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Gewinnerinnen auf dem Arbeitsmarkt

Viel Grund zur Freude gab es auf dem europäischen Arbeitsmarkt in den vergangenen Jahren nicht. Frauen hatten allerdings schon einen: Sie haben sich besser gegen die Arbeitslosigkeit behauptet als Männer.

Kernaussagen in Kürze:
  • Im Februar 2015 waren im EU-Schnitt 9,7 Prozent der Männer arbeitslos und 10,0 Prozent der Frauen.
  • In nahezu allen EU-Ländern hat sich das Verhältnis der geschlechterspezifischen Arbeitslosenquoten seit 2009 zugunsten der Frauen verbessert.
  • Der Grund: Viele Frauen arbeiten in Dienstleistungsbranchen wie dem Gesundheits- und Erziehungswesen, Männer dagegen oft in der stark konjunkturabhängigen Industrie.
Zur detaillierten Fassung

Auf den ersten Blick ist der Geschlechterunterschied bei der Arbeitslosigkeit nicht zu erkennen:

Im Februar 2015 waren im EU-Schnitt 9,7 Prozent der Männer arbeitslos und 10,0 Prozent der Frauen.

Zwischen den einzelnen Mitgliedsländern liegen jedoch teilweise Welten. In den südeuropäischen Staaten mit ihren ohnehin großen Arbeitsmarktsorgen ist die Arbeitslosenquote der Frauen noch höher als jene der Männer, allen voran in Griechenland und Spanien. Dagegen sind Frauen in Ländern mit niedriger Arbeitslosigkeit tendenziell seltener auf Jobsuche als Männer, das gilt zum Beispiel für Deutschland, Österreich und Großbritannien. Das uneinheitliche Bild hat zwar viel mit den lokalen Besonderheiten der Arbeitsmärkte und mit kulturellen Traditionen zu tun. Eins ist jedoch fast überall gleich:

In nahezu allen EU-Ländern hat sich das Verhältnis der geschlechterspezifischen Arbeitslosenquoten seit Beginn der Wirtschaftskrise 2009 zugunsten der Frauen verbessert.

Arbeitslosenquote nach Geschlecht in EU-Ländern In Griechenland etwa war die Quote der Frauen im Jahr 2005 zweieinhalb Mal so hoch wie die der Männer, heute liegt der Unterschied nur noch bei einem Viertel. In Frank­reich überstieg die Frauenquote die Männerquote 2001 um die Hälfte, zuletzt war Madame dagegen sogar seltener arbeitslos als Monsieur.

Dass die Frauen in Europa ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt im Vergleich zu den Männern seit der Krise verbessert haben, hängt vor allem mit ihrer Jobwahl zusammen. Viele arbeiten in Dienstleistungsbranchen wie dem Gesundheits- und Erziehungswesen, die von wirtschaftlichen Schwankungen kaum berührt werden. Männer dagegen sind oft in der stark konjunkturabhängigen Industrie tätig.

Das hat sich übrigens auch auf dem deutschen Arbeitsmarkt bemerkbar gemacht – obwohl in der Krise kaum Arbeitsplätze abgebaut wurden. Der Strukturwandel be­günstigte jedoch die Frauen: Auf der einen Seite gingen in der Industrie von 2001 bis 2014 jeweils gut 300.000 Arbeitsplätze für Männer und Frauen verloren. Auf der anderen Seite entstanden 1,3 Millionen neue Jobs im Gesundheits- und Sozial­wesen – und gut 900.000 davon wurden mit Frauen besetzt. Im Erziehungswesen hat sich die Zahl der Arbeitnehmerinnen um 130.000 erhöht, während die der Arbeitnehmer sogar leicht gesunken ist. Unterm Strich haben Frauen 80 Prozent aller zwischen 2001 und 2013 entstande­nen Arbeitsplätze besetzt.

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