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Gefahr durch Protektionismus

Das Tempo der Globalisierung hat sich verlangsamt, vielerorts ist die Skepsis gestiegen – vor allem, weil nicht alle gleichermaßen von den Effekten des weltweiten Handels profitieren. Die Antwort darf aber nicht Protektionismus heißen. Vielmehr muss die Wirtschaftspolitik dafür sorgen, dass die derzeitigen Verlierer wieder Anschluss finden.

Kernaussagen in Kürze:
  • Seit der Wirtschaftskrise 2008 ist der Globalisierungsprozess ins Stocken geraten.
  • Der Freihandel bietet viele wirtschaftliche Vorteile, die auch den Verbrauchern zu gute kommen.
  • Die Verlierer der Globalisierung müssen von der Wirtschaftspolitik stärker in den Fokus genommen und ihre Lage verbessert werden.
Zur detaillierten Fassung

Seit die Weltwirtschaft 2008 in die Krise schlitterte, ist der Globalisierungsprozess ins Stocken geraten. Die Potenziale des Ausbaus globaler Wertschöpfungsketten scheinen aktuell ausgeschöpft, und auch die gebremste Entwicklung einiger großer Schwellenländer, allen voran China, trägt zur Schwäche des internationalen Handels bei. Außerdem gab es in den vergangenen Jahren kaum Fortschritte in der Handelsliberalisierung. Die Folge (Grafik):

Gegenüber dem Zeitraum von 2000 bis 2008 hat sich das Wachstum des Welthandels in den Jahren 2009 bis 2016 in etwa halbiert.

Preisbereinigte Veränderung des Welthandelsvolumen gegebenüber dem Vorjahr in Prozent

Darunter leidet auch die deutsche Exportwirtschaft, denn die Globalisierung ist ein wichtiger Treiber für eine höhere Produktivität. Daher wäre es sehr schädlich, wenn sich der aufkommende Protektionismus ausbreiten würde.

Freihandel bietet viele wirtschaftliche Vorteile. Die Wirtschaftspolitik muss aber auch die Lage der Globalisierungsverlierer verbessern.

Die Vorteile von Freihandel und ökonomischer Integration auf gesamtwirtschaftlicher Ebene sind umfangreich belegt: Verglichen mit einer autarken Volkswirtschaft erzielt eine große Gruppe handeltreibender Länder deutliche Wohlstandsgewinne – im Durchschnitt haben diese Staaten ein um 40 Prozent höheres gesamtwirtschaftliches Realeinkommen. Da Deutschland im internationalen Handel besonders aktiv ist, beträgt der Vorteil hier sogar mehr als 50 Prozent.

Die Früchte der Globalisierung kommen in erster Linie den Verbrauchern zugute, denn die Importe führen zu niedrigeren Preisen und einer größeren Produktauswahl.

Globalisierungsverlierer nicht vergessen

Allerdings haben die Globalisierungsskeptiker durchaus triftige Gründe. Denn die Globalisierung ist mit Anpassungen verbunden: Jobs gehen verloren und Firmen schrumpfen oder müssen schließen, wenn die Importkonkurrenz steigt oder die Produktion aus Kostengründen ins Ausland verlagert wird. Andererseits entstehen in den exportorientierten Firmen neue Stellen, sodass die Globalisierung insgesamt für die beteiligten Länder in der Regel ein Positivsummenspiel ist.

Dennoch muss man festhalten: Die enorme Zunahme der Niedriglohnkonkurrenz durch China sowie die mittel- und osteuropäischen Staaten hat besonders in Regionen, die auf weniger anspruchsvolle Industrieprodukte spezialisiert waren, und vor allem unter Geringqualifizierten auch Verlierer hervorgebracht. Die Aufgabe der Wirtschaftspolitik wird es sein, die globalisierungsbedingten Anpassungsprozesse abzufedern und die Lage der Verlierer zu verbessern. Ein progressives Steuersystem, verlässliche und aktivierende Transferleistungen für Arbeitslose und vor allem eine verbesserte Bildung in allen Altersgruppen sind dafür zentrale Ansatzpunkte.

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