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Es war nicht alles schlecht

Ostdeutsche Marken, die 25 Jahre nach dem Mauerfall in ganz Deutschland erfolgreich sind.

Kernaussagen in Kürze:
  • Viele ostdeutsche Marken sind 25 Jahre nach dem Mauerfall in ganz Deutschland erfolgreich.
  • Die Sektkellerei Rotkäppchen zum Beispiel gilt als Vorzeigeunternehmen für einen gelungenen Übergang in die Marktwirtschaft.
  • Das im Osten noch immer beliebte Waschmittel Spee ist heute ein Westprodukt.
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Rotkäppchen – Fast 1 Milliarde Euro Umsatz

Die Sektkellerei Rotkäppchen aus dem sachsen-anhaltinischen Freyburg gilt als Vorzeigeunternehmen für einen gelungenen Übergang in die Marktwirtschaft: Durch Management-Buyout 1993 von der Treuhandanstalt übernommen, wurde die 1856 gegründete Kellerei als Ostbetrieb ohne Konzerneinbindung weitergeführt und umfangreich modernisiert. Heute ist Rotkäppchen mit einem Marktanteil von einem Drittel der mit Abstand größte Sektproduzent Deutschlands und zusammen mit der 2002 übernommenen Westtochter Mumm auch im Westen Marktführer. 2014 wurden fast 250 Millionen Flaschen abgesetzt, der Umsatz lag bei knapp 900 Millionen Euro.Vor 25 Jahren konnten ganze sieben Millionen Flaschen verkauft werden.

Rondo – 40 Mark für ein Pfund Kaffee

Die Magdeburger Röstfein Kaffee GmbH gehört zu Zentralkonsum, einer ostdeutschen Genossenschaft. Sie stellt seit 1997 wieder den karamellisierten Rondo Melange-Kaffee her, der in der DDR als Luxusgut für 40 Mark pro Pfund verkauft wurde. Trotz des hohen Preises – ein DDR-Arbeiter musste dafür etwa einen Tag arbeiten – war Kaffee Mangelware, sodass man über Einsparmöglichkeiten nachdachte. Neben der Karamellisierung wurde ein neues Röstverfahren mit Heißdampf entwickelt, das den Verlust an Volumen bei der üblichen Trommelröstung verhindert. Das Wirbelschichtverfahren wurde nach der Wende weiterentwickelt und macht die Rösterei auch als Zulieferer für andere Kaffeemarken interessant.

Fit – 40 Prozent Marktanteil im Osten

Zu DDR-Zeiten stellten 450 Beschäftigte im ostsächsischen Hirschfelde das damals noch gelbe Spülmittel her, der Marktanteil lag bei 90 Prozent. Mit der Wende verschwand das Ostprodukt aus den Supermarktregalen, die nun Westmarken listeten. 1993 gelang die Privatisierung an einen westdeutschen Chemiemanager. Das Produktsortiment wurde auf andere Reinigungsmittel erweitert und Stück für Stück konnte der ostdeutsche Markt zurückerobert werden. In Westsupermärkten tauchte Fit aber erst nach dem Jahr 2000 verstärkt auf. Heute ist das grüne Spülmittel mit einem Anteil von 40 Prozent Marktführer im Osten und nähert sich im ungleich größeren Westmarkt der 10-Prozent-Marke. Am Stammsitz Hirschfelde werden circa 170 Mitarbeiter beschäftigt. Inzwischen zählen auch Marken wie Rei oder Sunil zu Fit.

Halloren – 600 Mitarbeiter

In der DDR waren die Kugeln mit Sahne-Kakao-Füllung das Gegenstück zur „westlichen“ Mozartkugel und wurden in Halle in einem Werk produziert, das auf das Jahr 1804 zurückging. 1992 wurde der Betrieb von der Treuhandanstalt an eine Beteiligungsgesellschaft aus Hannover privatisiert. Ein Wirtschaftsprüfer führte die Geschäfte dann nicht nur mit spitzem Stift, sondern auch mit viel Geschick. Die Produktion wurde modernisiert und das Sortiment ausgebaut; 2007 erfolgte der Börsengang. Neue Angebote sowie Übernahmen im In- und Ausland, etwa der belgischen Pralinenfabrik Bouchard 2013, haben den Umsatz inzwischen auf 122 Millionen Euro und die Beschäftigtenzahl auf gut 600 steigen lassen.

Vita Cola – Platz 1 in Thüringen, Platz 2 im Osten

Die 1956 eingeführte Brause verschwand mit der Wende zunächst vom Markt. Nachdem der erste Ansturm auf Westprodukte nachgelassen hatte, wurde die Ost-Cola ab 1994 von der Thüringer Waldquell Mineralbrunnen GmbH in Schmalkalden, die zur hessischen Hassia-Gruppe gehört, wieder abgefüllt. Marktführer ist Vita Cola zwar nur in Thüringen, in Ostdeutschland insgesamt aber rangiert sie auf Platz zwei. Im Westen wird die Cola aus dem Osten aber bis heute kaum geführt.

Multicar – 170 Mitarbeiter

Im Automobilbereich war der Start für den Osten in Anbetracht der technologischen Rückständigkeit von Trabant, Wartburg und Robur (Lkw) besonders schwer. Die Produktionsstandorte Zwickau, Eisenach und Ludwigsfelde wurden von Westkonzernen weitergeführt. Doch ein Nischenprodukt hat den Sprung ins 21. Jahrhundert geschafft und wird heute weltweit verkauft: Der Multicar aus dem thüringischen Waltershausen ist als kompakter Geräteträger und Transporter vom Straßenreinigungs- bis zum Feuerlöschfahrzeug überall dort im Einsatz, wo es auf Leistungsstärke und Vielseitigkeit ankommt. Seit 1998 gehört Multicar zur Hako-Gruppe aus Bad Oldesloe, die 2007 von der Possehl Holding, einer Lübecker Stiftungsgesellschaft, übernommen wurde.

Spee – Seit 2007 ein Westprodukt

Das DDR-Waschmittel Spee wurde im Werk Genthin in Sachsen-Anhalt ab 1966 hergestellt. Nach der Wende übernahm der frühere Eigentümer Henkel die Produktionsstätte wieder, er konzentriert die Herstellung von Waschpulver aber seit 2007 am Stammsitz in Düsseldorf und verkaufte das ostdeutsche Werk im Jahr 2009. Das im Osten noch immer beliebte Waschmittel mit dem schlauen Fuchs ist heute ein Westprodukt.

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