Der Informationsdienst
des Instituts der deutschen Wirtschaft

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Klimapolitik Lesezeit 3 Min.

Gesellschaft ist offen für die Transformation

Den klimaneutralen Umbau der Industrie in Deutschland befürwortet eine große Mehrheit der Bundesbürger, wie eine IW-Studie zeigt. Selbst wenn Maßnahmen im direkten Wohnumfeld erforderlich sind, bleibt die Zustimmung hoch.

Kernaussagen in Kürze:
  • Veränderungen durch die industrielle Transformation werden in den kommenden Jahren für knapp 55 Prozent der Bundesbürger in ihrem unmittelbaren Wohnumfeld sichtbar.
  • Eine deutliche Mehrheit steht diesen Veränderungen positiv gegenüber. Auch engagieren sich insgesamt mehr Menschen für als gegen den energetischen Umbau der Wirtschaft.
  • Allerdings fühlen sich viele Bürger noch unzureichend über die Transformation vor Ort informiert. Entscheider sollten daher frühzeitig den Dialog mit den Bürgern suchen und diese in den Transformationsprozess einbinden.
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Klimaneutral bis 2045 – Deutschland ist dabei, seine Industrie komplett umzustellen. Für die Abkehr von fossilen Energieträgern braucht es zahlreiche Maßnahmen. Im Wesentlichen geht es dabei um eine verbesserte Energieinfrastruktur. Dazu gehört der Bau neuer Solarparks und Windkraftanlagen, aber auch der Ausbau von Stromtrassen, Wasserstoff- und CO2-Netzen ist ein essenzieller Teil des Pakets. Ebenso ist es eine wichtige Aufgabe, bestehende Industrieanlagen anzupassen oder umzubauen beziehungsweise zu ersetzen. Und all das muss politisch begleitet werden, damit die Bürger den Weg mitgehen.

Bedarf für industrielle Transformation ist regional unterschiedlich

Das Institut der deutschen Wirtschaft hat nun sowohl ermittelt, wo in Deutschland in Zukunft weitere Infrastruktur für die industrielle Transformation benötigt wird, als auch die Akzeptanz des Wandels seitens der Bevölkerung abgefragt. Zunächst haben die Forscher einen Transformationsinfrastrukturindex entwickelt, um die anstehenden Veränderungen zu erfassen. Er berücksichtigt über die notwendigen Umbauten an Industriestandorten hinaus die infrastrukturellen Bedingungen der Dekarbonisierung. Ein erstes Ergebnis:

Im unmittelbaren Wohnumfeld werden in den kommenden Jahren für weniger als 55 Prozent der Bundesbürger in knapp der Hälfte der 8.170 Postleitzahlengebiete in Deutschland Veränderungen sichtbar.

Während manche Gebiete in Deutschland gar nichts oder wenig mit der Transformation zu tun haben werden, stehen dicht besiedelte Industriestandorte an Rhein, Ruhr und Main vor größeren Veränderungen. Vor allem da, wo künftig Wasserstoff als Energieträger genutzt oder Kohlenstoffdioxid aufgefangen werden soll, sind umfangreiche Arbeiten nötig, um zum einen die nötige Leitungsinfrastruktur zu schaffen und zum anderen die Anlagen entsprechend umzurüsten.

Die Bundesbürger stehen der industriellen Transformation überwiegend positiv gegenüber – auch dann, wenn dafür Maßnahmen in ihrem Wohnumfeld erforderlich sind.

Die industrielle Transformation braucht allerdings nicht nur tatkräftiges Anpacken, sondern auch die Akzeptanz der Bundesbürger. Und diese ist selbst dann hoch, wenn große Veränderungen vor ihrer Haustür anstehen, wie eine IW-Befragung zeigt (Grafik):

So viel Prozent der Bundesbürger in Regionen, in denen die industrielle Transformation nicht, wenig oder umfassend erforderlich ist, stehen künftigen Veränderungen in ihrem unmittelbaren Wohnumfeld so gegenüber Download: Grafik (JPG) herunterladen Grafik (EPS) herunterladen Tabelle (XLSX) herunterladen

In Wohnumfeldern, in denen neue Infrastrukturen für die industrielle Transformation benötigt werden, stehen fast 43 Prozent der Bürger den Veränderungen sehr oder eher positiv gegenüber. Nur knapp 19 Prozent haben eine negative Einstellung.

Je geringer die nötige Transformation ausfällt, desto höher ist die Zustimmungs- beziehungsweise niedriger die Ablehnungsrate in der Bevölkerung.

Neben der reinen Meinung zum industriellen Wandel können sich die Bürger auch in unterschiedlicher Weise aktiv einbringen. Auch hier haben die Befürworter die Oberhand (Grafik):

So viel Prozent der Bundesbürger engagieren sich so im Zuge der Transformation, etwa im Hinblick auf den Bau von Solarparks und Windkraftanlagen Download: Grafik (JPG) herunterladen Grafik (EPS) herunterladen Tabelle (XLSX) herunterladen

Gut 22 Prozent der Bundesbürger geben an, mit ihrem Wahlverhalten den energetischen Umbau der Wirtschaft unterstützt zu haben, knapp 9 Prozent haben mit ihrer Stimme bewusst Widerstand leisten wollen.

Für andere Aktivitäten sieht das Bild ähnlich aus. Petitionen und Bürgerbegehren für den Wandel haben doppelt so viele Unterstützer wie jene, die sich den Transformationsvorhaben entgegenstellen.

Information steigert Akzeptanz für den klimaneutralen Umbau

Die IW-Untersuchung zeigt auch: Wissen um das Ausmaß der anstehenden Veränderungen ist für viele Menschen vor Ort sehr wichtig. Derzeit fühlen sich breite Teile der Bevölkerung unzureichend darüber informiert. Zudem sind sich knapp 70 Prozent der Menschen aus Regionen, in denen größere Umbrüche anstehen, dessen nicht bewusst. Größere Transparenz, so verdeutlicht die Befragung, führt zu höherer Akzeptanz.

Für die Entscheider vor Ort ist das ein klarer Auftrag: Sie sollten frühzeitig den Dialog mit den Bürgern suchen und Formate anbieten, in denen sich die Menschen in den Transformationsprozess einbringen können. Außerdem gilt es, herauszufinden, mit welchen Argumenten und Maßnahmen die bislang Unentschiedenen von den Vorteilen und der Notwendigkeit der industriellen Transformation überzeugt werden können.

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