Demografiepolitik Lesezeit 2 Min. Lesezeit 1 Min.

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Die Bundesregierung hat eine Demografiestrategie auf den Weg gebracht, die Wachstum und Wohlstand in Deutschland langfristig sichern soll. Noch besser wäre es allerdings, wenn ein eigenes Demografieministerium sich dieser komplexen Aufgabe annehmen würde.

Kernaussagen in Kürze:
  • Die Bundesregierung hat eine Demografiestrategie auf den Weg gebracht, die Wachstum und Wohlstand in Deutschland langfristig sichern soll.
  • Zwischen 2010 und 2030 schrumpft die Wohnbevölkerung in Deutschland um etwa 2,5 Millionen Menschen.
  • Laut Sachverständigenrat kostet allein der demografiebedingte Rückgang des Arbeitsvolumens in den Jahren 2020 bis 2035 zwischen 0,5 und 0,6 Prozentpunkte des potenziellen Wirtschaftswachstums – pro Jahr.
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Deutschland verändert sich: Dauerhaft niedrige Geburtenzahlen lassen die Bevölkerungszahl in Zukunft deutlich sinken:

Zwischen 2010 und 2030 schrumpft die Wohnbevölkerung in Deutschland um etwa 2,5 Millionen Menschen.

Weil zugleich die Lebenserwartung steigt, sind jedoch nicht alle Altersgruppen von dieser Entwicklung gleichmäßig betroffen (Grafik): Mit einem Minus von 4,8 Millionen Personen fällt der Bevölkerungsschwund bei den 20- bis 67-Jährigen besonders groß aus. Auch Kinder und Jugendliche werden rarer (minus 1,8 Millionen). Die Zahl der über 67-Jährigen dagegen nimmt bis 2030 um circa 4,1 Millionen zu.

Diese Verschiebung der Bevölkerungspyramide wird Deutschland verändern:

Laut Sachverständigenrat kostet allein der demografiebedingte Rückgang des Arbeitsvolumens in den Jahren 2020 bis 2035 zwischen 0,5 und 0,6 Prozentpunkte des potenziellen Wirtschaftswachstums – pro Jahr.

Um dies zu verhindern, hat die Bundesregierung unter dem Titel „Jedes Alter zählt“ eine Demografie­strategie auf den Weg gebracht, die sechs Handlungsfelder beinhaltet:

  1. Unter dem Motto „Familien als Gemeinschaft stärken“ sollen die Rahmenbedingungen für Eltern verbessert werden. Dazu zählen u.a. der Ausbau der Kinderbetreuung und familiengerechte Arbeitszeiten.
  1. Damit ältere Menschen „motiviert, qualifiziert und gesund arbeiten“, müssen sie geistig und körperlich fit sein. Altersgerechte Arbeitsplätze, Weiterbildungsallianzen und betriebliche Gesundheitsförderung sollen dazu einen wichtigen Beitrag leisten.
  1. „Selbstbestimmt Leben im Alter“ wollen die allermeisten – am liebsten im vertrauten Umfeld. Die Demografiestrategie schlägt daher eine Neuausrichtung der Pflegeversicherung vor. Zudem soll die Attraktivität der Pflegeberufe erhöht werden.
  1. Weil in vielen Regionen die Bevölkerung zurückgeht, in manchen dagegen ein Zuwachs erwartet wird, heißt es „Lebensqualität in ländlichen Räumen und integrative Stadtpolitik fördern“ – zum Beispiel durch flächendeckende Internetanschlüsse.
  1. Die „Grundlagen für nachhaltiges Wachstum und Wohlstand sichern“ primär Bildung und Ausbildung – in Form von frühkindlicher Betreuung, Lese- und Sprachförderung oder zusätzlichen Studienplätzen.
  1. Um die „Handlungsfähigkeit des Staats erhalten“ zu können, sollten die Defizite im Bundeshaushalt abgebaut werden, idealerweise ergänzt durch eine neue europäische Stabilitätskultur.

Mit dieser umfassenden Demografiestrategie unter Federführung des Bundesinnenministeriums ziehen bereits acht Ministerien gemeinsam mit dem Kanzleramt erste Leitplanken für den demografischen Wandel hoch. Um die Entwicklung ressortübergreifend zu meistern, könnte man allerdings auch über ein eigenes Demografieministerium nachdenken.

Michael Hüther, Gerhard Naegele (Hrsg.):Demografiepolitik - Herausforderung und HandlungsfelderSpringer Fachmedien, Wiesbaden, 2013

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