Betriebliches Gesundheitsmanagement Lesezeit 3 Min. Lesezeit 1 Min.

Fit am Arbeitsplatz

Für die meisten Unternehmen in Deutschland ist es längst selbstverständlich, sich intensiv um die Gesundheit ihrer Mitarbeiter zu kümmern. Das kostet zwar Geld, ist aber unter dem Strich eine rentable Investition.

Kernaussagen in Kürze:
  • Die Gesundheitsausgaben der Unternehmen sind zwischen 2000 und 2013 von 700 auf 935 Millionen Euro gestiegen
  • 60 Prozent der Unternehmen verbessern ihre Arbeitsabläufe
  • Ab 2016 steigen die jährlichen Präventionsausgaben der Krankenkassen von 3 auf 7 Euro pro Versicherten
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Die Unternehmen in Deutschland sind darauf angewiesen, ihre alternden Belegschaften so lange wie möglich fit zu halten. Auch wenn Gesundheit in erster Linie in der Verantwortung der Beschäftigten liegt, so unterstützen die Firmen sie doch dabei, gesund zu bleiben. Denn die Arbeitgeber wissen, dass gesunde Mitarbeiter Kosten einsparen und die Produktivität erhöhen. Zu diesem Zweck investieren die Unternehmen enorme Summen:

Gaben die Unternehmen im Jahr 2000 erst rund 700 Millionen Euro für Prävention und Gesundheitsschutz aus, so waren es 2013 schon 935 Millionen Euro.

Doch wie sieht ein gutes betriebliches Gesundheitsmanagement aus? Das im Jahr 1996 gegründete Europäische Netzwerk für betriebliche Gesundheitsförderung hat dazu sechs Qualitätskriterien aufgestellt. Demnach soll betriebliche Gesundheitsförderung:

  1. als Führungsaufgabe wahrgenommen werden. Dazu gehören vor allem die Einbindung der Führungskräfte, die Integration des Gesundheitsmanagements in die Unternehmenspolitik sowie ausreichende finanzielle und materielle Ressourcen;
  1. die Mitarbeiter möglichst weitgehend an der Planung und Durchführung beteiligen;
  1. auf einem ganzheitlichen Gesundheitsverständnis beruhen;
  1. auf sorgfältigen Analysen basieren und kontinuierlich verbessert werden;
  1. professionell und dauerhaft betrieben werden. Dazu gehört eine kontinuierliche Information aller Beteiligten;
  1. anhand ausgewählter Indikatoren bewertet und der Erfolg gemessen werden.

So weit die Theorie – und die Praxis ist nicht weit davon entfernt. Das zeigt eine Befragung von gut 1.300 Unternehmen durch das Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW) im Sommer 2014 (Grafik):

Von allen Unternehmen, die mindestens eine Maßnahme zum betrieblichen Gesundheitsmanagement anbieten, binden jeweils rund 40 Prozent ihre Führungskräfte ein und informieren die Mitarbeiter regelmäßig über entsprechende Vorhaben.

Von den Großunternehmen informieren sogar mehr als drei Viertel ihre Beschäftigten über das betriebliche Gesundheitsmanagement, im Mittelstand liegt die Quote bei fast 60 Prozent.

Bleibt die Frage, was die Betriebe konkret tun, um ihre Mitarbeiter möglichst fit zu halten. Die Antworten (Grafik):

Jeweils fast 60 Prozent der Unternehmen sorgen für verbesserte Arbeitsabläufe und gestalten die Arbeitsplätze nach ergonomischen Kriterien – das waren die beiden am häufigsten genannten Maßnahmen.

Bei den Instrumenten des betrieblichen Gesundheitsmanagements fällt auf, dass Gesundheitszirkel noch wenig verbreitet sind: Sie werden nur in knapp 4 Prozent aller Unternehmen eingesetzt, und auch Großunternehmen kommen lediglich auf eine Quote von weniger als 30 Prozent.

Sinn und Zweck dieser Zirkel ist es, die Erfahrungen jener Menschen zu nutzen, die meist am besten wissen, wie das Gesundheitsmanagement in dem jeweiligen Unternehmen vielleicht noch verbessert werden kann – das sind die Mitarbeiter.

Tatsächlich sind gut organisierte Gesundheitszirkel sowohl für das Unternehmen als auch für die Beschäftigten sehr effektiv und effizient. Im Idealfall bündeln sie das Erfahrungswissen von Beschäftigten, Führungskräften und Arbeitsmedizinern, um Personal- und Organisationsstrategien zu entwickeln und zu verbessern.

Auch die Krankenkassen fördern das Gesundheitsmanagement in den Betrieben:

Ab 2016 steigen die jährlichen Präventionsausgaben der Krankenkassen pro Versicherten von rund 3 Euro auf 7 Euro – mindestens 2 Euro davon sollen in die betriebliche Gesundheitsförderung investiert werden.

Dass sich solche Investitionen am Ende lohnen, hat das Institut für Gesundheit und Arbeit (iga) herausgefunden, indem es mehr als 1.050 Einzelstudien auswertete. Das erfreuliche Ergebnis: Gesundheits­förderung reduziert Gesundheits­risiken, senkt Krankheitshäufigkeiten und fördert gesundheitsbewusste Verhaltensweisen.

Allerdings ist es schwer, den Nutzen genau zu beziffern: Laut iga kann 1 Euro, der in die Gesundheitsförderung investiert wird, einen Nutzen von 2,30 Euro bringen – oder auch 5,90 Euro (vgl. iwd 29/2014). Wie viel genau, muss noch erforscht werden.

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