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G8 hat ausgedient

Mitte Mai treffen sich die acht größten Industriestaaten in Camp David zum Gipfeltreffen. Doch so wegweisend wie früher sind die jährlichen Zusammenkünfte von Deutschland, Frankreich, Italien, Japan, Kanada, Russland, den USA und dem Vereinigten Königreich längst nicht mehr: Denn die Macht der G8-Staaten schwindet.

Kernaussagen in Kürze:
  • Mitte Mai treffen sich die acht größten Industriestaaten in Camp David zum G8-Gipfeltreffen
  • Die G8-Staaten haben dem Aufstieg der Schwellenländer indes wenig entgegenzusetzen.
  • Betrug das Bruttoinlandsprodukt der vier BRIC-Staaten im Jahr 2007 erst 15 Prozent der Weltwirtschaftsleistung, waren es 2011 schon fast 25Prozent.
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Als Indien im April eine atomwaffenfähige Langstreckenrakete testete, hatte das vor allem Symbolcharakter: Die Welt sollte sehen, über welche technischen Fähigkeiten Indien mittlerweile verfügt – und wie rasant sich das Land in vielerlei Hinsicht entwickelt. Ökonomisch ist Indien ohnehin schon eine aufstrebende Weltmacht – so wie Brasilien, Russland und China auch. Die Kaufkraft dieser sogenannten BRIC-Staaten wird in wenigen Jahren größer sein als die des Euroraums, prognostiziert die Investmentbank Goldman Sachs. Und im Jahr 2050 werden die vier Länder zusammen mit den USA die fünf größten Volkswirtschaften der Erde stellen – schließlich wächst ihre Wirtschaft nahezu ungebremst:

Betrug das Bruttoinlandsprodukt der vier BRIC-Staaten im Jahr 2007 erst 15 Prozent der Weltwirtschaftsleistung, waren es 2011 schon fast 25 Prozent.

Die Wirtschaftskraft der BRIC-Staaten geht zu einem guten Teil auf die verhältnismäßig junge Bevölkerung zurück: 2011 lag das Durchschnittsalter in Indien bei rund 26, in Brasilien bei 29, in China bei knapp 36 und in Russland bei 39 Jahren – Deutschland kommt auf fast 45 Jahre.

Weiteres wirtschaftliches Potenzial bieten die kaum erschlossenen Binnenmärkte der BRIC-Staaten: Im Jahr 2010 machte der Konsum der Chinesen lediglich rund 48 Prozent des Bruttoinlandsprodukts aus, in Amerika waren es fast 89 Prozent.

Die G8-Staaten haben dem Aufstieg der Schwellenländer indes wenig entgegenzusetzen – ein Befund, den der US-Wirtschaftsnobelpreisträger Robert Solow mit seinem Wachstumsmodell erklären kann: Demnach wächst ein Land nur noch langsam, wenn es bereits über viel Kapital, etwa Maschinen, verfügt. Denn jede weitere Maschine bringt dann kaum noch zusätzliche Produktivität. Ganz anders sieht es in einer Volkswirtschaft aus, in der die erste Maschine angeschafft wird: Dort explodiert die Produktivität – wie aktuell in den Schwellenländern.

Der einzige Ausweg aus diesem Dilemma ist technischer Fortschritt – mit Innovationen können Nationen immer weiter wachsen. Deutschland hat also die Zeichen der Zeit erkannt, indem es viel Geld in Forschung und Entwicklung steckt, doch auch hier holen die BRIC-Staaten auf – vor allem China (Grafik).

Angesichts dieser Entwicklungen sollten sich die G8-Vertreter damit beschäftigen, in welchem Gremium die Weltwirtschaft erörtert werden soll. Wenn drei der vier künftigen Großmächte fehlen, machen solche Gipfeltreffen jedenfalls wenig Sinn.

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