Hessen Lesezeit 2 Min. Lesezeit 1 Min.

Finanzkrise wirkt noch nach

Am 22. September treffen die Wähler in Hessen gleich zwei Entscheidungen – sie beteiligen sich nicht nur an der Bundestagswahl, sondern wählen gleichzeitig auch einen neuen Landtag. Wirtschaftlich steht das Land gut da – obwohl noch nicht alle Nachwehen der Finanzkrise überwunden sind.

Kernaussagen in Kürze:
  • Wirtschaftlich steht Hessen gut da – obwohl noch nicht alle Nachwehen der Finanzkrise überwunden sind.
  • In Hessen nahm die Zahl der Erwerbstätigen um 3,4 Prozent zu; die Arbeitslosenquote betrug im August 2013 nur 5,9 Prozent – damit steht das Land überdurchschnittlich gut da.
  • Die Finanzinstitute in Frankfurt bieten heute immer noch nahezu 75.000 Menschen einen Arbeitsplatz.
Zur detaillierten Fassung

Würde die Wählerentscheidung allein vom Wohlstandsniveau abhängen, hätte die amtierende schwarz-gelbe Landesregierung unter Ministerpräsident Volker Bouffier den Sieg wohl schon in der Tasche. Denn mit einem Bruttoinlandsprodukt von fast 37.700 Euro je Einwohner konnte Hessen im vergangenen Jahr die höchste Wirtschaftskraft aller Flächenländer vorweisen (Grafik). Auch der Arbeitsmarkt präsentiert sich in blendender Verfassung:

Von 2008 bis 2012 legte die Zahl der Erwerbstätigen um 3,4 Prozent zu; die Arbeitslosenquote betrug im August 2013 nur 5,9 Prozent – damit steht Hessen bei beiden Kennziffern im deutschlandweiten Vergleich überdurchschnittlich gut da.

Allerdings hat die Wirtschafts- und Finanzkrise von 2008 und 2009 die Konjunktur erlahmen lassen – in realer Rechnung ist die Wirtschaftsleistung daher im Schnitt der vergangenen vier Jahre leicht geschrumpft.

Beides – das hohe Wohlstandsniveau und die jüngste Wachstumsschwäche – ist nicht zuletzt auf die spezielle hessische Wirtschaftsstruktur zurückzuführen. Das Land ist besonders stark vom Dienstleis­tungssektor geprägt, und hier wiederum dominiert der Finanzplatz Frankfurt. Die Main-Metropole ist nicht nur Sitz der Deutschen Bundesbank und der Europäischen Zentralbank, sondern beheimatet auch mehr als 260 in- und ausländische Banken. Gut 90 Prozent des gesamten deutschen Börsenumsatzes werden in Frankfurt erwirtschaftet.

Doch wie im Guten, so im Schlechten: Frankfurt hat die Finanzkrise besonders deutlich zu spüren bekommen – viele Banken mussten umstrukturieren und Personal abbauen. Trotzdem:

Die Finanzinstitute in Frankfurt bieten heute immer noch nahezu 75.000 Menschen einen Arbeitsplatz.

Eine weitere Säule der Wirtschaft im Rhein-Main-Gebiet ist der Flughafen Frankfurt mit ebenfalls rund 75.000 Beschäftigten in 500 Firmen. Der Airport ist mit rund 58 Millionen Passagieren und gut 2 Millionen Tonnen Fracht im Jahr 2012 mit Abstand die Nummer eins in Deutschland. Um ihn herum haben sich zudem viele Logistikdienstleis­ter mit insgesamt fast 150.000 Beschäftigten angesiedelt.

Von der Attraktivität des Flughafens dürfte auch die Messe Frankfurt profitieren. Sie bietet nach Hannover die weltweit zweitgrößte Ausstellungsfläche, und ihre Betreibergesellschaft erzielte 2012 einen Rekordumsatz von 538 Millionen Euro.

Zur hessischen Wirtschaft gehört aber auch die Industrie – vor allem in und um Kassel. Die dort ansässigen Unternehmen entwickelten sich in den vergangenen Jahren sehr dynamisch, was sich nicht zuletzt in den Top-Platzierungen Kassels im Großstadtranking der IW Consult niedergeschlagen hat. Die Region hat in hohem Maße vom überdurchschnittlichen Wachstum im Fahrzeugbau und im Bereich der erneuerbaren Energien profitiert – schließlich sind mit VW, Daimler und Bombardier große Auto- und Lokomotivhersteller sowie deren Zulieferer stark in Kassel vertreten.

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesene

Mehr auf iwkoeln.de