Glasfasernetze: Breitband bleibt Engpass
Der Anteil jener Haushalte und Unternehmen in Deutschland, die an leistungsstarke Glasfasernetze angeschlossen sind, ist zuletzt deutlich gestiegen. Dennoch berichten viele Firmen von teils erheblichen Problemen mit der Kommunikations-Infrastruktur. Die Politik muss mehr tun, damit das Potenzial der Breitbandtechnologie stärker genutzt wird.
- Der Anschluss der Verbraucher in Deutschland an leistungsstarke Glasfasernetze macht Fortschritte, die Abdeckung unterscheidet sich allerdings je nach Bundesland deutlich.
- Zudem berichteten im Frühjahr 2025 fast zwei Drittel der Industriefirmen und industrienahen Dienstleister von regelmäßigen Beeinträchtigungen ihrer Geschäfte durch Probleme mit den Kommunikationsnetzen.
- Die Politik muss vor diesem Hintergrund den weiteren Ausbau der Glasfasernetze fördern, aber auch deren Nutzung.
Wie erfolgreich Unternehmen an einem Standort agieren können, hängt wesentlich von der digitalen Infrastruktur ab. Zu deren zentralen Bestandteilen gehören Breitbandnetze mittels Glasfaserkabel. Sind diese nicht ausreichend ausgebaut oder funktionieren sie nicht zuverlässig, können Firmen datenintensive Anwendungen nicht im notwendigen Maße nutzen – beispielsweise Cloud Services, Tools der künstlichen Intelligenz oder digitale Zwillinge, also exakte virtuelle Abbildungen von Produkten oder Systemen über deren gesamten Lebenszyklus.
Zuletzt lag Deutschland in Sachen Glasfaserabdeckung im europäischen Vergleich weit zurück:
Im Jahr 2024 waren laut EU-Kommission erst 37 Prozent der Haushalte und Unternehmen in Deutschland ans Glasfasernetz angeschlossen – das war der zweitniedrigste Wert aller 27 EU-Länder.
Elf Mitgliedsstaaten der EU – von Schweden im Norden bis Zypern im Süden – erreichten zu diesem Zeitpunkt bereits eine Abdeckung von mehr als 80 Prozent.
Immerhin zeigt die massive Förderung des Glasfaserausbaus durch die Bundesregierung inzwischen ihre Wirkung – Mitte 2025 konnten zumindest 53 Prozent der Haushalte, Unternehmen und öffentlichen Einrichtungen hierzulande prinzipiell Glasfaseranschlüsse nutzen. Bis 2030 strebt die Bundesregierung eine flächendeckende Versorgung an.
Im Frühjahr 2025 gaben fast zwei Drittel der Industriefirmen und industrienahen Dienstleister in Deutschland an, in ihren Geschäftsabläufen regelmäßig durch Probleme mit den Kommunikationsnetzen beeinträchtigt zu werden.
Ein näherer Blick auf die aktuellen Ausbauquoten legt allerdings deutliche regionale Unterschiede offen. Der Anteil der ans Glasfasernetz angeschlossenen Verbraucher betrug Mitte 2025 in Schleswig-Holstein knapp 93 Prozent und in Hamburg rund 91 Prozent – dort war Glasfaser also bereits fast flächendeckend verfügbar. Im Saarland (24 Prozent), Baden-Württemberg (33 Prozent) und Thüringen (41 Prozent) war die Versorgung von diesem Ziel dagegen noch weit entfernt.
Eine Befragung im Rahmen des IW-Zukunftspanels zeigt nun, dass trotz der Fortschritte beim Glasfaserausbau viele Unternehmen mit der Kommunikations-Infrastruktur hierzulande hadern:
Im Frühjahr 2025 sagten nahezu zwei Drittel der Unternehmen, sie würden in ihren Geschäftsabläufen regelmäßig durch die unzureichende Breitbandversorgung und ähnliche Probleme gestört – knapp ein Drittel aller Firmen berichtete sogar von erheblichen Beeinträchtigungen.
Besonders häufig meldeten dabei die Unternehmen in jenen Regionen deutliche Schwierigkeiten, in denen der Ausbau des Glasfasernetzes am wenigsten vorangeschritten ist – und umgekehrt (Grafik):
In Sachsen und Thüringen sahen sich im Frühjahr 2025 im Schnitt mehr als 40 Prozent der Unternehmen durch Probleme mit den Kommunikationsnetzen erheblich beeinträchtigt – im Norden der Republik lag dieser Anteil unter 25 Prozent.
Generell zeigen die Umfrageergebnisse, dass ein verfügbarer Glasfaseranschluss zwar eine notwendige Voraussetzung für reibungslose Kommunikationsverbindungen ist, die Vorteile aber erst durch die wirkliche Nutzung zum Tragen kommen. Und jüngsten Daten zufolge sind bundesweit bislang nur 27 Prozent der verfügbaren Glasfaseranschlüsse tatsächlich aktiviert. Viele Unternehmen nutzen weiterhin VDSL- oder aufgerüstete Kabelanschlüsse, die vor allem mit Blick auf Upload-Geschwindigkeit und -Stabilität schnell an ihre technischen Grenzen kommen. Für den Bandbreitenbedarf neuer digitaler Anwendungen sind die alten Anschlüsse kaum geeignet, was viele Firmen jedoch unterschätzen.
Politik muss sowohl den Ausbau als auch die Nutzung des Glasfasernetzes fördern
Umso wichtiger ist es, dass die Politik künftig nicht nur den Ausbau des Glasfasernetzes, sondern auch dessen Nutzung konsequent fördert. Die zuständigen staatlichen Einrichtungen könnten unter anderem Gutscheinmodelle für Unternehmen anbieten und Informationen über Best-Practice-Beispiele zur Verfügung stellen. Aber auch die Unternehmen sind gefordert, ihre IT-Infrastruktur zu modernisieren und den Bedarf an höheren Bandbreiten frühzeitig bei den Netzbetreibern oder Kommunen anzumelden.