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Es stockt

Vor mehr als 15 Jahren hat die Bundesregierung entschieden, die Stromversorgung in Deutschland bis 2050 beinahe vollständig auf erneuerbare Energien umzustellen. Das IW Köln hat überprüft, ob die Energiewende noch im Zeitplan liegt – und kommt zu teils ernüchternden Ergebnissen.

Kernaussagen in Kürze:
  • Deutschland verfehlt seine eigenen Ziele in Sachen Energiewende zum Teil deutlich.
  • Der Stromverbrauch ist seit dem Jahr 2000 sogar gestiegen.
  • Nur beim Ausbau der erneuerbaren Energien liegt die Bundesrepublik im Soll.
Zur detaillierten Fassung

Nur beim Ausbau der erneuerbaren Energien liegt die Bundes­republik im Soll, bei Wirtschaftlichkeit und Klimaschutz dagegen ist das Land weit von seinen selbst gesteckten Zielen – diese entsprechen 100 Punkten – entfernt (Grafik):

Mit 117 Punkten ist lediglich das Ziel für den Ausbau von erneuerbaren Energien übererfüllt. Der Stromverbrauch ist im Vergleich zum Jahr 2000 sogar gestiegen und wird aktuell mit minus 99 Punkten bewertet.

Auf 35 Prozent will die Bundesregierung den Anteil der erneuerbaren Energien am Stromverbrauch bis zum Jahr 2020 steigern, für 2015 wäre dazu ein Zwischenergebnis von knapp 28 Prozent nötig gewesen. Tatsächlich lag der Wert aber bereits bei fast 33 Prozent. Dies ist allerdings nicht nur positiv zu bewerten, denn der Ausbau von Solar- und Windanlagen ist mit hohen Förderkosten verbunden.

Die Wirtschaftlichkeit der Energiewende erreicht deshalb nur noch 25 Punkte. Ursprünglich hatte die Regierung 2011 versprochen, die EEG-Umlage bei etwa 3,5 Cent zu belassen, im vergangenen Jahr lag sie allerdings schon bei 6,17 Cent.

Noch viel zu tun gibt es auch in Sachen Klimaschutz: Bis 2020 sollen die Treibhausgasemissionen im Vergleich zu 1990 um 40 Prozent sinken. Demnach hätte der CO2-Ausstoß bei der Stromerzeugung von 2000 bis 2014 um gut 24 Prozent reduziert werden müssen. Bisher konnte die Branche den Ausstoß aber nur um knapp 6 Prozent senken.

Auch beim Ausbau der Netze und der Infrastruktur sowie bei der Ener­gieeffizienz ist Deutschland weiterhin von den selbst gesteckten Zielen entfernt. Zudem hat sich die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft aufgrund der gestiegenen Stromkosten seit dem Jahr 2000 spürbar verschlechtert: Zahlte ein mittleres Industrieunternehmen im Jahr 2000 je Kilowattstunde 0,3 Cent mehr für Strom als die europäische Konkurrenz im Durchschnitt, waren es zuletzt 4,6 Cent.

Die Lücke zwischen Wunsch und Wirklichkeit ist vor allem beim Stromverbrauch groß. Den Plänen der Bundesregierung zufolge soll der Stromkonsum bis 2020 gegenüber dem Jahr 2000 um 4 Prozent sinken. Bis heute wäre dafür ein Rückgang um 3 Prozent erforderlich gewesen. Stattdessen ist der Verbrauch jedoch um 3 Prozent gestiegen.

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