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Geld und Tore

Wer im Fußball Titel gewinnen will, braucht herausragende Spieler, einen guten Trainer, solide Vereinsstrukturen, spendable Sponsoren und begeisterungsfähige Fans. Aber beeinflusst auch die regionale Wirtschaftskraft den Erfolg einer Mannschaft?

Kernaussagen in Kürze:
  • Bayern München ist nicht nur sportlich die Nummer eins in Deutschland, sondern hat auch die größte Finanzkraft aller Bundesligavereine
  • Ungeachtet der ökonomischen Stärke von München und Wolfsburg geht ein Spitzenplatz in der Liga eher mit einem schwächeren Rang beim BIP je Einwohner einher.
  • Vereine in Städten mit hoher Arbeitslosigkeit sind tendenziell erfolgreicher.
Zur detaillierten Fassung

Rekordmeister, Pokalsieger und Gewinner der Champions League: Bayern München ist nicht nur sportlich die Nummer eins in Deutschland, sondern hat auch die größte Finanzkraft aller Bundesligavereine: Im Geschäftsjahr 2012/13 betrug der Umsatz 394 Millionen Euro und der Gewinn belief sich auf 14 Millionen Euro.

Das Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW) hat nun untersucht, ob es einen Zusammenhang zwischen der Wirtschaftskraft der Städte, gemessen anhand des Brutto­inlandsprodukts (BIP) je Einwohner sowie der Arbeitslosenquote, und dem sportlichen Erfolg ihrer Bundesligaclubs gibt (Grafik). Das Ergebnis: Setzt man die Wirtschaftskraft der 18 Bundesligastädte und die aktuellen Punktestände der Bundesligamannschaften in Relation, ergibt sich ein Korrelationskoeffi­zient von 0 – es gibt also keinen sig­nifikanten Zusammenhang. Denn bei einem Korrelationskoeffizienten von 0 hängen die beiden Merkmale gar nicht voneinander ab, bei 1 wäre es eine perfekt positive Wechselbeziehung. In der Bundesliga ist es eher umgekehrt:

Ungeachtet der ökonomischen Stärke von München und Wolfsburg geht ein Spitzenplatz in der Liga eher mit einem schwächeren Rang beim BIP je Einwohner einher.

An dieser Tendenz ändert sich auch dann nichts, wenn man nicht das BIP je Einwohner, sondern die gesamte Wirtschaftskraft einer Stadt berücksichtigt – denn viele wirtschaftliche Schwergewichte wie Hamburg, Frankfurt oder Stuttgart finden sich eher im Tabellenkeller.

Einen dicken Strich durch die ökonomische Rechnung macht auch Nordrhein-Westfalen: Im prosperierenden Rheinland ist nur Bayer Leverkusen erstklassig, während das wirtschaftlich schwächelnde Ruhrgebiet mit Dortmund und Schalke gleich zwei Bayernverfolger stellt. Die Ruhrgebietsclubs zeigen zudem ein Kuriosum:

Vereine in Städten mit hoher Arbeitslosigkeit sind tendenziell erfolgreicher.

Wer darin jedoch einen Beleg dafür sieht, dass Fußball von jeher ein typischer Sport für Arbeiter(-städte) ist, der irrt: In seiner Anfangszeit im 19. Jahrhundert war Fußball eher ein Sport für Reiche – Arbeiter hatten weder Geld noch Zeit dafür.

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