Nachhaltigkeit Lesezeit 2 Min. Lesezeit 1 Min.

Firmen denken an morgen

Vor 20 Jahren haben sich 178 Nationen in Rio de Janeiro einem Nachhaltigkeitsleitbild verpflichtet. Heute ist dieses Leitbild ein wichtiger Bestandteil der Unternehmenskultur.

Kernaussagen in Kürze:
  • Vor 20 Jahren haben sich 178 Nationen in Rio de Janeiro einem Nachhaltigkeitsleitbild verpflichtet.
  • Wie dringend nötig all das ist, zeigt der Status quo: Umweltzerstörung, Armut, Hunger und Menschenrechtsverletzungen sind in vielen Ländern noch immer trauriger Alltag.
  • Nachhaltigkeit ist laut dem aktuellen Umweltexpertenpanel des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln in vier von fünf Unternehmen ein fester Bestandteil des Leitbilds.
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Die Idee des nachhaltigen Wirtschaftens geht auf die Forstwirtschaft des 18. Jahrhunderts zurück. Demnach sollte innerhalb einer bestimmten Zeit nur so viel Holz geschlagen werden, wie durch Neupflanzungen wieder nachwächst, um den Wald dauerhaft und langfristig nutzen zu können.

Bis ein solches Konzept auch international populär wurde, dauerte es jedoch – nach dem Abschlussbericht „Unsere gemeinsame Zukunft“ im Jahre 1987 befasste sich die UN-Weltkonferenz für Umwelt und Entwicklung 1992 in Rio de Janeiro erstmals eingehend mit dem Thema Nachhaltigkeit. Eine ihrer Nachfolgekonferenzen, die „Rio+20“, wird nun vom 20. bis 22. Juni wieder in Rio de Janeiro stattfinden.

Dieses Mal geht es vor allem um das Konzept der nachhaltigen Wirtschaft, also die sogenannte „Green Economy“, um die Armutsbekämpfung und um institutionelle Reformen, die das Konzept der Nachhaltigkeit stärker in die politischen Systeme der UN-Mitgliedsstaaten einbinden sollen.

Doch das Konzept „Green Economy“ wird kontrovers zwischen Industrie- und Entwicklungsländern diskutiert. Vorwiegend die Entwicklungsländer befürchten dadurch Nachteile für sich und stellen ein solches Wirtschaftskonzept grundsätzlich in Frage. Ihrer Ansicht nach ist unklar, was sich eigentlich hinter einem solchen grünen Wirtschaftskonzept verbirgt und wer letztlich davon profitiert. Diese Länder sehen darin die Gefahr eines neuen „Protektionismus“, da die reicheren Länder mit dem „Nachhaltigkeitsargument“ ihre Märkte etwa durch höhere Umweltstandards zum Nachteil von ärmeren Ländern abschotten könnten. Befürworter des Konzeptes erwarten dadurch jedoch gerade in den Entwicklungsländern mehr Wachstum und Beschäftigung.

Wie dringend jedoch die ganze Diskussion um Nachhaltigkeit ist, zeigt der Status quo: Umweltzerstörung, Armut, Hunger und Menschenrechtsverletzungen sind in vielen Ländern noch immer trauriger Alltag. Dagegen wirkt Deutschland wie eine Insel der Glückseligen: Die Bundesrepublik hat eine nationale Nachhaltigkeitsstrategie sowie einen Nachhaltigkeitsrat – und auch in den Köpfen der Wirtschaft hat sich das Thema festgesetzt (Grafik):

Nachhaltigkeit ist laut dem aktuellen Umweltexpertenpanel des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln in vier von fünf Unternehmen ein fester Bestandteil des Leitbilds.

60 Prozent der Firmen haben konkrete Nachhaltigkeitsziele, mehr als die Hälfte kontrolliert regelmäßig deren Umsetzung. Doch nicht nur das Gewissen treibt die Unternehmen an, sondern natürlich auch ökonomisches Kalkül: Nachhaltigkeit hilft sparen, meinen die meisten, etwa, wenn durch umsichtiges Wirtschaften Energie und Material effizienter eingesetzt werden. Nicht zuletzt setzen die Betriebe auch auf eine bessere Bewertung durch Finanzinvestoren und Medien.

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