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Frau zeigt Interesse

Immer mehr junge Menschen – und neuerdings auch mehr Frauen – studieren Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik. Trotzdem reicht die Zahl der Abgänger nicht aus, um den Bedarf zu decken.

Kernaussagen in Kürze:
  • Immer mehr junge Menschen – und neuerdings auch mehr Frauen – studieren Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik.
  • Es werden nach wie vor wesentlich mehr Fachkräfte in MINT-Berufen gesucht, als dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen.
  • Auf längere Sicht ist die Entwicklung in den einzelnen naturwissenschaftlich-technischen Berufsfeldern allerdings sehr unterschiedlich verlaufen.
Zur detaillierten Fassung

Das Kürzel MINT steht für die Bereiche Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik. Zu den MINT-Berufen zählen in der Informatik vor allem Datenverarbeitungsfachleute, im Bereich der Technik sind es vor allem Techniker, Meister und Ingenieure.

Die Fachkräftelücke

Es werden nach wie vor wesentlich mehr Fachkräfte in MINT-Berufen gesucht, als dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen. Im April 2012 gab es Berechnungen des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln zufolge eine Fachkräftelücke von 209.700 Personen. Dabei wird die Fachkräftelücke definiert als Stellenangebote minus Arbeitslose.

Die Schere hat sich insbesondere in den vergangenen 15 Monaten weit geöffnet – immer mehr Betriebe suchen MINT-Kräfte, gleichzeitig sinkt aber das Angebot an arbeitsuchenden Ingenieuren und Technikern (Grafik).

Auf längere Sicht ist die Entwicklung in den einzelnen naturwissenschaftlich-technischen Berufsfeldern allerdings sehr unterschiedlich verlaufen. Die Zahl der offenen Stellen für Datenverarbeitungsfachleute hat sich seit Januar 2005 mehr als verdreifacht, die Zahl der gesuchten Naturwissenschaftler und Mathematiker ist dagegen „nur“ um 77 Prozent gestiegen (Grafik).

Gleichzeitig ist die Zahl der arbeitslosen Ingenieure besonders stark zurückgegangen. Sie lag im April 2012 bei weniger als einem Drittel des Werts vom Januar 2005. Der Markt für Ingenieure ist mit 19.200 Arbeitslosen bei 111.300 Offerten praktisch leer gefegt.

Die Absolventenlücke

Aus zwei Gründen kommt es für die (potenziellen) Arbeitgeber der MINT’ler demnächst noch dicker:

1. Ersatzbedarf.

Zwischen 2015 und 2020 scheiden Jahr für Jahr 53.300 ältere MINT-Akademiker aus dem Berufsleben aus. Das sind knapp 8.000 mehr als heute.

2. Beschäftigungsexpansion.

Wenn der Bedarf an MINT-Akademikern weiter so steigt wie in den vergangenen zehn Jahren, braucht die Wirtschaft einschließlich der Ersatzkräfte jährlich 107.000 MINT-Hochschulabsolventen, ab dem Jahr 2015 sogar jährlich 115.000.

Die Zahl der MINT-Absolventen ist in den vergangenen Jahren zwar gestiegen. Das reicht aber nicht aus, um den Bedarf zu decken. So machten 2010 lediglich 98.400 junge Leute ihr Diplom oder ihren Bachelor in einem MINT-Fach.

Das Werben der Wirtschaft für ein technisches oder naturwissenschaftliches Studium hat sich trotzdem gelohnt: Zwischen 2005 und 2010 stieg die Zahl der Absolventen immerhin um rund 33.300.

Dazu haben allerdings auch die jungen Leute selbst ihr Scherflein beigetragen – indem sie fleißig studierten: Während im Jahr 2005 nur jeder fünfte Jugendliche ein Studium beendete, hatten 2010 bereits 30 Prozent der jungen Erwachsenen einen Hochschulabschluss in der Tasche. Gleichzeitig hat sich der Anteil der MINT-Abgänger an allen Erstabsolventen von 31 auf 33 Prozent erhöht.

Dass sich mehr junge Leute für ein technisch-naturwissenschaftliches Studium interessieren, ist auch auf finanzielle Anreize zurückzuführen. Denn durch den Fachkräfteengpass sind die Einstiegslöhne neuerdings höher (vgl. iwd 15/2012).

Die Zukunft

Derzeit ist nicht zu erwarten, dass das Interesse am MINT-Studium abreißt. Denn der Anteil der MINT-Erstsemester an allen frisch Immatrikulierten ist allein 2010 um 1 Prozentpunkt auf 38 Prozent gestiegen.

Zusammen mit der größeren Studierneigung dürfte sich daher die Zahl der MINT-Absolventen in den nächsten Jahren zwar weiter erhöhen – bis 2020 werden 200.000 MINT’ler mehr die Hochschulen verlassen, als bislang erwartet. Aber auch das reicht nicht aus, um den Bedarf zu decken. Daher ist es wichtig, weiter um Nachwuchs zu werben - etwa um Frauen, die durchaus Interesse an technischen und naturwissenschaftlichen Fächern zeigen (Kasten).

Christina Anger, Wido Geis, Axel Plünnecke
MINT - Frühjahrsreport 2012Download | PDF

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