Kommentar zu Olympia 01.08.2016 Lesezeit 1 Min. Lesezeit 1 Min.

Europa? Europa!

Seit Jahren kriselt es auf dem alten Kontinent und der Wirtschaftsraum verliert international an Gewicht – kein Wunder, dass es so etwas wie europäisches Selbstvertrauen kaum gibt. Zumindest einen Grund, stolz zu sein, hätten die Europäer ja, sagt Axel Plünnecke, Leiter des Kompetenzfelds Bildung, Zuwanderung und Innovation beim IW Köln. Dazu müssten sie sich aber auch als Europäer verstehen – und es sportlich nehmen.

Kernaussagen in Kürze:
  • Europa scheint in einer Dauerkrise gefangen, so etwas wie europäisches Selbstvertrauen gibt es kaum.
  • Wie stark die EU sein könnte, zeigt der Sport.
  • Würden alle EU-Staaten gemeinsam antreten, ließe die Union die Sportgroßmächte USA, China und Russland locker im olympischen Medaillenspiegel hinter sich.
Zur detaillierten Fassung

Finanzkrise, Schuldenkrise, Eurokrise, Flüchtlingskrise – für viele Europäer gibt es derzeit weniger Anlass als je zuvor, die nationale Brille abzusetzen und aus dem Gemeinsamen Markt sowie der Wirtschafts- und Währungsunion eine politische Union zu machen, also zu einem großen Ganzen zusammenzuwachsen. Im Gegenteil: Die Briten wollen die EU verlassen, in anderen Mitgliedsländern spielen Rechtspopulisten mit ähnlichen Gedanken und einige Staaten haben sogar schon wieder Zäune aufgestellt und ihre Grenzen dichtgemacht. Die Welt globalisiert, Europa macht sich klein und kleiner.

Kein Mumm für den großen Sprung, keine Vision, keine Aufbruchstimmung, keine gemeinsame Identität.

Oder doch?

Man stelle sich einmal vor, bei den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro treten nicht Deutschland, Frankreich, Polen, Luxemburg und all die anderen EU-Mitglieder mit ihren jeweiligen Teams an, sondern die EU als Ganzes. Wer dann im Medaillenspiegel ganz oben steht, ist keine Frage: Europa natürlich! Der Seriensieger USA kann genauso einpacken wie die Sportgroßmächte China und Russland – gegen Europa haben sie nicht den Hauch einer Chance.

Bei den Olympischen Spielen 2012 in London belegte die EU 92 erste Plätze und damit mehr als die USA und China zusammen.

Schon im Jahr 2000 in Sydney haben die Europäer rund doppelt so viele Goldmedaillen geholt wie die USA – und damals bestand die EU nur aus 15 Mitgliedern. Bei den Olympischen Spielen 2012 in London belegte die inzwischen aus 27 Mitgliedern bestehende EU 92 erste Plätze und damit mehr als die USA und China zusammen – obwohl diese beiden Nationen mit ihren insgesamt 1,6 Milliarden Einwohnern gut dreimal so groß sind wie Europa.

Und by the way: Auch ohne die britischen Goldmedaillen hätte es für die EU in London locker zu Platz eins gereicht.

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesene

Mehr auf iwkoeln.de