MINT-Herbstreport 2013 Lesezeit 3 Min. Lesezeit 1 Min.

Gefragt, aber rar

Dank des technischen Fortschritts sind Fachkräfte mit einem Abschluss in Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften oder Technik (MINT) weiterhin begehrt. Immer noch können viele Stellen nicht besetzt werden – es fehlt schlichtweg an Bewerbern. Und zwar nicht nur bei den Akademikern, sondern mittlerweile auch in den Ausbildungsberufen, wie der neueste MINT-Report des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln zeigt. Zuwanderung aus dem Ausland vermindert dieses Problem.

Kernaussagen in Kürze:
  • Dank des technischen Fortschritts sind MINT-Fachkräfte weiterhin begehrt - jedoch fehlt es an Bewerbern.
  • Im September 2013 fehlten dem deutschen Arbeitsmarkt annähernd 130.000 MINTler.
  • Vor einigen Jahren kamen die meisten zugewanderten berufstätigen MINT-Akademiker aus Osteuropa, inzwischen boomt die Zuwanderung aus Spanien, Griechenland und Co.
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In Deutschland arbeiten derzeit rund 2,4 Millionen MINT-Akademiker und 9,4 Millionen MINT-Fachkräfte. Zwar ist ihre Gesamtzahl von 2010 auf 2011 um gut 280.000 Personen gestiegen, doch die Nachfrage übertrifft weiterhin das Angebot:

Im September 2013 fehlten dem deutschen Arbeitsmarkt annähernd 130.000 MINTler.

In vielen MINT-Berufen gibt es deutlich mehr freie Stellen als Bewerber. Bei Ingenieuren, Informatikern und Co. kamen im September durchschnittlich 2 offene Stellen auf einen Arbeitslosen – ein deutliches Zeichen für einen Engpass. Auch Industriemeister und Techniker werden gesucht – jedem Arbeitslosen stehen 1,7 offene Stellen gegenüber.

Für MINT-Akademiker ist diese Situation nicht neu. Mittlerweile sind aber auch MINT-Berufe vom Arbeitskräfteengpass betroffen, die in der Regel keinen Hochschul-, sondern einen Berufsbildungsabschluss voraussetzen – wie etwa Industriemechaniker oder Fachinformatiker. In der Energie- und Elektrotechnik kommen 2,5 offene Stellen auf einen Arbeitslosen, in der Kunststoffherstellung und chemischen Industrie sind es 1,5 und in der Metallverarbeitung 1,3 offene Stellen je Arbeitslosen.

In den vergangenen zwölf Monaten waren in beiden MINT-Segmenten ungefähr gleich viele Stellen unbesetzt – bei den Akademikern rund 63.000, im beruflichen Bereich knapp 65.000. Allerdings absolvieren immer mehr junge Menschen einen MINT-Studiengang (Kasten), während sich immer weniger für einen MINT-Ausbildungsberuf interessieren. Viele Ausbildungsstellen bleiben deshalb vakant.

Weil sowohl die deutsche Ausbildung als auch die Arbeitsmarktbedingungen in der Bundesrepublik weltweit einen sehr guten Ruf genießen, zieht es schon seit Jahren viele MINTler aus anderen Ländern nach Deutschland – sie tragen zur Fachkräftesicherung bei. Allerdings hat sich das Ranking der Herkunftsländer deutlich verändert (Grafik):

Kamen vor einigen Jahren noch die meisten zugewanderten berufstätigen MINT-Akademiker aus Osteuropa, boomt inzwischen die Zuwanderung aus Spanien, Griechenland und Co.

Von den im Jahr 2011 in Deutschland erwerbstätigen eingewanderten MINT-Akademikern waren 6.800 erst zwischen 2007 und 2011 aus den Euro-Krisenstaaten gekommen, mehr als dreimal so viele wie von 2002 bis 2006. Von den studierten MINTlern aus den ehemaligen Sow­jetrepubliken und anderen osteuropäischen Staaten waren die meisten dagegen schon von 2002 bis 2006 eingewandert.

Anders als bei den Akademikern fällt es Deutschland aufgrund der strengen Zuwanderungsregelungen immer noch schwer, beruflich qualifizierte MINT-Zuwanderer aus dem Ausland zu gewinnen. Die meisten von ihnen kommen aus Osteuropa (Grafik).

In den vergangenen Jahren haben die verschiedenen Initiativen zur Fachkräftesicherung schon zu gro­ßen Erfolgen im Bereich der akademischen MINT-Qualifikationen geführt: Deutlich mehr junge Menschen entscheiden sich für ein MINT-Studium. Weil dies aber einige im Anschluss an eine Ausbildung tun, fehlen an der MINT-Basis Fachkräfte – auch auf lange Sicht.

Ein anderer Grund dafür ist, dass ein Teil der Jugendlichen nach wie vor Defizite im Lesen und Rechnen hat und damit nicht ausbildungsreif ist. Politik und Wirtschaft müssen ihre Anstrengungen in diesem Bereich weiter verstärken, damit genügend Potenzial an Nachrückern bereitsteht. Außerdem sollten sie zusätzliche Maßnahmen ergreifen:

  1. Eine Neuregelung der Beschäftigungsverordnung würde die Zuwanderung von ausländischen Fachkräften erleichtern und fördern. Darüber hinaus gilt es, bei jungen Menschen im Ausland stärker für eine Ausbildung in Deutschland zu werben. Dazu müssten die Willkommenskultur in Deutschland weiter gestärkt und die beteiligten Unternehmen und Ausbildungsträger besser vernetzt werden.
  2. Wichtig ist auch, die Potenziale junger Erwachsener ohne abgeschlossene Berufsausbildung noch besser als bislang zu erkennen und zu nutzen. Der Anteil der Ausbildungsabbrecher ist in den vergangenen Jahren immerhin schon deutlich gesunken. Denn viele Unternehmen versuchen bereits, Mitarbeiter nachträglich zu qualifizieren und so ihren Arbeitskräftebedarf zu decken.
  3. Um Arbeitskräfteengpässen im MINT-Bereich entgegenzuwirken, kommt es außerdem darauf an, die naturwissenschaftlichen Kenntnisse der Schüler weiter zu verbessern und mehr junge Menschen zu einer entsprechenden Ausbildung oder einem MINT-Studium zu bewegen. Wie das funktioniert, zeigt die erfolgreiche Zusammenarbeit und gegenseitige Unterstützung von Schulen und Unternehmen im Rahmen der Initiative SCHULEWIRTSCHAFT (weitere Informationen unter www.schulewirtschaft.de).

Christina Anger / Oliver Koppel / Axel PlünneckeMINT-Herbstreport 2013 – Erfolge bei Akademisierung sichern, Herausforderungen bei beruflicher Bildung annehmenGutachten für BDA, BDI, MINT Zukunft schaffen und Gesamtmetall

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