Ehegattensplitting Lesezeit 2 Min. Lesezeit 1 Min.

Gleiches Einkommen, gleiche Steuerlast

Die Diskussion um die Homo-Ehe hat das Steuerprivileg von Verheirateten wieder in den Mittelpunkt des öffentlichen Interesses gerückt. Zeit, mit einigen Missverständnissen aufzuräumen.

Kernaussagen in Kürze:
  • Die Diskussion um die Homo-Ehe hat das Steuerprivileg von Verheirateten wieder in den Mittelpunkt des öffentlichen Interesses gerückt.
  • Bei einem gemeinsamen Einkommen von 70.000 Euro führt ein unverheiratetes Alleinverdienerpaar 21.200 Euro an den Fiskus ab, Eheleute dagegen nur knapp 14.500 Euro.
  • Bei einer Individualbesteuerung würden – dies bestätigen auch empirische Untersuchungen – mehr Frauen als bisher eine Arbeit aufnehmen.
Zur detaillierten Fassung

Kaum etwas ist in Deutschland derzeit so umstritten wie das Ehegattensplitting. Während gleichgeschlechtliche Paare es vehement einfordern – und darin möglicherweise bald vom Bundesverfassungsgericht bestätigt werden –, ziehen Grüne und Linke mit der Forderung in den Bundestagswahlkampf, das Splittingverfahren abzuschaffen. Verständlicher wird diese widersprüchlich scheinende Diskussion, wenn man sich die Argumente beider Seiten vor Augen hält.

Was für das Ehegattensplitting spricht: Rein steuerlich betrachtet bewirkt das Splittingverfahren, dass verheiratete Paare mit gleichen Haushaltseinkommen gleich viel Steuern zahlen. Technisch funktioniert das so: Die Einkommen beider Partner werden zunächst zusammengerechnet und dann versteuert jeder die Hälfte davon – aus jedem Ehepaar wird also praktisch ein Doppelverdienerpaar, bei dem beide Partner exakt das Gleiche verdienen.

Ohne das Splittingverfahren würden Paare mit unterschiedlichen Einkommen – im Extremfall verdient ein Partner alles, der andere gar nichts – aufgrund der Steuerprogression deutlich mehr Steuern zahlen als Doppelverdiener-Haushalte. Ein Beispiel (Grafik):

Bei einem gemeinsamen Einkommen von 70.000 Euro führt ein unverheiratetes oder getrennt veranlagtes Alleinverdienerpaar 21.200 Euro an den Fiskus ab, ein unverheiratetes Doppelverdienerpaar ebenso wie alle gemeinsam veranlagten Eheleute dagegen nur knapp 14.500 Euro.

Was gegen das Ehegattensplitting spricht: Das Splitting führt dazu, dass jeder Einkommenszuwachs – zum Beispiel eine Lohnerhöhung – mit dem gemeinsamen Spitzensteuersatz belegt wird. Dieser wiederum ist für den schwächer verdienenden Partner höher, als wenn sie oder er einzeln besteuert würde. Bei einer Individualbesteuerung würden – dies bestätigen auch empirische Untersuchungen – mehr Frauen als bisher eine Arbeit aufnehmen.

Viele von ihnen machen sich aber nicht klar, dass das Plus auf dem eigenen Konto mit einem verringerten Familieneinkommen einhergeht, wenn das Splitting ersatzlos gestrichen wird. Um das politische Ziel einer höheren Frauenerwerbstätigkeit zu erreichen, wäre es daher sinnvoller, an einem echten Privileg von Alleinverdiener-Ehen anzusetzen, nämlich der beitragsfreien Mitversicherung in der gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherung.

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