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Flüchtlinge ans Steuer

Die Logistikbranche steht vor einem Dilemma. Alle Experten rechnen mit zunehmendem Lkw-Verkehr, doch es fehlt schon heute an Fahrern. Hier könnte eine Beschäftigungs­chance für Flüchtlinge liegen.

Kernaussagen in Kürze:
  • Es fehlt heute schon an Lkw-Fahrern.
  • In der Gruppe der Berufskraftfahrer kommen inzwischen auf jeweils 100 Arbeitslose 75 offene Stellen.
  • Um den Fahrermangel zu begegnen, sollte man versuchen, Flüchtlinge für den Beruf zu interessieren.
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Alle Prognosen gehen davon aus, dass die Transportleistung auf der Straße in Deutschland und Europa bis 2030 weiter kräftig zulegen wird. In Deutschland sollen Lkws im Jahr 2030 fast 40 Prozent mehr Güter transportieren als im Jahr 2010. Auf EU-Ebene wird mit einem Plus von etwa 36 Prozent gerechnet.

Woher die Fahrer für die zusätzlichen Trucks kommen sollen, weiß indes niemand so recht. Denn schon heute sind sie knapp (Grafik):

In der Gruppe der Berufskraftfahrer kommen inzwischen auf jeweils 100 Arbeitslose 75 offene Stellen.

Dabei unterliegt der Arbeitsmarkt für Lkw-Fahrer starken saisonalen Einflüssen. Vor Weihnachten suchen die Spediteure regelmäßig besonders viele Berufskraftfahrer, im Januar und Februar ebbt die Nachfrage wieder ab. Trotz dieses saisonalen Auf und Ab ist die Nachfrage heute auch in schwachen Monaten höher als früher.

Einiges spricht dafür, dass sich die Engpässe auf dem Arbeitsmarkt für Berufskraftfahrer verschärfen:

Problem Altersstruktur. Im Jahr 2014 war mehr als ein Viertel der 538.010 sozialversicherungspflichtigen Berufskraftfahrer mindestens 55 Jahre alt. Im Durchschnitt aller Berufsgruppen lag dieser Anteil nur bei 17 Prozent. Das heißt:

Ab 2020 werden jedes Jahr fast 14.000 Lkw-Fahrer altersbedingt aus dem Erwerbsleben ausscheiden.

Zum Vergleich: Die Zahl aller Lkw-Fahrer unter 25 Jahren liegt derzeit ebenfalls bei etwa 14.000 Personen – der Nachwuchs könnte also nur einen Jahrgang ersetzen.

Problem Nachwuchsmangel. Früher haben viele Lkw-Fahrer ihren Führerschein (kostenlos) bei der Bundeswehr gemacht. Das reichte, um Berufskraftfahrer zu werden. Seit 2009 muss überdies eine dreijährige Berufsausbildung durchlaufen werden. Dabei reichen die Ausbildungsinhalte vom verbrauchsoptimierten Fahren bis hin zum Thema Ladungssicherung.

Dieses Prozedere schreckt offenbar ab: Im Jahr 2014 wurden nur 3.180 Ausbildungsverträge abgeschlossen. Zugleich werden 46 Prozent aller Ausbildungsverträge von angehenden Berufskraftfahrern vor dem Abschluss wieder gelöst.

Um dem Fahrermangel zu begegnen, sollte man versuchen, Flüchtlinge für den Beruf zu interessieren. Das könnte klappen, denn mehr als 98 Prozent aller Berufskraftfahrer sind Männer. Und die große Mehrheit der Flüchtlinge ist ebenfalls männlich.

Zudem ist es für Flüchtlinge relativ einfach, die Anforderungen an einen Fernfahrer zu erfüllen. Sie benötigen vor allem Durchhaltevermögen – gute Deutschkenntnisse sind nicht ganz so wichtig. Andere Mangelberufe verlangen mehr.

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