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Fünf Gründe, warum Westdeutschland auch 25 Jahre nach der Wiedervereinigung besser da steht als der Osten

Obwohl die ostdeutsche Wirtschaft einige Erfolge verzeichnen kann, hat Deutschlands Osten den Westen auch nach 25 Jahren deutsche Einheit noch nicht eingeholt. Dies liegt jedoch weniger an der wirtschaftlichen Schwäche der neuen Bundesländer, sondern vielmehr an der Stärke der alten Länder.

Kernaussagen in Kürze:
  • Westdeutschland steht auch 25 Jahre nach der Wiedervereinigung wirtschaftlich besser da als Ostdeutschland.
  • Zwar ist es auch in den neuen Bundesländern seit der Wende spürbar vorangegangen, doch die spezifischen Stärken der alten Länder ließen sich dadurch nicht ausgleichen.
  • Westdeutschland hat mehr Zuwanderung, mehr Ballungsräume, mehr Industrie, mehr Konzerne und mehr Forschung.
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Stärke 1: Zuwanderung

Menschen gehen dahin, wo es Arbeit gibt. Deswegen sind allein in den ersten drei Jahren nach dem Mauerfall unterm Strich mehr als 900.000 Menschen aus den neuen Bundesländern nach Westdeutschland gezogen. Das Problem: Es waren vor allem gut qualifizierte junge Menschen, die es in den Jahren nach der Wende gen Westen zog. Danach ebbte die Wanderungswelle zwar ab, doch auch in den folgenden 20 Jahren bis 2012 summierte sich die Nettozuwanderung in Westdeutschland noch auf 950.000 Ost-Bürger. 2013 war der der Wanderungssaldo erstmals ausgeglichen.

Stärke 2: Metropolregionen

Westdeutschland profitiert auch davon, dass es mehr Ballungsräume hat als der Osten. Sechs von sieben sogenannten Metropolregionen liegen in Westdeutschland, von Nord nach Süd sind das Hamburg, das Ruhrgebiet, das Rheinland, Frankfurt, Stuttgart und München – in Ostdeutschland dagegen gibt es nur die Hauptstadtregion. Bis auf das Ruhrgebiet sind all diese Ballungszentren wachsende Regionen – ihre Attraktivität gerade für jüngere, qualifizierte Menschen beruht einerseits auf dem großen Angebot an Arbeitsplätzen und Karrierechancen, andererseits auf der kulturellen Vielfalt und dem hohen Freizeitwert.

Stärke 3: Industrie

Der wirtschaftliche Erfolg der Bundesrepublik fußt nach wie auf der – westdeutschen – Industrie. Deutschland ist die drittgrößte Exportnation der Welt nach China und den USA und hatte im Jahr 2014 Exporterlöse von über 1,1 Billionen Euro. Sage und schreibe 93 Prozent davon gehen auf das Konto westdeutscher Industriebetriebe. In Westdeutschland steuerte die Industrie zuletzt 23,5 Prozent zur Bruttowertschöpfung bei, während es in Ostdeutschland nur 17,5 Prozent waren.

Stärke 4: Konzerne und Großunternehmen

Alle 30 deutschen DAX-Unternehmen, die größten börsennotierten Aktiengesellschaften (AGs), sitzen in Westdeutschland – 9 haben ihren Hauptsitz in Nordrhein-Westfalen, 8 in Bayern und 5 in Hessen, darunter die Großbanken. Von den 50 MDAX-Unternehmen, den AGs der zweiten Reihe, sind gerade einmal zwei im Osten ansässig, nämlich die das Verlagshaus Axel Springer und der Modeversand Zalando in Berlin. Gerade die Großkonzerne wie Daimler, Siemens oder Bayer bilden oft das Herzstück sogenannter Branchencluster, in denen Betriebe eines Wirtschaftszweigs enge Lieferbeziehungen pflegen und auf einen gemeinsamen Pool an Fachkräften, Bildungseinrichtungen und Forschungsinstituten zugreifen können. Die jeweils größten europäischen Cluster wichtiger Industriebranchen finden sich in westdeutschen Bundesländern, so zum Beispiel der Automobilbau rund um Stuttgart und in Oberbayern sowie die Chemie- und Pharma-Industrie in Ludwigshafen, Frankfurt und Leverkusen.

Stärke 5: Forschung und Entwicklung

Zwar hat Ostdeutschland dank der öffentlichen Mittel gute Universitäten und Forschungsinstitute, in der Privatwirtschaft sieht es jedoch mau aus: Die Hälfte aller 375.000 in der Forschung und Entwicklung (FuE) tätigen Fachkräfte ist in Großunternehmen mit mehr als 10.000 Mitarbeitern beschäftigt – also im Westen, denn im Osten gibt es kein einziges, das auch seine Zentrale, und damit die Forschungsabteilung vor Ort hat. Hinzu kommt die unterschiedliche Branchenstruktur: Im Westen sind die forschungsintensiven Branchen stärker vertreten, zum Beispiel der Flugzeugbau und die Medizintechnik.

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