Schuldenkrise Lesezeit 2 Min. Lesezeit 1 Min.

Erträgliche Zinslast

Derzeit wird immer lauter gefordert, der Euro-Rettungsschirm solle italienische und spanische Staatsanleihen aufkaufen und so die Zinsen drücken. Doch diese sind niedriger, als es die mediale Aufregung vermuten lässt.

Kernaussagen in Kürze:
  • Derzeit wird immer lauter gefordert, der Euro-Rettungsschirm solle italienische und spanische Staatsanleihen aufkaufen und so die Zinsen drücken.
  • Erst wenn die Zinsen deutlich über 8 Prozent hinausgehen und weiter steigen, sollte der Rettungsschirm eingreifen und eine drohende Zinsspirale verhindern
  • Spaniens Staatsverschuldung lag 2011 bei 68 Prozent des BIP und damit deutlich unter der deutschen Quote von 81 Prozent.
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Bad news is good news – diese Regel gilt heute, da eine immer größere Zahl von Medien um die Gunst der Leser, Zuschauer und Hörer buhlt, mehr denn je. Doch manchmal genügt ein nüchterner Blick zurück, und alle Aufgeregtheiten lösen sich auf. Das gilt auch und gerade für so manches Krisenszenario in Sachen spanische und italienische Staatsverschuldung.

  • Zinsen für Staatsanleihen.

    Im längerfristigen Vergleich ist die Zinsbelastung in Italien und Spanien immer noch relativ niedrig. Für alle Staatsanleihen – alte wie neue – müssen beide Länder durchschnittlich rund 4,5 Prozent zahlen, 1995 waren es etwa 10 Prozent (Grafik).
  • Zinsquote.

    Italien muss derzeit zwar 5,3 Prozent seiner Wirtschaftsleistung für Zinszahlungen abzweigen, im Jahr 1995 war die Zinsquote aber mit 11,5 Prozent mehr als doppelt so hoch. Spanien muss nach einer Schätzung der EU-Kommission aktuell nur 3,2 Prozent seiner Wirtschaftsleistung für Zinsen aufwenden, 1995 waren es 5,1 Prozent.

Die spanische Zinsquote liegt mit derzeit 3,2 Prozent nicht allzu weit über der deutschen (2,5 Prozent) und nahezu gleichauf mit der britischen (3,4 Prozent).

  • Staatsschulden.

    Seit Mitte der 1990er Jahre hat sich nicht viel getan – die Italiener stehen nach wie vor mit rund 120 Prozent ihres Bruttoinlandsprodukts (BIP) in der Kreide, die Spanier kamen zuletzt auf Werte zwischen 60 und 70 Prozent. Der Unterschied besteht nur darin, dass früher niemand von der Gefahr eines Staatsbankrotts sprach.

Eines aber ist heute anders als zuvor: Italien und Spanien stecken in einer Rezession. Die Steuern fließen spärlicher und die Ausgaben – etwa für Arbeitslose – steigen. Deshalb dürften die Staatsschulden weiter wachsen, vor allem in Spanien. Dort ist das allerdings weniger kritisch als oftmals befürchtet.

Spaniens Staatsverschuldung lag 2011 bei 68 Prozent des BIP und damit deutlich unter der deutschen Quote von 81 Prozent.

  • Zinsen für neue Schulden.

    Bei der Emission neuer Staatsanleihen müssen Spanien und Italien derzeit Zinsen von 6 bis 7 Prozent bieten, um genügend Käufer zu finden.

Weil Italien bis Ende des Jahres 2014 aber nur ein Viertel seiner alten Staatsschulden durch neue ablösen muss, ist selbst der aktuelle Zins von 7 Prozent kein Drama. Da die Sätze für die übrigen Altschulden deutlich niedriger sind, steigt der Durchschnittszins bis zum übernächsten Jahr nur auf rund 5 Prozent.

Spanien muss bis Ende 2014 zwar nahezu 60 Prozent seiner Schulden refinanzieren. Doch auch bei einem Zins von 7 Prozent würde der Durchschnittszins bis Ende 2014 nur auf erträgliche rund 5,5 Prozent steigen.

Erst wenn die Zinsen deutlich über 8 Prozent hinausgehen und weiter steigen, sollte der Rettungsschirm eingreifen und eine drohende Zinsspirale verhindern – denn eine solche könnte zur Zahlungsunfähigkeit führen.

Handlungsbedarf besteht dann auch aus einem anderen Grund: Hohe Zinsen für den Staat treiben die Zinsen für die Privatwirtschaft ebenfalls nach oben. Dies erschwert Investitionen und behindert den Aufschwung.

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