Interview Lesezeit 3 Min. Lesezeit 1 Min.

„Gemischte Teams funktionieren besser“

Die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) nehmen seit 2002 am Girls' Day teil. Ein Gespräch mit Dirk Schulte, Personalvorstand der BVG, über das Engagement des Unternehmens am Mädchenzukunftstag im Speziellen und Frauenförderung im Allgemeinen.

Kernaussagen in Kürze:
  • Die Berliner Verkehrsbetriebe bieten 2016 beim Girls' Day 97 Praktikumsplätze an.
  • Personalvorstand Dirk Schulte möchte Mädchen so ermutigen, einen technischen Beruf ergreifen.
  • Ein wesentlicher Grund für das Engagement der BVG sei, dass gemischte Teams bessere Arbeitsergebnisse erzielen würden.
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Wir hätten gerne mehr weibliche Auszubildende eingestellt, hatten aber nicht genug Bewerberinnen

Herr Schulte, was erwartet die Schülerinnen an ihrem Schnuppertag bei der BVG?

Wir bieten in diesem Jahr 97 Praktikumsplätze an vier verschiedenen Veranstaltungsorten an. Dort versuchen unsere Ausbilder – zusammen mit ehemaligen und aktuellen Auszubildenden sowie unserer Frauenvertreterin – den Mädchen zu vermitteln, wie spannend und interessant Technik sein kann. Sie sollen ein Gespür dafür bekommen, wie es ist mit Maschinen zu arbeiten. In der Metallbearbeitung stellen sie zum Beispiel einen Schlüsselanhänger oder ein Namensschild her – auf jeden Fall etwas, das sie mit nach Hause nehmen, um Eltern, Geschwistern und Freunden sagen zu können: Hättest du geglaubt, dass ich so etwas selber machen kann?

Leider gilt Technik heute bei vielen jungen Leuten als old-fashioned. Sie wollen eher im Dienstleistungsbereich, im Bankensektor oder maximal noch in der IT arbeiten, wo man den ganzen Tag online sein kann und sich körperlich nicht so anstrengen muss.

Haben Sie schon Auszubildende über den Girls‘ Day gewonnen?

Darum geht es uns nicht in erster Linie, sondern darum, dass sich die Mädchen noch mal grundsätzlich Gedanken über technische Berufe machen. Aber natürlich möchte auch die BVG mehr junge Frauen in die technischen Berufsausbildungen bekommen, daran führt für ein verantwortliches Unternehmen kein Weg vorbei.

Warum? Haben Sie zu wenige Bewerbungen?

Nein. Männliche Bewerber haben wir genug. Unser Ziel ist eine stärkere Durchmischung der Betriebe und der Werkstätten, die letztlich immer noch sehr männerdominiert sind. Gemischte Teams funktionieren aber immer besser als rein männliche oder rein weibliche Teams. Männer können Technik nicht per se besser als Frauen – und Frauen nicht besser als Männer, aber sie gehen an technische Fragestellungen häufig anders heran und kommen zu anderen Lösungen. Diversifizierung heißt übrigens noch mehr: Wir wollen auch altersgemischte und ethnisch gemischte Teams. Sie bringen kreativere Ideen hervor und stehen für eine andere Unternehmenskultur.

Hat sich der Anteil an weiblichen Auszubildenden, speziell in technischen Berufen in den vergangenen Jahren bei der BVG verbessert? Spüren Sie positive Auswirkungen des Girls‘ Day?

Die Frauenquote in den technischen Ausbildungen ist von 11 Prozent im Jahr 2012 auf 19 Prozent 2015 gestiegen. Das ist gut, keine Frage, aber wir hätten letztes Jahr gerne noch mehr Frauen genommen. Das Problem: Es gab keine weiteren Bewerberinnen.

Ich würde also schon sagen, dass sich die Teilnahme am Girls‘ Day für die BVG lohnt, aber nur weil er in MINT-Initiativen der Bundesregierung eingebettet ist und weil so viele Unternehmen mitmachen. Die BVG könnte mit solch einem Mädchentag für sich alleine wenig ausrichten.

Macht die BVG neben dem Girls Day noch mehr, um Frauen Technikberufe näher zu bringen?

Wir sind zum Beispiel noch an MINTlook beteiligt, einem neunmonatigen Probestudium, in dessen Rahmen junge Frauen verschiedene naturwissenschaftliche Studiengänge und Unternehmen kennenlernen können.

Außerdem gibt es heute so viele Möglichkeiten, Arbeitsgeräte und Arbeitsplätze auf eine frauengerechte Ergonomie einzustellen.

Wir versuchen einfach, Frauen frühzeitig zu ermutigen, in technische Berufe zu gehen und darin auch eine Führungskarriere anzustreben.

Mit Erfolg?

Ja, auch deshalb, weil wir bei Einstellungen eine Frauenquote eingeführt haben, die sogar monetär bewertet wird. Wenn unsere Führungskräfte diese Quote nicht erfüllen, spüren sie das am Ende des Jahres an der Tantieme.

Das ganze Gespräch lesen Sie auf www.wirtschaftundschule.de

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