Arbeitszeiten Lesezeit 4 Min. Lesezeit 1 Min.

Geld für Beschäftigte wichtiger als Flexibilität

Unternehmen sind bereits heute flexibel, wenn es um die Wünsche der Mitarbeiter zur Gestaltung der Arbeitszeit geht. Das zeigen neue Studien im Auftrag von Gesamtmetall. Dennoch ist es insbesondere nach Ansicht der Firmen Zeit für ein neues Arbeitszeitgesetz, das den heutigen Rahmenbedingungen in der Wirtschaft Rechnung trägt.

Kernaussagen in Kürze:
  • Laut einer umfangreichen Studie haben die meisten Beschäftigten in der Metall- und Elektro-Industrie schon heute einen großen Spielraum, die eigene Arbeitszeit zu gestalten.
  • Die befragten Firmen wollen, dass die Zehn-Stunden-​Grenze für einen Arbeitstag zugunsten einer wochenbezogenen Höchstgrenze fällt.
  • Die Erreichbarkeit nach Feierabend wird selten von Chefs eingefordert und auch selten genutzt.
Zur detaillierten Fassung

Um Arbeitszeitregelungen gibt es in Deutschland immer wieder Diskussionen. Das ist verständlich, liegt es doch in der Natur der Sache, dass Arbeitgeber und Arbeitnehmer unterschiedliche Ansichten zu diesem Thema haben.

Es ist allerdings nicht immer eindeutig auszumachen, ob tatsächlich die Arbeitnehmer nach strikten Regeln verlangen oder nur ihre – teils selbsternannten – Interessenvertreter. Um diese Frage zu beantworten und außerdem zu klären, wie denn die Lage aus Sicht der Unternehmen aussieht, haben die IW Consult und das Meinungsforschungsinstitut Emnid im Auftrag von Gesamtmetall über 1.100 Firmen und mehr als 1.000 Mitarbeiter der Metall- und Elektro-Industrie befragt.

Die meisten Beschäftigten gaben dabei an, dass sie schon heute einen großen Gestaltungsspielraum für die eigene Arbeitszeit haben. Entsprechend haben sie mehrheitlich eine andere Präferenz, wenn es um die Frage nach mehr Flexibilität oder mehr Geld geht:

Knapp zwei Dritteln der befragten Arbeitnehmer ist ein höherer Lohn wichtiger als mehr Selbstbestimmung bei der Arbeitszeit.

Fast die Hälfte kann die eigene Arbeitszeit schon heute kurzfristig anpassen (Frage 1). Später zu kommen oder früher zu gehen, wenn es zum Beispiel für einen Arztbesuch nötig ist, ist für sie kein Problem. Lediglich für 6 Prozent aller Metaller besteht diese Möglichkeit überhaupt nicht.

Knapp zwei Dritteln der befragten Mitarbeiter ist laut einer aktuellen Studie ein höheres Gehalt wichtiger als mehr Selbstbestimmung bei der Arbeitszeit.

In Anspruch nehmen die Beschäftigten ihre Freiheiten aber nur in Maßen. Ein Fünftel gab an, mindestens einmal pro Woche davon Gebrauch zu machen. Auf der anderen Seite nutzen 44 Prozent der Mitarbeiter die Möglichkeit, ihre Arbeitszeiten kurzfristig zu ändern, weniger als einmal im Monat oder gar nicht.

Doch auch die Unternehmen müssen gelegentlich die Arbeitszeit anpassen – etwa Mehrarbeit bei Auftragsspitzen anordnen oder die Länge von Schichten reduzieren, weil die Auftragsbücher leer sind. Allerdings geschieht das nur bei 6 Prozent der befragten Firmen sehr oft oder oft, bei 21 Prozent hingegen nie (Frage 2).

Und wenn es doch notwendig ist, dann werden laut Angaben der Beschäftigten in 60 Prozent der Fälle einvernehmliche Lösungen für Mehr- oder Minderarbeit gefunden und 59 Prozent der Befragten haben Verständnis dafür, dass der Arbeitgeber die Arbeitszeiten kurzfristig ändern muss.

Arbeitgeber plädieren für Gesetzesänderungen

Trotz des gemeinhin guten Zusammenspiels von Arbeitgebern und Arbeitnehmern ist es aus Sicht der Unternehmen aber an der Zeit, dass die Politik die gesetzlichen Rahmenbedingungen anpasst: Für die Firmen sind die Höchstarbeitsdauer und die Ruhezeitregeln nicht mehr zeitgemäß. Knapp 69 Prozent der befragten Unternehmen der Metall- und Elektro-Industrie sind der Ansicht, dass die Zehn-Stunden-​Grenze für einen Arbeitstag zugunsten einer wochenbezogenen Höchstgrenze fallen sollte (Frage 3). Dann könnte ein Beschäftigter auch mal elf Stunden am Tag arbeiten, solange er in der Woche nicht auf ein Pensum von mehr als 48 Stunden kommt.

Die Arbeitnehmer sind für diesen Vorschlag durchaus offen: 77 Prozent können sich vorstellen, punktuell länger als zehn Stunden zu arbeiten. Für 62 Prozent wäre das aber nur denkbar, wenn sie frei entscheiden dürften und nicht „von oben“ dazu verpflichtet werden.

In Sachen Ruhezeitregelung ist das Meinungsbild ähnlich:

Die gesetzlich vorgeschriebene Ruhezeit von elf Stunden zwischen zwei Arbeitseinsätzen halten knapp 60 Prozent der befragten Firmen für ein Problem.

Dabei hätten sie immer noch eine Mehrheit der Beschäftigten mit im Boot. Von ihnen können sich 52 Pro-
zent vorstellen, nach einer kürzeren Ruhepause wieder zu arbeiten
 (Frage 4). Für 40 Prozent gilt dies aber nur, wenn sie über die Lage der Arbeitszeit mit entscheiden können.

Ständige Erreichbarkeit wird selten verlangt

Heftig diskutiert wird oft auch die Erreichbarkeit nach Feierabend. Die, so heißt es vornehmlich aus dem Gewerkschaftslager, werde immer häufiger von Chefs eingefordert und raube den Arbeitnehmern den letzten Nerv – und früher oder später die Gesundheit. Tatsächlich liegt der Anteil derer, die grundsätzlich auch außerhalb der Arbeitszeit erreichbar sind, bei 70 Prozent (Frage 5). Das allein sagt aber gar nichts aus. Denn die Arbeitnehmer geben zu: Lediglich bei 2 Prozent fordert der Arbeitgeber die Erreichbarkeit von sich aus wirklich aktiv ein und nur selten greifen die Chefs dann auch auf Mitarbeiter in deren Freizeit zu:

89 Prozent aller Arbeitnehmer erklären, maximal einmal im Monat vom Chef angesprochen zu werden.

Ein Anruf löst bei vielen zudem keineswegs automatisch Stress aus. Fast die Hälfte der Befragten, die tatsächlich kontaktiert werden, empfindet es nicht als Belastung, wenn der Chef sich nach Dienstschluss meldet; 37 Prozent haben damit nur manchmal Probleme. Für Kontaktaufnahmen von Kollegen ist die Akzeptanz sogar noch höher. 

Doch die Arbeitnehmer geben nicht nur, sie bekommen auch: 90 Prozent der Beschäftigten arbeiten in Unternehmen, die Maßnahmen zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf anbieten – bis hin zum betrieblichen Kinderbetreuungsangebot und zu Langzeitkonten für individuelle Auszeiten.

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesene

Mehr auf iwkoeln.de