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Ernst, aber nicht hoffnungslos

Die Schuldenkrise in den Euroländern ist zwar längst nicht überwunden, dennoch ist die Wahrscheinlichkeit gering, dass sich die Situation zuspitzt. Denn wie der neue IW-Krisenmonitor zeigt, sind bis auf Zypern alle Krisenländer auf dem richtigen Weg.

Kernaussagen in Kürze:
  • Die Krisenländer der Eurozone machen Fortschritte
  • In vielen Krisenländern verbessert sich die Wirtschaftskraft
  • Es sind aber weiter Reformanstrengungen nötig
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Viele Umfragen deuten darauf hin, dass das linksnationale und extrem eurokritische Parteienbündnis Syriza am kommenden Sonntag die Parlamentswahl in Griechenland gewinnt. Deshalb diskutiert Europa seit Wochen darüber, ob das Land dann noch seine Schulden zurückzahlt oder sogar die Eurozone verlässt – und rätselt, wie groß die Ansteckungsgefahr für andere Länder wäre. Letztlich geht es – nicht nur im Fall Griechenland – darum, wie groß die Wahrscheinlichkeit ist, dass eines der aktuellen Krisenländer oder auch ein anderes Euroland erneut finanzielle Hilfe braucht. Um dieses Risiko einzuschätzen, hat das 
​IW Köln einen Krisenmonitor entwickelt (Kasten). Das Ergebnis für Griechenland lässt hoffen (Grafik):

Seit dem Höhepunkt der Euro­krise im Jahr 2012 hat sich die wirtschaftliche Stärke Griechenlands deutlich verbessert – der Krisenindex ist fast um ein Drittel gesunken.

Was sich seit 2007 in Griechenland konkret getan hat, zeigen die vier Einzelindikatoren des Krisenmonitors (Grafik):

Die Arbeitslosenquote lag 2007 im Schnitt bei gut 8 Prozent und stieg im Laufe der Krise auf mehr als 28 Prozent. Seit 2013 ist der Anstieg gestoppt und die Lage auf dem griechischen Arbeitsmarkt wird langsam besser – die saisonbereinigte Arbeitslosenquote ist im Oktober 2014 auf knapp 26 Prozent gesunken. Zum Vergleich: In Deutschland lag die Quote bei rund 5 Prozent.

Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) je Einwohner betrug 2007 kaufkraftbereinigt knapp 19.000 Euro – das waren rund zwei Drittel des deutschen Niveaus. Seitdem hat Griechenland mehr als 25 Prozent seiner Wirtschaftsleistung eingebüßt und kommt 2013 nur noch auf knapp die Hälfte des deutschen Werts.

Die Staatsverschuldung je Einwohner betrug vor der Krise rund 21.500 Euro und stieg bis 2011 auf 32.000 Euro. Der Schuldenschnitt im Jahr 2012 verringerte die Last für jeden einzelnen Griechen zwar, doch im Folgejahr ist die Staatsverschuldung wieder angestiegen. Insgesamt steht Griechenland mit 175 Prozent seines BIP in der Kreide – Deutschland hat eine Quote von 77 Prozent.

Das Zinsniveau hat die größten Veränderungen durchgemacht. Musste der griechische Staat 2007 nur 4,5 Prozent Zinsen auf seine Anleihen zahlen, waren es auf dem Höhepunkt der Krise über 22 Prozent. Dank der Intervention der Euro­päischen Zentralbank ist die Zinsbelastung mittlerweile auf gut 8 Prozent gefallen – Deutschland zahlt allerdings nicht einmal 0,6 Prozent für seine Staatsanleihen.

Nicht nur die Griechen, auch die Portugiesen und die Iren haben große Fortschritte gemacht – in allen drei Ländern sind die Indexwerte des Krisenmonitors seit 2012 rückläufig. In Zypern dagegen verschlechtert sich die Lage von Quartal zu Quartal: Dort steht der Höhepunkt der Krise noch bevor.

Trotz aller Verbesserungen ist aber auch klar, dass sich diese Länder sowie Spanien weiterhin in einem kritischen Bereich bewegen – und der lässt sich im IW-Krisenmonitor ziemlich genau eingrenzen. Denn schaut man sich den Verlauf der Indexkurven genauer an, dann zeigt sich, dass alle Krisenländer genau dann zum ersten Mal auf finanzielle Hilfe angewiesen waren, als der Index einen Wert zwischen minus 0,1 und plus 0,1 Punkten erreichte. Mit anderen Worten, nähert sich der Index von unten der Nulllinie, ist dies ein Warnsignal.

An dieser Elle gemessen, sind nicht nur Griechenland, Irland, Portugal, Spanien und Zypern Krisenländer, auch Italien gehört dazu. Das Land hat den kritischen Bereich des Krisenmonitors schon im Jahr 2012 erreicht – aktuell steht der Index für Italien bei 0,05 Punkten.

Frankreich gehört mittlerweile ebenfalls zu den Sorgenkindern. Der Wert des IW-Krisenmonitors für die zweitgrößte Volkswirtschaft der Euro­zone hat sich seit 2008 – damals noch auf Augenhöhe mit Deutschland – kontinuierlich verschlechtert und steht derzeit bei minus 0,28 Punkten, also kurz vor dem Überschreiten des kritischen Werts.

Von diesem Szenario sind die anderen großen und wirtschaftlich starken Volkswirtschaften weit weg: Die Niederlande und Deutschland stehen bei jeweils rund minus 0,6 Punkten, Schweden sogar bei minus 0,9 Punkten.

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