M+E-Strukturbericht 07.02.2017 Lesezeit 4 Min. Lesezeit 1 Min.

Erfolgsstory mit ungewisser Zukunft

Eine hohe und steigende Produktivität ist für die M+E-Industrie in Deutschland enorm wichtig. Nur so kann sie trotz hoher Lohnkosten ihre internationale Spitzenposition behaupten und im Export erfolgreich sein. Im Vergleich zu den übrigen Wirtschaftszweigen in Deutschland haben die M+E-Branchen ihren Produktivitätsvorsprung in den vergangenen 25 Jahren ausgebaut. Seit 2011 steigt die Arbeitsproduktivität aber kaum noch.

Kernaussagen in Kürze:
  • In keinem Wirtschaftszweig ist die Arbeitsproduktivität in den vergangenen 25 Jahren so stark gestiegen wie in der M+E-Industrie.
  • Zurückzuführen ist das zum einen auf den Stellenabbau in der ersten Hälfte der 1990er Jahre und zum anderen auf die boomenden Exporte von Investitionsgütern bis zur Wirtschaftskrise 2008.
  • Zuletzt stagnierte die Produktivitätsentwicklung trotz der Hoffnungen, die sich mit der Digitalisierung verbinden.
Zur detaillierten Fassung

Die Produktivität der M+E-Industrie hat sich in den vergangenen 25 Jahren deutlich verbessert. Zu erkennen ist das am Verhältnis zwischen Output und Arbeitsinput, genauer an der Bruttowertschöpfung und der Zahl der Erwerbstätigen: Während die nominale Wertschöpfung der M+E-Branchen von 1991 bis 2014 um 65 Prozent oder 394 Milliarden Euro gestiegen ist, sank die Zahl der Erwerbstätigen um 1,3 Millionen auf etwa 3,8 Millionen.

Der Abbau von Arbeitsplätzen fand ausschließlich in den 1990er Jahren statt. Einer der Gründe dafür war der starke Beschäftigungsabbau in den M+E-Betrieben der ehemaligen DDR. Seit 2006 wächst die Zahl der Beschäftigten in der deutschen M+E-Industrie wieder.

M+E-Branchen liegen in der Produktivität vorn

In Sachen Produktivität haben die M+E-Branchen gegenüber der Gesamtwirtschaft einen erheblichen Vorsprung. Im Jahr 2014 lag die Arbeitsproduktivität, gemessen als nominale Bruttowertschöpfung je Beschäftigten, in der M+E-Industrie bei mehr als 85.000 Euro und damit 38,7 Prozent über dem gesamtwirtschaftlichen Durchschnitt von knapp 61.500 Euro. Der Vorsprung war aber nicht immer so groß. Kurz nach der Wiedervereinigung betrug die Differenz lediglich 8,8 Prozent.

In Sachen Produktivität hat die M+E-Industrie gegenüber der Gesamtwirtschaft einen erheblichen Vorsprung.

Von 1991 bis 2015 legte die Bruttowertschöpfung je Mitarbeiter in der M+E-Industrie um durchschnittlich 3,3 Prozent pro Jahr zu, in allen Wirtschaftszweigen dagegen nur um 2,2 Prozent. Die Entwicklung bei M+E verlief aber nicht gleichmäßig (Grafik):

In den Jahren 1991 bis 1997 und von 2003 bis 2007 stieg die Arbeitsproduktivität in der M+E-Industrie stark an. Die übrige Wirtschaft konnte nicht mithalten.

Die Gründe für diese beiden Wachstumsschübe könnten unterschiedlicher nicht sein: In den 1990er Jahren sorgte vor allem der Stellenabbau für einen rechnerischen Anstieg der Produktivität. Zwischen 2003 und 2007 boomte die M+E-Industrie dagegen, weil die Industrie weltweit ihre Kapazitäten ausbaute. Die dafür notwendigen Investitionsgüter kamen oft aus Deutschland, was den M+E-Output schneller steigen ließ als die Beschäftigung. Die Auftragsbücher waren voll – bis es Ende 2008 und Anfang 2009 im Zuge der weltweiten Wirtschaftskrise schlagartig bergab ging.

