standorts durch Grenzzäune und Abschottung.

Gutachten

Dieser Beitrag basiert auf dem Gutachten „Dritter Strukturbericht für die M+E-Industrie in Deutschland“, das die Institut der deutschen Wirtschaft Köln Consult im Auftrag des Arbeitgeberverbands Gesamtmetall erstellt hat. Download unter gesamtmetall.de

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