EU-Osterweiterung Lesezeit 2 Min. Lesezeit 1 Min.

Erfreuliche Bilanz

Vor zehn Jahren, am 1. Mai 2004, traten gleich zehn Länder der Europäischen Union bei. Zwar konnten diese Staaten ihre Wirtschaftsleistung je Einwohner schon vorher schneller steigern als die 15 „alten“ EU-Länder. Doch seit dem Beitritt hat sich der Aufholprozess noch merklich beschleunigt.

Kernaussagen in Kürze:
  • Vor zehn Jahren, am 1. Mai 2004, traten gleich zehn Länder der Europäischen Union bei und konnten ihre Wirtschaftsleistung schneller steigern.
  • Das durchschnittliche Pro-Kopf-Einkommen der zehn neuen Mitgliedsländer erreichte im Beitrittsjahr 2004 nur 49 Prozent des EU-15-Niveaus – im Jahr 2012 waren es bereits 61 Prozent.
  • Um den wirtschaftlichen, sozialen und regionalen Zusammenhalt zu fördern, flossen 2012 per saldo noch fast 18 Milliarden Euro von den 15 alten in die zehn neuen Mitgliedsstaaten.
Zur detaillierten Fassung

Nie zuvor hatte die EU eine solche Erweiterung gestemmt – zehn Länder mit insgesamt rund 75 Millionen Einwohnern zogen 2004 ins gemeinschaftliche Haus ein. Diese Länder konnten nun auch am europäischen Binnenmarkt teilnehmen, also am freien Waren-, Dienstleis­tungs- und Kapitalverkehr – nur für den Personenverkehr galten zunächst Einschränkungen.

Da viele Handelshürden bereits im Zuge vorbereitender Abkommen auf den EU-Beitritt gefallen waren, haben sich die wirtschaftlichen Beziehungen der neuen Mitgliedsstaaten zur EU-15 schon seit Anfang der 1990er Jahre deutlich intensiviert. Zum Beispiel stieg in Tschechien der Anteil der Warenexporte in die EU-15 am Bruttoinlandsprodukt (BIP) von 16 Prozent im Jahr 1995 über 40 Prozent im Jahr 2004 auf fast 49 Prozent 2012.

Inzwischen verkauft die tschechische Wirtschaft fast 61 Prozent ihrer Handelsgüter an Kunden in der EU-15. Einen ähnlich hohen Wert erreicht Polen mit 59 Prozent, Ungarn kommt auf 53 Prozent.

Umgekehrt stammen beispielsweise 57 Prozent der polnischen Importe aus den EU-15-Ländern, Slowenien und Tschechien erreichen mit jeweils 56 Prozent vergleichbare Werte.

Dass die mittel- und osteuropäischen Staaten vom EU-internen Handel und den anderen Vorzügen des Binnenmarktes profitiert haben, lässt sich an einer Reihe von Indikatoren ablesen (Grafik). Ein Beispiel:

Das durchschnittliche Pro-Kopf-Einkommen der zehn neuen Mitgliedsländer erreichte im Beitrittsjahr 2004 nur 49 Prozent des EU-15-Niveaus – im Jahr 2012 waren es bereits 61 Prozent.

Zwar gab es schon vor dem Beitritt eine wirtschaftliche Annäherung, diese hat sich jedoch seither beschleunigt. Zum Glück, denn mit den von 1993 bis 2003 gemessenen Zuwächsen des Pro-Kopf-BIP hätten die zehn neuen Länder 37 Jahre gebraucht, um den Abstand zur EU-15 zu halbieren. Legt man aber die Entwicklung der Wirtschaftsleistung je Einwohner von 2004 bis 2013 zugrunde, beträgt diese „Halbwertszeit“ nur noch 25 Jahre.

Neben eigenen Anstrengungen der Beitrittsländer – sie haben unter anderem die Ausgaben für Forschung und Entwicklung kräftig gesteigert – trugen auch EU-Gelder zum Erfolg der EU-Erweiterung bei:

Um den wirtschaftlichen, sozialen und regionalen Zusammenhalt zu fördern, flossen 2012 per saldo noch fast 18 Milliarden Euro von den 15 alten in die zehn neuen Mitgliedsstaaten.

Das waren immerhin 2,2 Prozent der gemeinsamen Wirtschaftsleis­tung der zehn Beitrittsländer.

Im Jahr 2005 hatten diese Volkswirtschaften lediglich 68 Millionen Euro an EU-Fördermitteln erhalten. Ein Grund dafür war, dass die damaligen „EU-Junioren" zunächst Programme aufstellen und Projekte erarbeiten mussten, um das Geld aus Brüssel überhaupt sinnvoll einsetzen zu können.

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