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Frühindikator für den Arbeitsmarkt

Wenn den Unternehmen die Aufträge wegbrechen, spürt das eine Branche sofort – die Zeitarbeit. Umgekehrt werden, wenn es wieder mehr zu tun gibt, zunächst vor allem Zeitarbeiter angeheuert.

Kernaussagen in Kürze:
  • Wenn den Unternehmen die Aufträge wegbrechen, spürt das eine Branche sofort – die Zeitarbeit.
  • In guten Zeiten warten die meisten Unternehmen mit Neueinstellungen ab, bis sich der Aufschwung verfestigt hat.
  • Im Abschwung bauen die Firmen zuerst diese Flexibilitätspuffer wieder ab, bevor sie die Stammbelegschaften abschmelzen.
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Die meisten Firmen sehen in der Zeitarbeit einen Flexibilitätspuffer für Auftragsschwankungen. Einer Umfrage der Institut der deutschen Wirtschaft Köln Consult zufolge fordern mehr als 80 Prozent der Unternehmen Zeitarbeitskräfte vor allem deshalb an, weil sie kurzfristig ihre Kapazitäten erweitern müssen (vgl. iwd 18/2012). Die Zeitarbeit nimmt also die Entwicklung des übrigen Arbeitsmarkts vorweg:

In guten Zeiten warten die meisten Unternehmen mit Neueinstellungen ab, bis sich der Aufschwung verfes­tigt hat. Die Mehrarbeit wird erst einmal mit Überstunden, Zeitarbeitnehmern und anderen flexiblen Beschäftigungsformen aufgefangen.

Im Abschwung bauen die Firmen zuerst diese Flexibilitätspuffer wieder ab, bevor sie die Stammbelegschaften abschmelzen.

Auch derzeit erweist sich die Zeitarbeit als Frühindikator für die kommende Arbeitsmarktentwicklung. Als gesichert gilt inzwischen, dass die Konjunktur eine Wachstumspause einlegt. Das Bruttoinlandsprodukt lag im 1. Quartal 2012 nur noch um 1,7 Prozent über dem Vorjahresniveau. Dementsprechend reagiert die Zeitarbeit. Die Zahl der überlassenen Zeitarbeitnehmer hat in den ersten drei Monaten des Jahres 2012 um knapp 60.000 Personen abgenommen (Grafik).

Demnächst könnte ein weiterer Faktor die Zeitarbeit ausbremsen. Auf Druck der Politik haben sich die Tarifpartner der Zeitarbeitsbranche – die zuständigen DGB-Gewerkschaften sowie der Interessenverband Deutscher Zeitarbeitsunternehmen und der Bundesarbeitgeberverband der Personaldienstleister – auf Zuschläge zu den Tariflöhnen geeinigt. Diese Regelung tritt im November in Kraft.

Zeitarbeitnehmer, die länger als sechs Wochen im Kundenunternehmen eingesetzt werden, bekommen einen Bonus aufs Gehalt, der nach neun Monaten auf bis zu 50 Prozent ansteigen kann.

Diese für die Metall- und Elektro-Industrie sowie die chemische Industrie geltenden Regelungen sollen auf weitere Branchen ausgedehnt werden. Das dürfte vor allem die Beschäftigungschancen der Geringqualifizierten reduzieren, die als Zeitarbeiter beschäftigt sind.

Langfristig aber dürften die Zuschläge der Branche nur einen kleinen Dämpfer versetzen. Denn die Personalvermittler entwickeln sich zunehmend zu umfassenden personalwirtschaftlichen Dienstleistern. Wenn sie z.B. hochqualifizierte Ingenieure für Wartungsarbeiten bereitstellen, ist die Entlohnung nur ein Faktor von vielen.

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