Bildungsmonitor Lesezeit 4 Min. Lesezeit 1 Min.

Ganz oben wird die Luft dünner

Sachsen, Thüringen, Bayern und Baden-Württemberg haben derzeit die besten Bildungssysteme Deutschlands. Aber auch andere Bundesländer können in einzelnen Bereichen punkten – etwa bei der Integration oder an den Hochschulen.

Kernaussagen in Kürze:
  • Sachsen ist spitze bei der Förderinfrastruktur und der Schulqualität.
  • Thüringen kann bei der Ausgabenpriorisierung punkten.
  • Bayern schneidet in der beruflichen Bildung und der Vermeidung von Bildungsarmut am besten ab.
Zur detaillierten Fassung

Wenn der demografische Wandel künftig die Gesellschaft und die Bildungsinstitutionen spürbar verändert, dann wird dieser Umbruch in Ostdeutschland ganz anders verlaufen als im Westen. Ein Beispiel: Während in den meis­ten ostdeutschen Kreisen mehr als 19 Prozent der Beschäftigten in einem MINT-Beruf älter als 55 Jahre sind, sind es vor allem in Bayern, Baden-Württemberg und im Westen Niedersachsens weniger als 14 Prozent – die Nachwuchssorgen sind also im Osten viel größer (vgl. iwd 21/2015).

Gleichzeitig profitiert Deutschland seit einigen Jahren stark von der steigenden Zuwanderung: Die Beschäftigung von Ausländern nimmt sehr dynamisch zu, während die Beschäftigung von Deutschen auch aus demografischen Gründen nur noch leicht steigt oder sogar stagniert.

Zuwanderer gehen aber vor allem dorthin, wo sie bereits Netzwerke haben. Und dies ist die unangenehme Botschaft für den Osten: Mit Ausnahme Berlins und wenigen anderen Kreisen liegt in Ostdeutschland der Anteil der ausländischen Beschäftigten an allen Beschäftigten in MINT-Berufen unter 2 Prozent. In Baden-Württemberg liegt dieser Anteil bei über 11 Prozent.

Der IW-Bildungsmonitor, der auch die Erfolge der Bildungssys­teme in puncto Fachkräftesicherung bewertet, kommt in diesem Jahr zu folgenden Ergebnissen (Grafiken):

Der Sieger Sachsen ist Spitze bei der Förderinfrastruktur und der Schulqualität, das zweitplatzierte Thüringen trumpft bei der Ausgabenpriorisierung und den Betreuungsbedingungen auf und Bayern punktet bei der beruflichen Bildung, bei der Vermeidung von Bildungsarmut und der Inputeffizienz. Baden-Württemberg erreicht in mehreren Handlungsfeldern sehr gute Ergebnisse.

Aber auch andere Bundesländer erzielen in einzelnen Handlungsfeldern Bestwerte: So kann das Gesamtschlusslicht Berlin bei der Forschungsorientierung punkten.

Aufgrund der großen Fortschritte, die bereits in der Vergangenheit gemacht wurden, geht es nun allerdings nur noch langsam voran – ganz oben wird die Luft eben dünner. Am stärksten verbessert haben sich folgende Länder:

Bremen konnte den Anteil der vorzeitig aufgelösten Ausbildungsverträge deutlich verringern. Außerdem ist in der Hansestadt das Durchschnittsalter der Erstabsolventen an Hochschulen gesunken, während der Anteil der Grundschüler, die ganztags betreut werden, gestiegen ist. Deutlich zugelegt hat auch der Anteil der Absolventen in den Ingenieurwissenschaften.

Im Saarland ist die Zahl der Hochschulabsolventen in Relation zur Zahl der akademischen 15- bis 65-jährigen Bevölkerung gestiegen. Verbessern konnte sich das Saarland ebenfalls bei der Kinderbetreuung, weil die Erzieherinnen in den Kindergärten im Durchschnitt kleinere Gruppen betreuen als im Vorjahr. Auch die Ausbildungsstellenquote ist von 2013 auf 2014 noch einmal gestiegen.

Bayern hat seine Ausgaben je Schüler sowie die Ausbildungsleistung in den Ingenieurwissenschaften gesteigert. Außerdem hat der Anteil der ganztagsbetreuten Schüler in Bayern zugenommen, während die Zahl der Kinder je betreuender Person im Kindergarten gesunken ist. Bessere Erfolgsquoten gab es zudem in der Berufsvorbereitung.

In Hamburg sind unter anderem die Ganztagsangebote an Schulen deutlich ausgebaut worden und die Hochschulen konnten deutlich mehr Drittmittel einwerben.

Viele kleine Bausteine haben in den vergangenen Jahren dazu beigetragen, dass sich das Fachkräfteangebot in Deutschland verbessert hat:

Die Zahl der MINT-Erstabsolventen hat sich zwischen 2000 und 2013 fast verdoppelt.

Aber auch in anderen Studienfächern hat die Absolventenzahl zum Teil deutlich zugelegt. Der Anstieg der Zahl der Hochschulabsolventen in Deutschland zwischen 2000 und 2013 hat zu einem unmittelbaren Zuwachs der Wertschöpfung um 20,5 Milliarden Euro geführt – wovon alle Bundesländer profitieren.

Gleichwohl kann eine vorausschauende Bildungspolitik weitere Impulse setzen, die zur Fachkräftesicherung beitragen:

  1. Mittelfristig ist vor allem die Zuwanderung sehr wichtig, wobei unter dem Aspekt der Fachkräftesicherung die Zuwanderung über die Hochschulen der Königsweg sein dürfte. Aufgrund der Bologna-Reform ist es heute für viele ausländische Studenten deutlich leichter, etwa für ein Masterstudium nach Deutschland zu kommen.

Ein großes Potenzial bietet auch die Internationalisierung innerhalb der beruflichen Bildung. So sollte beispielsweise für Flüchtlinge der Weg in die duale Berufsausbildung erleichtert werden.

  1. Gleichzeitig sollten mehr Menschen einen Bildungsabschluss erreichen. Alleinerziehende ohne Berufsabschluss zum Beispiel hätten bei einem Ausbau der Ganztagsbetreuung mehr zeitliche Freiräume, eine Ausbildung zu machen.
  1. Im Rahmen der Berufsorientierung sollte die berufliche Bildung stärker betont werden. Auch für Gymnasiasten kann sich eine Lehre lohnen – vor allem in den MINT-Fachrichtungen mit ihren guten Einkommens- und Karrierechancen.
  1. Die Zahl der Studienabbrüche ließe sich mithilfe einer Studienverlaufsstatistik verringern – aufgrund der besseren Datenlage könnten die Abbrecherquoten durch gezieltere Maßnahmen reduziert werden. Außerdem sollten Bachelorabsolventen im öffentlichen Dienst künftig dieselben Einstellungschancen erhalten wie Masterabsolventen.

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesene

Mehr auf iwkoeln.de