Nahrungsmittelhersteller 25.08.2016 Lesezeit 3 Min. Lesezeit 1 Min.

Gegessen wird immer

An der deutschen Ernährungsindustrie ist die Globalisierung bislang nahezu spurlos vorbeigegangen – nur 20 Prozent ihres Umsatzes macht sie im Ausland. Mit einem Gesamtumsatz von fast 169 Milliarden Euro und rund 569.000 Beschäftigten kann sie aber locker mit anderen Branchen wie der Elektrotechnik mithalten.

Kernaussagen in Kürze:
  • Die Ernährungsindustrie erwirtschaftet 80 Prozent ihres Umsatzes auf dem heimischen Markt.
  • Die Branche ist mittelständisch strukturiert, im Schnitt hat jeder Betrieb nur 98 Beschäftigte.
  • Die Ernährungsindustrie ist weniger von der Konjunktur abhängig als andere Branchen.
Zur detaillierten Fassung

Ernährungsindustrie in Zahlen Die Hersteller von Nahrungsmitteln, Futtererzeugnissen und Getränken – kurz: die Ernährungsindustrie – erwirtschaften 80 Prozent ihres Umsatzes auf heimischen Märkten (Grafik). Vor allem die Getränkeindustrie konzentriert sich mit ihren Produkten auf den Binnenmarkt; ihre Exportquote beträgt nur 13 Prozent. Das ist auch nicht verwunderlich, denn zumindest bei den Softdrinks macht es wenig Sinn, sie über weite Strecken hinweg zu transportieren. Aufgrund der hohen Kosten wären sie im Ausland nicht mehr konkurrenzfähig.

Die größte Teilbranche der Ernährungsindustrie ist – gemessen an den Jobs – die Nahrungs- und Futtermittelherstellung mit zuletzt 508.000 Beschäftigen. Es folgt die Getränkeherstellung mit 61.000 Beschäftigten.

Die gesamte Branche ist mittelständisch strukturiert. Im Durchschnitt zählt jeder Betrieb nur 98 Beschäftigte, wobei der Schnitt in der Getränkeherstellung mit 111 Jobs pro Firma etwas höher liegt als in der Nahrungsmittelindustrie (97). Hinzu kommen insgesamt 300.000 Mitarbeiter in den rund 24.000 Kleinstbetrieben mit weniger als 20 Beschäftigen. Viele dieser Firmen sind aber eher dem Ernährungshandwerk zuzuordnen.

Konjunktur weniger entscheidend

Gegessen wird immer, heißt es im Volksmund. Folglich ist die Ernährungsindustrie weniger von Konjunktur- und Gewinneinbrüchen betroffen als andere Branchen. Während dem Maschinen- oder dem Fahrzeugbau im Krisenjahr 2009 Aufträge und Gewinne wegbrachen, kamen die Erzeuger von Nahrungsmitteln und Getränken gut durch die Rezession.

Die Erzeuger von Nahrungsmitteln und Getränken sind weniger von Konjunktureinbrüchen betroffen als zum Beispiel der Maschinen- oder Fahrzeugbau.

Allerdings sind die Gewinne der Ernährungsindustrie ohnehin recht bescheiden. Im Jahr 2013 lag die Nettoumsatzrendite – das ist der Jahresüberschuss nach Steuern in Prozent des Umsatzes – bei 2,6 Prozent. Im gesamten Verarbeitenden Gewerbe betrug der Gewinn 3,0 Prozent vom Umsatz (Grafik).

Auch längerfristig gesehen sind andere Branchen rentabler. Die durchschnittliche Nettoumsatzrendite lag in der Gesamtwirtschaft von 1997 bis 2012 bei 3,0 Prozent, im Verarbeitenden Gewerbe bei 3,1 Prozent und in der Ernährungsindustrie bei 2,8 Prozent.

Zudem unterzeichnen die 2,6 Prozent den Rückstand der Ernährungswirtschaft gegenüber anderen Wirtschaftszweigen. Denn in der Nahrungs- und Getränkebranche gibt es viele kleine Personengesellschaften, in denen das Unternehmereinkommen anders als bei Kapitalgesellschaften aus dem Gewinn zu bestreiten ist.

Zur Gewinnschwäche trägt nicht zuletzt der scharfe Wettbewerb unter den zahlreichen eher kleinen Herstellern bei, denen der größer strukturierte Lebensmitteleinzelhandel zusetzt.

Einen Hinweis auf diesen Effekt liefert der Umsatzrückgang der Ernährungsindustrie von 2,1 Prozent im vergangenen Jahr. Da die Erzeugerpreise für landwirtschaftliche Produkte im Schnitt leicht rückläufig waren – sie fielen um 3,8 Prozent –, wurden offenbar die gesunkenen Einkaufspreise an den Handel weitergegeben. Die Lebensmittelpreise für den Konsumenten stiegen aber trotzdem, wenn auch nur moderat um 0,7 Prozent, wie das Statistische Bundesamt meldete.

Zaghafte Bestrebungen Richtung Ausland

Die Nahrungsmittelhersteller versuchen zwar, sich aus den Restriktionen des deutschen Marktes etwas zu befreien, indem sie Auslandsmärkte erschließen. Diese Bemühungen haben allerdings durch das Einfuhrverbot für den russischen Markt einen Dämpfer erlitten.

Trotz dieser Widrigkeiten blickt die Ernährungsindustrie optimistisch in die Zukunft und stellt – wie andere Branchen auch – weiter neue Mitarbeiter ein. So ist die Beschäftigung 2015 um 1,7 Prozent und Anfang 2016 um weitere 2,4 Prozent gewachsen.

Gegen Krisen ist die Ernährungsindustrie heute ohnehin besser gefeit als früher. Ihre Eigenmittelquote ist trotz der niedrigen Gewinnmarge seit Ende der 1990er Jahre spürbar gestiegen – von damals 22 auf heute 33 Prozent.

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