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Fachkräfte hören die Signale

Die Deutsche Welle trägt regelmäßig die Botschaft in die Welt, dass hierzulande in einigen Bereichen händeringend Fachkräfte gesucht werden. Draußen hört man offenbar die Signale – denn zuletzt sind viele Zuwanderer mit einem Abschluss in Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik oder Medizin nach Deutschland gekommen.

Kernaussagen in Kürze:
  • Die Deutsche Welle trägt regelmäßig die Botschaft in die Welt, dass hierzulande in einigen Bereichen händeringend Fachkräfte gesucht werden.
  • Die Menschen, die ihr Glück in Deutschland suchen, sind oft jung und gut gebildet.
  • Insgesamt sind zwischen 1999 und 2009 rund 185.000 MINT-Akademiker und 42.000 Mediziner im Alter von 25 bis 64 Jahren nach Deutschland gekommen und hier geblieben.
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Welchen Beitrag leistet Zuwanderung heute zur Fachkräftesicherung? Um diese Frage zu beantworten, muss man sich auf die Arbeitskräfte konzentrieren, die im vergangenen Jahrzehnt nach Deutschland gekommen und geblieben sind. Das sind rund 2,8 Millionen Menschen.

Die überwiegende Mehrheit dieser Zuwanderer hört auf europäische Namen wie Giulia, Francesco, Lucia oder Louis. Allein ein Drittel der Zuwanderer kam in den vergangenen zehn Jahren aus den EU-Staaten oder einem der weiteren Länder, mit denen die EU ein Freizügigkeitsabkommen geschlossen hat – Island, Liechtenstein, Norwegen oder der Schweiz.

Ein weiteres Drittel trägt Namen wie Anastasija oder Dimitrj, denn sie sind in den Staaten der ehemaligen Sowjetunion geboren. Das bedeutendste Herkunftsland ist Russland, wo allein 14 Prozent der in Deutschland lebenden Zuwanderer ihre Wurzeln haben. Bei vielen dieser Personen dürfte es sich um Spätaussiedler handeln – allerdings kommen immer weniger. Im Jahr 2010 waren es nur noch 2.350 Personen.

Die Menschen, die ihr Glück in Deutschland suchen, sind oft jung und gut ausgebildet:

  • Alter.

    Über ein Drittel der Neuzuwanderer ist zwischen 25 und 35 Jahre alt, hat also in der Regel die Ausbildung abgeschlossen und den größten Teil des Erwerbslebens noch vor sich. Zum Vergleich: Insgesamt gehören in Deutschland nur 12 Prozent der Bevölkerung zur Gruppe dieser Youngster.
  • Qualifikation.

    Mehr als jeder vierte Zuwanderer ist Hochschulabsolvent. Im Durchschnitt haben hierzulande nur 18 Prozent der Bevölkerung einen Bachelor, einen Master oder ein Diplom.

Besonders qualifiziert sind Zuwanderer aus Westeuropa: Fast die Hälfte hat einen Hochschulabschluss – häufig in Fächern, bei denen hierzulande Engpässe bestehen. Mehr als jeder siebte Zuwanderer aus Westeuropa hat einen Abschluss in Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften oder Technik (MINT) und fast jeder zwanzigste einen in Medizin (Grafik).

Insgesamt sind zwischen 1999 und 2009 rund 185.000 MINT-Akademiker und 42.000 Mediziner im Alter von 25 bis 64 Jahren nach Deutschland gekommen und hier geblieben.

Nun ist es eine Sache, einen Abschluss in einem Mangelfach zu haben – eine andere, tatsächlich im entsprechenden Bereich einen Job zu finden. Auch hier sieht es für diese ausländischen Arbeitskräfte sehr gut aus. Denn insgesamt arbeiteten in der Bundesrepublik zuletzt rund 132.000 in den vergangenen zehn Jahren zugewanderte MINT-Akademiker und 29.000 Mediziner.

Auf welch günstige Arbeitsmarktbedingungen die Zuwanderer hierzulande inzwischen stoßen, lässt sich auch daran festmachen, dass viele Ausländer auf der Karriereleiter weit nach oben geklettert sind. So waren im Jahr 2000 erst 12 Prozent der nach 1989 zugewanderten Erwerbstätigen als hochspezialisierte Fach- oder Führungskräfte tätig – hatten also zum Beispiel einen Posten als Geschäftsleiter, wissenschaftliche Lehrkraft, Jurist oder Arzt.

Im Jahr 2005 lag dieser Anteil bei 16 Prozent, und bis 2009 stieg er sogar auf 21 Prozent – trotz Wirtschaftskrise. Damit ist der Anteil der Zugewanderten, die eine hochspezialisierte Fach- und Führungsfunktionen haben, genauso groß wie in der sonstigen Bevölkerung.

Zuwanderer leisten also einen bedeutenden Beitrag zur Wertschöpfung in Deutschland. Dieser ist gerade bei den MINT-Akademikern und Ärzten enorm. Eine Beispielrechnung für die Fach- oder Führungskräfte der Einwandererjahrgänge 1999 bis 2009 in den Berufsfeldern MINT und Medizin kommt für das Jahr 2009 zu folgenden Ergebnissen (Grafik):

  • MINT-Kräfte.

    Im Durchschnitt erwirtschaftet jeder MINT-Akademiker mit hochspezialisierten Fach- und Führungsaufgaben hierzulande 119.000 Euro im Jahr. Zuletzt waren 88.400 Zuwanderer der genannten Jahrgänge entsprechend beschäftigt. Multipliziert man beide Zahlen miteinander, so ergibt sich ein Gesamtwertschöpfungsbeitrag von mehr als 10 Milliarden Euro.
  • Mediziner.

    Im Schnitt erwirtschaftet ein Mediziner in Deutschland jährlich 115.000 Euro. Multipliziert mit den 22.000 beschäftigten Zuwanderern ergibt das 2,5 Milliarden Euro.

Allein diese beiden Gruppen haben also eine Wertschöpfung von gut 13 Milliarden Euro erbracht. Die gesamte Wertschöpfung der 1,3 Millionen erwerbstätigen Zuwanderer, die seit 1999 nach Deutschland kamen, dürfte um ein Vielfaches höher sein. Eine Stärkung der Willkommenskultur in Deutschland und die neuen Zuwanderungsregeln (vgl. iwd 3/2012) könnten langfristig den Zuzug verstärken und auf diese Weise noch besser zur Fachkräftesicherung beitragen.

Wido GeisDer Beitrag der Zuwanderung zur FachkräftesicherungIW-Trends Nr. 2/2012

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