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Gezielt fördern statt Gießkannenprinzip

Die Digitalisierung verändert die Arbeitswelt und damit auch die berufliche Bildung. Um Auszubildende für die Arbeit der Zukunft fit zu machen, müssen die Berufsschulen mit neuen Entwicklungen Schritt halten – sowohl technisch als auch didaktisch.

Kernaussagen in Kürze:
  • In vielen Berufsschulen sind digitale Inhalte noch nicht selbstverständlich.
  • Bund und Länder sollten für eine bessere Ausstattung der Schulen sorgen.
  • Wichtig wäre eine gezielte Förderung der Schulen, um optimale Voraussetzungen für die Schüler zu schaffen.
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Ob Industrie 4.0, Onlinehandel oder Social Media – die Digitalisierung ist im Berufsalltag längst selbstverständlich. Das gilt nicht nur für studierte Ingenieure, die Roboter und Steuerungseinheiten bauen, sondern auch für beruflich qualifizierte Fachkräfte – denn die müssen die digitalen Anlagen bedienen und warten.

Der digitale Umbruch betrifft ohnehin nicht nur die technischen Berufe: IT, Vernetzung und neue internetbasierte Geschäftsmodelle mischen auch den Dienstleistungssektor ordentlich auf. Das gilt beispielsweise für den klassischen Verkauf, der mehr und mehr mit Online-Anbietern konkurrieren muss.

Es fehlt an Hard- und Software

Die neuen Formen des Geschäftslebens müssen jedoch erlernt und gelehrt werden. Zwar haben die Auszubildenden in den Betrieben schon häufig mit digitalen Inhalten zu tun – in den Berufsschulen ist das Thema aber noch nicht selbstverständlich. Oft fehlt es an aktueller Hard- und Software, und auch das Internet sucht man in vielen Klassenräumen vergeblich. Die Bundesregierung will diesen Mangel beheben.

Im Rahmen des „DigitalPakt#D“ sollen in den nächsten fünf Jahren aus dem Bundesministerium für Bildung und Forschung insgesamt 5 Milliarden Euro in die digitale Infrastruktur der Schulen investiert werden.

Der Bund will so die Länder beziehungsweise Schulen bei „der Errichtung und dem Betrieb der für ihre Aufgabenerfüllung benötigten informationstechnischen Systeme“ unterstützen, was er laut Artikel 91c des Grundgesetzes darf. Das ist in diesem Fall entscheidend, denn generell ist Bildung Ländersache. Ein Kooperationsverbot untersagt dem Bund sogar explizit, finanzielle Hilfen auszuzahlen.

Berufsschulen müssen gezielt gefördert werden, damit sie die Schüler optimal auf die digitale Arbeitswelt vorbereiten können

Dabei ist eine erweiterte Förderung der Schulen – insbesondere der Berufsschulen – ausdrücklich zu begrüßen. In Anbetracht der Wucht des digitalen Umbruchs ist eine verbesserte Ausstattung der Schulen mit moderner IT ein überfälliger Schritt. Neben dem Bund sind auch die Länder aufgefordert, mehr Geld für digitale Projekte in die Hand zu nehmen. Denn große Sprünge lassen sich mit den 5 Milliarden Euro, ausgezahlt über fünf Jahre, nicht machen (Grafik).

Jede einzelne der insgesamt 42.500 Schulen bekommt gerade einmal 22.500 Euro.

Lehrkräfte brauchen Aus- und Weiterbildung

Für eine umfassende Vorbereitung der Jugend auf das digitale Berufsleben reicht die Ausstattung mit WLAN, Tablets oder Smart Boards ohnehin nicht aus. Damit digitale Bildung in Betrieb und Schule effizient ineinandergreift, müssen auch die Lehrkräfte entsprechend aus- und weitergebildet werden.

Wichtig wäre, dass das „DigitalPakt#D“ nicht wie im Moment angedacht nach dem Gießkannenprinzip vorgeht, sondern jeweils konkret auf die Bedürfnisse der einzelnen Berufsschulen abzielt. Nur so kann sichergestellt werden, dass das Lernen für die digitale Arbeitswelt dem tatsächlichen Bedarf des Arbeitsmarkts gerecht wird.

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