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Außenhandel Lesezeit 2 Min.

Freihandelsabkommen mit Indien: Die Mutter aller Deals

Die EU und Indien haben die Verhandlungen über ein Freihandelsabkommen abgeschlossen. Vor allem für die europäische Automobilbranche ergäben sich dadurch bessere Absatzchancen.

Kernaussagen in Kürze:
  • Der Freihandelsvertrag zwischen der EU und Indien sieht vor, dass die EU für 99,5 Prozent der indischen Waren ihr Zollregime liberalisieren wird.
  • Umgekehrt streicht oder senkt Indien seine Abgaben laut Handelsvertrag auf 96,6 Prozent der EU-Warenausfuhren, die sich 2024 auf annähernd 49 Milliarden Euro beliefen.
  • Der indische Zollsatz auf Autos aus der EU soll schrittweise von 110 Prozent auf 10 Prozent fallen. Diese Zollpräferenz ist jedoch nicht unbegrenzt, sondern gilt nur für ein jährliches Kontingent von 250.000 Fahrzeugen.
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Für EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen ist das Freihandelsabkommen, das sie Ende Januar nach Abschluss der Verhandlungen zusammen mit Indiens Premierminister Narendra Modi unterzeichnet hat, „the mother of all deals“. Kein Wunder: Indien ist mit fast 1,5 Milliarden Menschen das bevölkerungsreichste Land der Welt – zusammen mit den rund 450 Millionen EU-Bürgern repräsentieren beide Handelspartner annähernd ein Viertel der Weltbevölkerung.

Das Handelsabkommen der EU mit Indien ist zwar nicht so umfassend wie das mit den Mercosurstaaten, doch für beide Seiten wird der Handel wesentlich leichter.

Ähnlich sieht es bei der Wirtschaftsleistung aus: Beide Seiten steuern zusammen fast ein Viertel zum weltweiten Bruttoinlandsprodukt bei. Außerdem wächst Indiens Wirtschaft (Grafik):

Im Jahr 2025 steigerte Indien sein Bruttoinlandsprodukt um annähernd 7 Prozent.

im Finanzjahr 2025/2026 (1. April 2025 bis 31. März 2026) Download: Grafik (JPG) herunterladen Grafik (EPS) herunterladen Tabelle (XLSX) herunterladen

Seit 2000 wächst Indiens Wirtschaft nunmehr im Durchschnitt um jährlich mehr als 6 Prozent.

Das EU-Indien-Handelsabkommen ist zwar nicht so umfassend wie der kurz zuvor geschlossene Freihandelsvertrag mit den südamerikanischen Mercusorstaaten – so ist im Pakt mit Neu-Delhi der Agrarsektor weitgehend ausgenommen –, doch für beide Seiten wird der Handel wesentlich leichter:

Die EU wird für 99,5 Prozent der indischen Waren ihr Zollregime liberalisieren. Aktuell exportiert Indien vor allem elektrische Maschinen und Geräte, organische Chemikalien, mechanische Apparate, pharmazeutische Erzeugnisse sowie Textilien in die EU. Insgesamt lieferte Indien im Jahr 2024 Waren im Wert von knapp 90 Milliarden Euro an die EU-Mitgliedsstaaten.

Das Handelsabkommen zwischen der EU und Indien sieht Zollsenkungen für fast alle Waren vor

Indien wiederum streicht oder senkt seine Abgaben laut Handelsvertrag auf 96,6 Prozent der EU-Warenausfuhren, die sich 2024 auf annähernd 49 Milliarden Euro beliefen. Hauptexportgüter sind Maschinen und Elektrogeräte, Flug- und Raumfahrzeuge sowie Medizintechnik und Chemikalien.

Wegen der hohen Zölle von 66 Prozent (für Autos im Wert von weniger als 40.000 Dollar) beziehungsweise 110 Prozent (für entsprechend teurere Autos) exportiert die EU bislang relativ wenige Kraftfahrzeuge nach Indien, 2024 betrug ihr Warenwert lediglich 1,6 Milliarden Euro. Dies dürfte sich perspektivisch ändern, denn der Zollsatz auf Autos soll schrittweise von 110 Prozent auf 10 Prozent fallen. Diese Zollpräferenz ist jedoch nicht unbegrenzt, sondern gilt nur für ein jährliches Kontingent von 250.000 Fahrzeugen. Zusätzlich sollen die indischen Zölle auf Autoteile zehn Jahre nach Inkrafttreten des Abkommens ganz wegfallen.

Beide Seiten gehen davon aus, dass das Freihandelsabkommen noch vor Jahresende in Kraft treten kann. Zuvor müssen die EU-Mitgliedsstaaten und das EU-Parlament das Abkommen allerdings noch billigen.

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