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EU-Nachwuchs mit großen Problemen

Am 1. Juli tritt Kroatien als 28. Land der Europäischen Union bei. Die Freude der Kroaten über die Mitgliedschaft dürfte die großen wirtschaftlichen Schwierigkeiten allerdings nur kurzzeitig überdecken.

Kernaussagen in Kürze:
  • Für das laufende Jahr rechnet die EU-Kommission mit einem erneuten Rückgang des kroatischen BIP um real 1 Prozent.
  • Drei Viertel der in Kroatien tätigen ausländischen Firmen sind mit der öffentlichen Verwaltung unzufrieden; zwei Drittel halten die Wirtschaftspolitik für kaum berechenbar.
  • Allein im Jahr 2012 reisten rund 10 Millionen ausländische Gäste an die kroatischen Strände und in die Städte – 4,5 Prozent mehr als 2011.
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Seit 2009 steckt Kroatien in einer Rezession – bis zum vergangenen Jahr schrumpfte das Bruttoinlandsprodukt (BIP) preisbereinigt um fast 11 Prozent. Selbst wenn man Kaufkraftunterschiede berücksichtigt, betrug die Wirtschaftsleistung je Einwohner im Jahr 2012 nur noch 58 Prozent des EU-Durchschnitts (Grafik). Eine rasche Besserung ist nicht zu erwarten:

Für das laufende Jahr rechnet die EU-Kommission mit einem erneuten Rückgang des kroatischen BIP um real 1 Prozent. Erst 2014 könnte es wieder ganz leicht bergauf gehen.

Die Wirtschaftskrise hat auch die Zahl der Arbeitslosen seit 2008 von 149.000 auf 272.000 steigen lassen – die Arbeitslosenquote erreichte 2012 fast 16 Prozent. Ebenso dramatisch ist die Lage der öffentlichen Finanzen – gemessen am BIP hat sich die Staatsverschuldung seit 2008 nahezu verdoppelt.

Nach Ansicht von Wirtschaftsexperten – etwa vom Internationalen Währungsfonds – sind diese Probleme zum großen Teil hausgemacht. So kommen Strukturreformen nur langsam voran, zum Beispiel werden staatliche Unternehmen nach wie vor zu zögerlich privatisiert. Zudem ist das Sozialsystem ineffizient: Im Gesundheitswesen gäbe es viel Rationalisierungsspielraum, und im Rentensystem ließe sich durch die Einschränkung der Frühverrentung viel Geld sparen.

Auch die Bedingungen für Unternehmen sind nicht optimal, so trüben übermäßige Regulierungen, langwierige Genehmigungsverfahren und ein unsicherer rechtlicher Rahmen das Investitionsklima. Dies schlägt sich in der jüngsten Konjunkturumfrage der deutschen Außenhandelskammern nieder:

Drei Viertel der in Kroatien tätigen ausländischen Firmen sind mit der öffentlichen Verwaltung unzufrieden; zwei Drittel halten die Wirtschaftspolitik für kaum berechenbar.

Dagegen werden Qualifikation und Produktivität der Arbeitnehmer mehrheitlich positiv beurteilt.

Dass die Leistungsbilanz im vergangenen Jahr trotz der unbefriedigenden Standortbedingungen für Unternehmen fast ausgeglichen war, ist den Einnahmen aus dem Tourismus in Höhe von 6,1 Milliarden Euro zu verdanken.

Allein im Jahr 2012 reisten rund 10 Millionen ausländische Gäste an die kroatischen Strände und in die Städte – 4,5 Prozent mehr als 2011.

Im Warenhandel verbuchte Kroatien hingegen zuletzt ein Minus von rund 6 Milliarden Euro. Die Ausfuhren konzentrieren sich bislang stark auf eher grundlegende Güter wie chemische Erzeugnisse (etwa 17 Prozent), Erdölprodukte (17 Prozent) und Nahrungsmittel (10 Prozent). Insgesamt verkaufte Kroatien zuletzt 58 Prozent seiner Exportgüter an EU-Staaten – wobei Italien mit 15 Prozent und Deutschland mit 10 Prozent der gesamten Ausfuhren die wichtigsten Kunden waren.

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