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Fünf Faktoren für den Erfolg

Angesichts der hohen Jugendarbeitslosigkeit in Teilen Europas sollten alle Länder versuchen, ihre Berufsausbildung attraktiver zu gestalten.

Kernaussagen in Kürze:
  • In Italien, Portugal oder in Großbritannien ist eine Ausbildung für viele Jugendliche oft nur zweite Wahl.
  • Eine Berufsausbildung ist für Jugendliche attraktiver, wenn sie den Weg zu einem weiterführenden Bildungsweg offenhält.
  • Je größer das Engagement der Unternehmen in der Ausbildung, desto größer sind die Chancen der Auszubildenden auf dem Arbeitsmarkt.
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In einigen Ländern Europas beträgt die Jugendarbeitslosigkeit über 40 Prozent. In anderen Staaten wie Deutschland oder der Schweiz fällt sie relativ gering aus (Grafik). Dass jungen Leuten der Übergang ins Berufsleben hier leichter gelingt als anderswo, liegt maßgeblich an der dualen Berufsausbildung.

Ein „Export“ der dualen Ausbildung in Länder mit besonders hoher Jugendarbeitslosigkeit ist aufgrund der jeweiligen Gegebenheiten vor Ort keine Antwort auf das Problem. Denn jede Neuerung in einem historisch gewachsenen Bildungssystem funktioniert immer nur so gut, wie sie sich stimmig in die vorhandenen Strukturen einfügt. Zudem gehen auch andere Länder in Europa innovative Wege in der Berufsausbildung, von denen wiederum Deutschland lernen kann. Entscheidend für den Erfolg sind diese Faktoren:

Akzeptanz. Der Erfolg der Berufsausbildung steht und fällt mit der Akzeptanz seitens der Bevölkerung und der Unternehmen:

In Ländern, in denen die Berufsausbildung eine hohe Qualität aufweist und somit auch ein hohes Ansehen genießt, ist die Jugendarbeitslosigkeit vergleichsweise gering.

In Italien, Portugal oder dem Vereinigten Königreich dagegen ist für viele Jugendliche eine Ausbildung oft nur die zweite Wahl – falls es mit dem Studium nicht klappt.

Unternehmensbeteiligung. Je größer das Engagement von Betrieben in der Ausbildung ist, desto besser sind die Arbeitsmarktchancen der jungen Generation. Denn so lernen die Auszubildenden genau das, was im Berufsalltag gebraucht wird.

Doch dieses Engagement kann nicht von heute auf morgen exportiert werden. In Ländern mit historisch gewachsenen dualen Systemen hat es Tradition. In vielen anderen Ländern mit schulischen Ausbildungssystemen wie in Schweden oder Portugal muss erst Überzeugungsarbeit geleistet werden. Im Vereinigten Königreich etwa hat die Regierung finanzielle Anreize geschaffen, um Unternehmen den Einstieg in die duale Ausbildung schmackhaft zu machen – mit wachsendem Erfolg.

Sozialpartner. Um die Ausbildung möglichst praxisgerecht zu gestalten, ist auch eine gelebte Sozialpartnerschaft hilfreich. In Deutschland entwickeln Arbeitgeberverbände und Gewerkschaften schon seit vielen Jahrzehnten die Ausbildungsordnungen gemeinsam. Ein erster Schritt in diese Richtung können aber auch branchenspezifische Programmbeiräte sein, wie sie in Schweden, Portugal und Großbritannien praktiziert werden.

Durchlässigkeit. Jugendliche und ihre Eltern finden eine Berufsausbildung besonders dann attraktiv, wenn sie den Weg zu einem weiterführenden Bildungsweg offenhält. In Polen zum Beispiel erhalten junge Leute direkt mit dem Abschluss ihrer Ausbildung eine Studienberechtigung.

Arbeitsmarktbezug. Die Berufsausbildung ist zudem dann besonders erfolgreich, wenn sie laufend mit der sich stetig verändernden Arbeitswelt Schritt hält.

In der Bundesrepublik sind Ausbildungsordnungen technikneutral und gestaltungsoffen formuliert. Auf diese Weise können Unternehmen die Auszubildenden mit den neuesten Techniken und Verfahren vertraut machen. Im Vereinigten König­reich und auch zunehmend in Polen exis­tiert ein modularer Aufbau von Qualifikationen, die sich im Ausbildungsverlauf je nach Bedarf einzeln aktualisieren und vielfältig kombinieren lassen.

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