Industrieller Mittelstand Lesezeit 1 Min. Lesezeit 1 Min.

Getrübte Stimmung

Zwar ist ihre wirtschaftliche Lage so gut wie schon lange nicht mehr, trotzdem rechnen die zumeist familiengeführten Industriebetriebe mit schwierigen Zeiten.

Kernaussagen in Kürze:
  • Fast 90 Prozent der mittelständischen Unternehmen haben Probleme, freie Stellen zu besetzen
  • Die Unternehmen versuchen gegenzusteuern, indem sie vermehrt selbst ausbilden
  • Die Fachkräfteengpässe entwickeln sich zu einem strukturellen Problem
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Im Herbst 2014 beurteilten fast 54 Prozent der mittelständischen Industriebetriebe ihre wirtschaftliche Lage als „gut“ oder „sehr gut“ – besser war die Stimmung in der halbjährlichen Befragung des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI) nur im Herbst 2011.

Getrübt wird dieses Bild jedoch dadurch, dass die Unternehmen zum zweiten Mal in Folge mit einer Verschlechterung der wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen rechnen. Vor allem die unausgegorene Energiewende und die zusätzlichen Belastungen durch die Rentenpolitik machen den Betrieben Sorgen.

Hinzu kommt nun auch noch das jüngste Urteil des Bundesverfassungsgerichts in Sachen Erbschaftssteuer. In der BDI-Umfrage, die vor dem Urteil durchgeführt wurde, sagten fast 70 Prozent der Mittelständler, dass ein Wegfall der Verschonungsregeln für Betriebsvermögen den Bestand ihres Unternehmens bedrohe – rund zwei Drittel rechnen mit niedrigeren Investitionen und fast die Hälfte mit einem Abbau von Arbeitsplätzen.

Ein schon älteres, aber nach wie vor brandaktuelles Thema ist der Fachkräftemangel. Seit 2006 befragt der BDI die Unternehmen danach, und seitdem ist das Problem fast jedes Jahr größer geworden (Grafik):

Im Jahr 2006 hatte nur rund die Hälfte der industriellen Mittelständler Schwierigkeiten, freie Stellen zu besetzen – mittlerweile sind es annähernd 90 Prozent.

Unternehmen mit Schwierigkeiten, freie Stellen zu besetzen Diese Entwicklung zeigt, dass der Fachkräfteengpass längst zu einem strukturellen Problem geworden ist (vgl. iwd 2/2015). Die Betriebe versuchen zwar, durch mehr eigene Ausbildung gegenzusteuern, doch auch diese Bemühungen laufen allzu oft ins Leere – weil es einfach immer weniger junge Menschen auf dem Ausbildungsmarkt gibt.

Einerseits sinkt durch den demografischen Wandel die Zahl der Schulabgänger, andererseits gräbt der Run auf die Unis der beruflichen Bildung das Wasser ab. Inzwischen schreiben sich jedes Jahr fast genauso viele junge Menschen an den Hochschulen ein wie eine Berufsausbildung beginnen – im Jahr 2000 kamen auf jeden Studienanfänger noch zwei neue Auszubildende.

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