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Sozialpolitik Lesezeit 2 Min.

Gesetzliche Krankenversicherung: Höchste Zeit für Reformen

Damit einzelne Krankenkassen ihre Defizite ausgleichen können, müssen deren Mitglieder einen Zusatzbeitrag zahlen. Dieser fällt, legt man die Daten des ersten Quartals zugrunde, 2026 höher aus als von Experten prognostiziert.

Kernaussagen in Kürze:
  • Damit einzelne gesetzliche Krankenkassen ihre Defizite ausgleichen können, müssen deren Mitglieder einen Zusatzbeitrag zahlen.
  • Rein rechnerisch beträgt dieser erforderliche Zusatzbeitrag für das Jahr 2026 laut GVK-Schätzerkreis 2,9 Prozent.
  • Ein Blick auf die kassenindividuellen Sätze und die Mitgliederzahlen für das erste Quartal 2026 zeigt jedoch, dass der durchschnittliche Zusatzbeitragssatz für gesetzlich Krankenversicherte im laufenden Jahr bei 3,1 Prozent liegen dürfte.
Zur detaillierten Fassung

Wenn die Ausgaben höher sind als die Einnahmen, muss das Gleichgewicht zwischen beiden Größen irgendwie wiederhergestellt werden. In der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) passiert dies seit Anfang 2015 mithilfe des Zusatzbeitrags, der zunächst nur von den Mitgliedern, seit 2019 zu gleichen Teilen von Arbeitnehmern und Arbeitgebern geschultert wird.

Damit die Zusatzbelastung für die gesetzlich Krankenversicherten nicht weiter wächst, sollte die Bundesregierung schnellstmöglich die geplante Gesundheitsreform umsetzen.

Um die Höhe des Zusatzbeitrags zu ermitteln, kommt jedes Jahr der GKV-Schätzerkreis zusammen. Er prognostiziert für 2026 eine Deckungslücke von knapp 57 Milliarden Euro. Die ergibt sich, weil die Experten nur die Einnahmen aus dem allgemeinen Beitragssatz in Höhe von 14,6 Prozent berücksichtigen. Den zahlen die Mitglieder aller gesetzlichen Krankenkassen. Da 1 Prozentpunkt Beitragssatz rund 19,7 Milliarden Euro Einnahmen generiert, ergibt sich rechnerisch für das Jahr 2026 ein erforderlicher Zusatzbeitragssatz in Höhe von 2,9 Prozent. Aktuell wären demnach im Schnitt 17,5 Prozent des beitragspflichtigen Einkommens an die gesetzliche Krankenversicherung abzuführen.

Wie hoch der durchschnittlich gezahlte Zusatzbeitragssatz tatsächlich ausfällt, ergibt sich aber erst aus der Gewichtung der kassenindividuellen Sätze mit den jeweiligen Mitgliederzahlen. Legt man zum Beispiel die Daten des Portals krankenkasseninfo.de zugrunde, erhält man Angaben für 97,5 Prozent aller im März 2026 amtlich erfassten GKV-Mitglieder. Demnach fällt der Zusatzbeitrag noch höher aus (Grafik):

Auf Basis der Daten für das erste Quartal 2026 beträgt der durchschnittliche Zusatzbeitragssatz für gesetzlich Krankenversicherte 3,1 Prozent.

So viel Prozent betrug bzw. beträgt der Zusatzbeitragssatz zur Krankenversicherung für sozialversicherungspflichtig Beschäftigte in Deutschland Download: Grafik (JPG) herunterladen Grafik (EPS) herunterladen Tabelle (XLSX) herunterladen

Schon im Vorjahr hatten die Experten des GKV-Schätzerkreises den tatsächlichen Wert um 0,4 Prozentpunkte unterschätzt. Das Problem dabei: Den Mitgliedern bleibt nicht nur weniger Netto vom Brutto. Auch die Arbeitgeber müssen einen höheren Anteil an dem gestiegenen Beitrag zahlen. Das erhöht die Arbeitskosten und macht Beschäftigung in Deutschland noch teurer.

Eine Anhebung der Beitragsbemessungsgrenze ist nicht zielführend

Damit die Zusatzbelastung für die gesetzlich Krankenversicherten nicht weiter wächst, sollte die Bundesregierung schnellstmöglich die geplante Gesundheitsreform umsetzen. Die „FinanzKommission Gesundheit“ hat 66 Einzelmaßnahmen vorgelegt, mit denen die Ausgaben der gesetzlichen Krankenversicherung kurzfristig gesenkt und der Beitragssatz stabilisiert werden können. Zeit für lange Diskussionen bleibt nicht, zumal die Koalition auch eine Anhebung der Beitragsbemessungsgrenze plant. Auch das würde zu höheren Arbeitskosten führen und nicht zu niedrigeren Ausgaben.

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