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Fortbildung gegen Fachkräftemangel

Der Fachkräftemangel stellt die Wirtschaft vor große Herausforderungen. Doch Unternehmen stemmen sich dagegen – indem sie mehr auf die Fortbildung ihrer Belegschaften setzen, wie die Weiterbildungserhebung des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW) zeigt.

Kernaussagen in Kürze:
  • Der Fachkräftemangel stellt die Wirtschaft vor große Herausforderungen.
  • Doch viele Betriebe haben bereits eine Antwort auf den Engpass an klugen Köpfen: Weiterbildung.
  • Je Mitarbeiter investierten die Unternehmen zuletzt 1.035 Euro für betriebliche Weiterbildung.
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Beschäftigte bauen Überstunden auf, Prozesse kommen ins Stocken, Aufträge müssen abgelehnt werden – und schlimmstenfalls werden ganze Unternehmensteile ins Ausland verlagert. Der Fachkräftemangel hierzulande lässt solche Szenarien manchmal schon Realität werden.

Doch viele Betriebe haben bereits eine Antwort auf den Engpass an klugen Köpfen: Weiterbildung hilft, die eigenen Reihen verstärkt zu qualifizieren – knapp zwei Drittel der Unternehmen stimmen dieser Aussage in der aktuellen IW-Weiterbildungserhebung zu.

Selbst die globale Wirtschafts- und Finanzkrise konnte der betrieblichen Weiterbildung in Deutschland nicht viel anhaben. Im Jahr 2010 haben in Deutschland gut 83 Prozent aller Unternehmen ihren Beschäftigten Möglichkeiten zur Weiterbildung geboten – das waren in etwa genauso viele wie im Jahr 2007.

Die Talfahrt war nur kurz: Lediglich im Krisenjahr 2008 hatten deutsche Betriebe ihr Weiterbildungsengagement deutlich zurückgefahren. Ein Jahr später ging es schon wieder bergauf. Und so haben sich 2010 unterm Strich die Mitarbeiter mehr weitergebildet als zum Zeitpunkt der vorherigen IW-Befragung im Jahr 2007 (Grafik):

Im Schnitt nahm 2010 jeder Mitarbeiter gut 29 Stunden an Seminaren und Informationsveranstaltungen teil – 2007 waren es lediglich knapp 22 Stunden.

Berücksichtigt man auch das informelle Lernen, etwa durch das Lesen von Fachzeitschriften, bildete sich ein Beschäftigter 2010 mehr als eine Arbeitswoche lang weiter.

Zudem büffeln die Arbeitnehmer häufiger als früher: Auf 100 Mitarbeiter kamen knapp 227 Teilnahmen an Weiterbildungen. Jeder Beschäftigte hat also durchschnittlich mehr als zweimal eine entsprechende Veranstaltung besucht.

Dass die Weiterbildung der Krise getrotzt hat, ist größtenteils den Mitarbeitern zu verdanken: Zehn Stunden, ein Drittel der in Seminaren und Workshops verbrachten Zeit, lagen außerhalb ihres Arbeitspensums. Damit hat sich die Stundenzahl, die in der Freizeit für die Weiterbildung verwendet wird, im Vergleich zu 2007 mehr als verdoppelt. Aber auch die Stundenzahl für Weiterbildung während der Arbeitszeit ist gestiegen – um 14 Prozent.

Der höhere Freizeitaufwand ist wohl auf die Begleiterscheinungen der Wirtschafts- und Finanzkrise zurückzuführen: Durch Kurzarbeit und Überstundenabbau ist nutzbare Zeit frei geworden. Unter anderem deshalb sind die Ausgaben je Beschäftigten im Jahr 2010 nahezu konstant geblieben – obwohl der Umfang der Weiterbildung deutlich zugenommen hat (Grafik):

Je Mitarbeiter investierten die Unternehmen zuletzt 1.035 Euro für betriebliche Weiterbildung.

Im Vergleich zum Jahr 2007 waren das 1,7 Prozent weniger. Nicht zuletzt planen die Unternehmen ihre Weiterbildungsmaßnahmen mittlerweile auch wirtschaftlicher und effektiver. So sind etwa die direkten Kosten für Lehrveranstaltungen in den vergangenen Jahren gesunken. Auf Honorare, Teilnahmegebühren etc. entfielen 2010 gut 30 Prozent der Kosten. Gleichzeitig investieren die Unternehmen mehr in eigenes Personal, das sich mit der Planung und Organisation der Weiterbildung befasst.

Der Löwenanteil der Kosten entsteht jedoch dadurch, dass Mitarbeiter während der Arbeitszeit an Weiterbildung teilnehmen und somit Arbeit ausfällt. Diese indirekten Ausgaben machen rund 60 Prozent der Gesamtkosten aus.

Hochgerechnet auf alle 27,8 Millionen sozialversicherungspflichtig Beschäftigten haben die Unternehmen 2010 rund 28,6 Milliarden Euro in die Weiterbildung gesteckt.

Das gesamte Budget der Firmen war damit gut 6 Prozent höher als im Jahr 2007.

Der Fachkräftemangel führt dazu, dass Firmen, die Probleme bei der Suche nach Personal hatten, viel häufiger auf die Fortbildung setzen als Unternehmen ohne Rekrutierungsprobleme. Gut 43 Prozent der befragten Betriebe bilden etwa ihre an- und ungelernten Beschäftigten weiter. In jeder fünften Firma schaffen es diese Mitarbeiter so sogar bis zu einem Berufsabschluss.

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