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Es ist, wie es ist

Männer und Frauen unterscheiden sich mitunter deutlich in ihrer Berufswahl. Dieses Phänomen der beruflichen Trennung – im Fachjargon Se­gregation genannt – ist eine mögliche Ursache dafür, dass Frauen im Durchschnitt weniger verdienen als Männer.

Kernaussagen in Kürze:
  • Männer und Frauen unterscheiden sich oft deutlich in ihrer Berufswahl.
  • Die unterschiedliche Berufswahl ist eine Ursache dafür, dass Frauen im Durchschnitt weniger verdienen als Männer.
  • Frauen wählen vor allem solche Berufe, mit denen sich z.B. Familie und Arbeitsleben gut vereinbaren lassen.
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Gleichstellungsthemen haben in der Politik neben Griechenland und Zuwanderung derzeit Hochkonjunktur. So soll nach dem Willen der Bundesregierung auf die Geschlechterquote nun ein Entgeltgleichheitsgesetz folgen. Demnach hätten größere Unternehmen unter anderem umfangreiche Berichtspflichten zu erfüllen.

In der Diskussion um die Ursachen der Entgeltunterschiede zwischen Frauen und Männern steht nicht zuletzt immer wieder die berufliche Segregation im Mittelpunkt – also die Frage, inwiefern sich Frauen und Männer schwerpunktmäßig für bestimmte Berufe entscheiden.

Die Berufswahl hat zweifelsohne einen entscheidenden Einfluss auf die Verdienst- und Karrierechancen. Laut Bundesagentur für Arbeit hatte zum Beispiel ein Vollzeitbeschäftigter in der Gruppe der Maschinen- und Fahrzeugtechnikberufe 2013 ein mittleres Monatsgehalt von knapp 3.300 Euro brutto. Eine Vollzeitkraft in der Berufsgruppe der Erzieher und Sozialarbeiter bekam dagegen nur knapp 2.900 Euro brutto. Während in der ersten Gruppe der Frauenanteil zuletzt rund ein Zehntel betrug, lag er in der zweiten Gruppe bei 85 Prozent.

Über die Gründe für die unterschiedliche Berufswahl lässt sich oft nur spekulieren. So wird von der einen Seite vermutet, dass Frauen und Männer vorwiegend deshalb unterschiedliche Berufe ergreifen, weil sie aufgrund gesellschaftlicher Rollenvorstellungen nur bestimmte Jobs für sich selbst als wählbar einschätzen und deshalb andere Möglichkeiten gar nicht erst in Betracht ziehen.

Andererseits ist zu hören, dass Frauen vor allem solche Berufe wählen, mit denen sich zum Beispiel Familie und Arbeitsleben gut vereinbaren lassen.

Und last, not least dürften viele Entscheidungen zur Berufswahl auch „aus dem Bauch heraus“ getroffen werden, ohne sich zuvor genau über mögliche Alternativen sowie Einkommens- und Karriereperspektiven informiert zu haben.

Fest steht indes, dass nicht nur in Deutschland Frauen und Männer bestimmte Berufe und Branchen bevorzugen. Einem von der EU-Kommission veröffentlichten Segregationsindex zufolge unterscheiden sich die Ergebnisse in den EU-28-Staaten kaum voneinander (Grafik):

Um eine gleichmäßige Verteilung von Frauen und Männern über alle Berufe beziehungsweise Berufsgruppen zu erreichen, müsste in Deutschland und in den meisten anderen EU-Staaten rund jeder vierte Beschäftigte seinen Beruf oder die Berufsgruppe wechseln.

Bezogen auf die Branchen liegt dieser Anteil bei knapp 20 Prozent. Zudem fällt auf, dass sich an diesen Relationen im vergangenen Jahrzehnt wenig verändert hat – trotz der vielen Bemühungen, Frauen für Männerberufe und Männer für Frauenberufe zu begeistern. Insofern ist die berufliche Segregation allem Anschein nach ein internationales Phänomen, das sich über die Zeit als relativ stabil erweist. Dies gilt in ähnlicher Weise auch für die Segregation nach Branchen, die seit dem Jahr 2003 sogar leicht zugenommen hat.

In Deutschland zeigt sich die berufliche Rollenverteilung laut Bundesinstitut für Berufsbildung besonders deutlich bei den Auszubildenden (Grafik):

In Westdeutschland waren im Jahr 2013 rund 36 Prozent aller weiblichen Auszubildenden in einem Beruf tätig, in dem mindestens 80 Prozent der Auszubildenden weiblich waren.

Auch wenn dieser Anteil von 1995 bis 2013 um 8 Prozentpunkte gesunken ist, ändert dies am generellen Befund wenig, denn parallel ist der Frauenanteil in jenen Ausbildungsberufen, in denen 60 bis 80 Prozent der Auszubildenden weiblich sind, um 4,4 Prozentpunkte gestiegen. Eine ähnliche Entwicklung ist auch in Ostdeutschland auszumachen. Letztlich deuten die Zahlen darauf hin, dass sich in puncto Berufswahl wenig geändert hat.

Unabhängig davon, welche Faktoren in welcher Form die Berufswahl beeinflussen, sollte es zumindest das Ziel sein, Frauen wie Männer vor dem Start ins Berufsleben darüber zu informieren, was sie an Verdiensten und Karrierechancen zu erwarten haben.

Die Metall- und Elektro-Industrie (M+E-Industrie) setzt deshalb schon seit Jahren InfoMobile ein, um Schülerinnen und Schüler sowie Lehrer über die Ausbildungsmöglichkeiten und die Arbeitswelt der M+E-Industrie zu informieren. Die neuen InfoTrucks, die seit 2014 unterwegs sind, entwickeln dieses Konzept weiter (vgl. iwd 46/2014).

Und vielleicht bleibt ja doch nicht alles, wie es ist. Im akademischen Bereich stoßen Frauen Zug um Zug in gut bezahlte Jobs vor – einige Berufe werden sogar ausgesprochen weiblich. So waren dem Statistischen Bundesamt zufolge im Wintersemester 2013/14 bereits 65 Prozent der Studienanfänger im Fach Zahnmedizin Frauen, in Jura lag der Anteil der Studienanfängerinnen immerhin bei 57 Prozent.

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