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Gescheiter Nachwuchs

In der Altersgruppe der 35- bis 44-Jährigen gibt es mehr Bildungsaufsteiger als Bildungsabsteiger. Zu diesem Ergebnis kommt das Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW) in einer Studie zur Bildungsmobilität.

Kernaussagen in Kürze:
  • In der Altersgruppe der 35- bis 44-Jährigen gibt es mehr Bildungsaufsteiger als Bildungsabsteiger.
  • Rund 31 Prozent der 35- bis 44-Jährigen in Deutschland haben eine höhere Qualifikation als ihr Vater. Einen höheren Bildungsabschluss als ihre Mutter erzielen sogar 44 Prozent.
  • Laut OECD liegt ein Bildungsabstieg bereits dann vor, wenn von zwei Kindern eines Paares, von dem einer einen beruflichen und der andere einen akademischen Abschluss hat, eines der Kinder eine Lehre macht.
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„Unsere Kinder sollen es einmal besser haben“ – das ist ein Herzenswunsch der meisten Eltern. Und zumindest in puncto Bildung geht dieser Wunsch auch oft in Erfüllung. Denn die Wahrscheinlichkeit, dass Kinder ihre Eltern im Bildungsniveau überflügeln, ist heute recht hoch (Grafik):

Rund 31 Prozent der 35- bis 44-Jährigen in Deutschland haben eine höhere Qualifikation als ihr Vater. Einen höheren Bildungsabschluss als ihre Mutter erzielen sogar 44 Prozent.

Fast die Hälfte der Erwachsenen erreicht dasselbe Bildungsniveau wie die Eltern. Bildungsabsteiger, also Männer und Frauen, die einen niedrigeren Abschluss als ihre Elternteile aufweisen, sind dagegen in der Minderheit: Unterhalb des väterlichen Niveaus bleiben hierzulande knapp 20 Prozent, unterhalb des mütterlichen sogar nur 9 Prozent der Bevölkerung.

Bildungssprünge über mehrere Stufen innerhalb zweier Generationen sind dabei eher ungewöhnlich. So beendeten im Durchschnitt nur 7 Prozent der 35- bis 44-Jährigen mit Vätern ohne Berufsabschluss erfolgreich ein Hochschulstudium. Und nur etwas mehr als 1 Prozent der Kinder, deren Väter Akademiker sind, hat keinen berufsqualifizierenden Abschluss.

Damit widerlegt die IW-Studie die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) sowie andere Institutionen, die für die Bildungsmobilität in Deutschland ein sehr pessimistisches Bild zeichnen. So stellte die OECD-Studie „Bildung auf einen Blick 2012“ im vergangenen Herbst fest, die Bundesrepublik produziere über die Generationen hinweg mehr Bildungsabsteiger als -aufsteiger. Dieses Ergebnis ist vor allem darauf zurückzuführen, dass als Referenz für die Bildungskarrieren der Kinder nur das höchste Bildungsniveau der Eltern berücksichtigt wird:

Laut OECD liegt ein Bildungsabstieg bereits dann vor, wenn von zwei Kindern eines Paares, von dem einer einen beruflichen und der andere einen akademischen Abschluss hat, eines der Kinder eine Lehre macht.

Dass in Deutschland die Bildungsaufsteiger überwiegen, ist eigentlich naheliegend: Heute erreicht rund die Hälfte eines Altersjahrgangs die Hochschulreife – 1980 waren es gerade mal 22 Prozent.

Aufgrund dieser rasanten Bildungsexpansion wird es auch in Zukunft mehr Bildungsaufsteiger als -absteiger geben. Das liegt vor allem daran, dass sich die Rahmenbedingungen für Kinder und Jugendliche in Deutschland in den vergangenen Jahren stark verbessert haben: Heutzutage besuchen fast alle Vorschulkinder einen Kindergarten und immer mehr erhalten darüber hinaus eine frühkindliche Förderung.

Geld spielt übrigens beim Thema Bildung so gut wie keine Rolle. Ob jemand ein Gymnasium besucht, hängt nur in sehr wenigen Fällen vom Haushaltseinkommen ab. Einen signifikanten Einfluss auf die Schulwahl haben dagegen die Haushaltsgröße, die beruflichen Positionen der Eltern sowie deren Zukunftsorientierung. Mit anderen Worten: Ob es der Nachwuchs einmal besser haben wird, hängt auch vom elterlichen Vorbild ab.

Mira Fischer, Wido GeisBestimmungsgrößen der Bildungsmobilität in DeutschlandIW-Trends 1/2013

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