Der Wirtschaftseinbruch ließ die Produktivität deutlich sinken, da die Unternehmen ihre Belegschaften kaum verringerten, sondern in Erwartung einer baldigen Erholung auf Kurzarbeit setzten.

Gegenüber dem Spitzenwert von 2007 lag die Produktivität auf dem Höhepunkt der Rezession 2009 um ein Drittel niedriger.

Die Rechnung jener Unternehmen, die ihre Fachkräfte hielten, ging auf: Anders als die meisten EU-Länder erholte sich Deutschland rasch von der Krise. In der Metall- und Elektro-Industrie füllten sich die Auftragsbücher wieder. Die Produktivität übertraf 2011 sogar den Höchstwert von 2007.

Stagnierende Produktivität gefährdet Wettbewerbsfähigkeit

Doch seither geht es seitwärts und teilweise abwärts – wie in der Gesamtwirtschaft stagniert auch in den M+E-Zweigen die Produktivität, obwohl die Digitalisierung und die Industrie 4.0 große Potenziale bieten (Grafik).

Im Vergleich zum Jahr 2011 sank die Produktivität der M+E-Industrie bis 2015 um 1,7 Prozent.

Die Wertschöpfung ist zwar um 0,7 Prozent pro Jahr gewachsen, sodass sie 2015 rund 2,8 Prozent über dem Wert aus dem Jahr 2011 lag. Doch gleichzeitig stieg die Zahl der Erwerbstätigen jährlich um durchschnittlich 1,1 Prozent und lag um 202.600 höher als vier Jahre zuvor. Sparsam zeigen sich die M+E-Unternehmen bei den Vorleistungen, was zum Teil rückläufigen Rohstoffpreisen geschuldet sein dürfte.

Einige M+E-Branchen schrieben dennoch Erfolgsgeschichten:

Innerhalb der M+E-Industrie rangieren der Fahrzeugbau mit fast 122.000 Euro und die Elektroindustrie mit gut 90.000 Euro Wertschöpfung je Beschäftigten deutlich über dem Durchschnitt.

Der Fahrzeugbau konnte seit 1991 mit einem durchschnittlichen jährlichen Produktivitätswachstum von 4 Prozent sehr stark zulegen, gefolgt vom Maschinenbau mit 3,7 Prozent. Die Wertschöpfung je Mitarbeiter liegt im Maschinenbau trotzdem knapp unter dem M+E-Durchschnitt, was der überwiegend mittelständischen Struktur der Branche geschuldet ist. Kleine und mittlere Betriebe fertigen oft Kleinserien nach speziellen Kundenwünschen, was die Produktivität gegenüber Großunternehmen, wie sie zum Beispiel in der Autoindustrie dominieren, verringert.

Wie sich die Produktivität der gesamten M+E-Industrie entwickelt, ist entscheidend dafür, ob die heimischen M+E-Betriebe bei weiter steigenden Arbeitskosten international wettbewerbsfähig bleiben. Der schwache Zuwachs im Wirtschaftszweig bereitet aktuell Sorge.

Die Gründe sind noch nicht endgültig geklärt. So könnten die wachsenden Dienstleistungen der M+E-Betriebe rechnerisch die Produktivität drücken. Service und Schulungen dienen zwar der Kundenbindung, die Produktivitätsgewinne sind aber meist niedriger als in der Fertigung. Möglicherweise beschäftigen manche Firmen angesichts zunehmender Fachkräfteengpässe auch mehr Personal als nötig, um für höhere Auslastungen gewappnet zu sein. Auch die Internationalisierung könnte zur schwachen Produktivitätsentwicklung beitragen, da die Beschäftigten in Deutschland auch Arbeiten für Auslandswerke übernehmen.

Gutachten

Dieser Beitrag basiert auf dem Gutachten „Dritter Strukturbericht für die M+E-Industrie in Deutschland“, das die Institut der deutschen Wirtschaft Köln Consult im Auftrag des Arbeitgeberverbands Gesamtmetall erstellt hat. Download unter gesamtmetall.de

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